Begegnungen vor Ort Straßenmusik in Halle blüht auf: "Der beste Nebenjob"

Paula Kautz
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

In Halle blüht die Straßenmusik nach dem langen Corona-Lockdown wieder auf. Manche Straßenkünstler kommen sei Jahren hierher und zählen dadurch fest zum Stadtbild dazu. Die einen verdienen sich hier ein gutes Taschengeld, für andere muss das Geld zum Leben reichen. Eine Begegnung mit zwei Straßenmusikern.

Zwei Straßenmusiker in Halle – links Florian und rechts Gregory da Silva
Lehramtsstudent Florian (links) und Gregory da Silva begeistern die Menschen in der Innenstadt von Halle. Bildrechte: MDR/Paula Kautz

Er trägt einen riesigen Turm aus Eiern auf dem Kopf, verziert mit Masken und heute sogar noch mit einem Baguette dazu. Sein Körper ist in Deutschland-Fahnen gehüllt: Gregory da Silva ist der Eiermann. Seit einiger Zeit gehört er definitiv zu den "Originalen" der Stadt, jenen Menschen, die das Stadtbild von Halle prägen.

Zu diesem völlig abgefahrenen Erscheinungsbild des Eiermannes spielt da Silva auf einer Trommel im nahezu immer gleichen Rhythmus: "Mama-hehee Eiermann." Nach dieser Abfolge geht da Silvas Gesang in ein Lachen über. Die vorbeigehenden Leute auf der Leipziger Straße in Halle bleiben unweigerlich kurz stehen und müssen schmunzeln. Da Silvas Lachen steckt an.

500 Eier in einem Hut & Guiness-Buch der Rekorde

Gregory da Silva hat lange Zeit in Südafrika in Kapstadt gelebt, ursprünglich kommt er aus Benin. Seit zehn Jahren ist Halle seine Heimat. Mit dem Geld, das er mit seiner Straßenperformance einnimmt, kann er gerade mal die Kosten für das Kostüm decken, sagt er: "Jeden Tag mache ich ein neues Kostüm. Gestern war ich im Kaufland. Ich habe 500 Eier gekauft. Das war sehr teuer", sagt da Silva und lacht wieder sein volles, kehliges Lachen.

Ja, es sind echte rohe Eier, die da Silva auf seinem Kopf balanciert. Eine Schweißperle rinnt ihm von der Stirn ins Auge. Stillstehen kann er kaum. Denn das Konstrukt da oben auf seinem Kopf wiegt ganze 25 Kilogramm.

Zweimal stand er damit schon im Guinness-Buch der Rekorde. Trotz dieser Erfolge war die Lockdown-Zeit hart für ihn, sagt da Silva: "Die Corona-Zeit war eine Katastrophe. Mein Festival war abgesagt. Alle Events waren abgesagt – in New York, Dubai, China, der ganzen Welt." Jetzt hofft da Silva, dass die Pandemie bald vorbei ist und er endlich wieder mit seinem riesigen Eierhut durch die Welt touren kann.

Straßenmusiker als "der beste Nebenjob"

Der 27 Jahre alte Florian aus Braunschweig spielt erst seit zwei Jahren mit seiner Konzertgitarre auf der Straße. Für ihn ist das, wie er sagt, "der beste Nebenjob". "Hätte ich das eher gewusst, hätte ich damit schon viel eher angefangen", sagt der Lehramtsstudent für die Fächer Deutsch und Religion. Seine dicke braune Mähne weht ihm beim Spielen ins Gesicht. Auf den Fingerkuppen seiner linken Hand haben sich durch das Saitenzupfen weiße Hornhautstellen gebildet.

An sich sei es in der Innenstadt von Halle egal, wo er seine Gitarre auspacke. Er verdiene überall gut, meint Florian. Zwei Dinge sind aber seiner Erfahrung nach wichtig: "Es muss ein bisschen schmal sein und es darf nicht zu laut sein." Sein Platz vom Markt in Halle direkt zur Einmündung Leipziger Straße ist also der perfekte Ort – viele Menschen und kein Straßenverkehr.

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Ortswechsel nach einer halben Stunde

Maximal eine halbe Stunde lang darf ein Straßenmusiker in Halle an einem Ort Musik spielen, dann muss er 50 Meter weiterziehen. So sehen es die Regeln der Stadt Halle vor. Genau abgemessen wird das nicht. Als ein Polizeistreifenwagen die Einkaufsmeile in Halle herunterfährt, schiebt der "Eiermann" Gregory da Silva lässig mit dem Fuß sein Münzenkörbchen auf dem Boden ein Stück weiter und geht wenige Schritte bei Seite. Die Polizisten im Auto nicken grüßend und lächeln. Man kennt eben seine Originale in der Stadt. Bis Student Florian seinen Posten räumen muss, zupft er weiter spanische Musik "so von vor 150 Jahren" auf seiner Gitarre.

Paula Kautz
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Paula Kautz arbeitet seit Sommer 2018 bei MDR SACHSEN-ANHALT für den Hörfunk. Hauptsächlich ist sie in der Nachrichten-Redaktion und auch für das Regionalstudio in Halle tätig. Bevor die gebürtige Hallenserin zum MDR kam, machte sie Abstecher nach Barcelona und das Allgäu. Während ihres Journalistik-Studiums an der Universität Leipzig arbeitete sie für das Lokalradio mephisto 97.6 und absolvierte unter anderem Praktika bei der Deutschen Presseagentur und dem MDR. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist das Bodetal im Harz.

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