Frühstückscafé Tekiez Früherer "Kiez-Döner" in Halle schließt

Zuletzt war der "Kiez-Döner" in Halle zu einem türkischen Frühstückscafé umgebaut worden – nun muss das 2019 beim rechtsextremistischen Anschlag betroffene Geschäft schließen. In einer Erklärung heißt es, dass die Einnahmen nicht reichten, um die Existenz abzusichern.

Ein Café mit grüner Wandverkleidung in Halle. In der Mitte steht ein Kuchenbuffet. Im Hintergrund ist der Tresen zu sehen, hinter dem zwei Männer stehen.
Der zuletzt zum Café umgebaute "Kiez-Döner" in Halle schließt. Bildrechte: MDR/ Susann Lehmann

Der von dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Synagoge von Halle betroffene ehemalige "Kiez-Döner" schließt zum Ende des Monats.

Blick auf die Ludwig-Wucherer-Straße in Halle. Neben dem Tekiez-Café ist eine Holzterasse entstanden.
Vor einem halben Jahr hatte im früheren "Kiez-Döner" ein türkisches Frühstückscafé eröffnet. Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

In einer Erklärung in mehreren sozialen Netzwerken heißt es, dass die Einnahmen des zum türkischen Frühstückscafé umgebauten Geschäfts nicht existenzfähig seien. "Ein halbes Jahr nach der Neueröffnung des 'Tekiez' müssen wir leider feststellen, dass der Laden İsmet und Rıfat Tekin und ihre Familien existenziell nicht absichern kann", heißt es darin.

Vor allem die vierte Welle der Corona-Pandemie hätte für ausbleibende Gäste in dem Café gesorgt. Die aktuellen Einnahmen reichten seit Monaten weder für die Lebensunterhalts-Sicherung der Betroffenen noch für die Miete des Ladens oder Einkäufe, um mehr Kundschaft anzuwerben.

Bundesweit in den Schlagzeilen

Durch den rechtsextremistischen Anschlag am 9. Oktober 2019 in Halle war der "Kiez-Döner" in der Ludwig-Wucherer-Straße bundesweit bekannt geworden. Attentäter Stephan B. hatte an dem Tag zunächst vergeblich versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort ein Blutbad anzurichten.

Nachdem ihm dies nicht gelungen war, erschoss er unter anderem im "Kiez-Döner" einen 20 Jahre alten Gast. Das Oberlandesgericht Naumburg hatte Stephan B. wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes im Dezember 2020 zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

"Bittere Enttäuschung"

In ihrer Erklärung beklagen die beiden Betreiber Ismet und Rifat Tekin, dass eine strukturelle Absicherung und staatliche Unterstützung fehlten. Dies sei "besonders schmerzhaft und eine bittere Enttäuschung". Die Tageszeitung "Taz" berichtet derweil, dass die Stadt Halle zurückweist, keine Unterstützung zu leisten. Dem Bericht zufolge wollen sich die Betreiber unterdessen nicht weiter persönlich äußern und bitten, von weiteren Anfragen abzusehen.

Seit dem Anschlag war mit der Unterstützung städtischer Unternehmen und Vereine ein mittlerer fünfstelliger Betrag an Hilfsgeldern zusammengekommen. Das türkische Frühstückscafé "Tekiez" war vor einem halben Jahr eröffnet worden. Betreiber Ismet Tekin hatte in der Vergangenheit auch kritisiert, dass er nicht als Überlebender des Anschlags anerkannt wird, obwohl er sich damals im Schusswechsel des Attentäters mit der Polizei befand.

MDR (Felix Fahnert), epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2022 | 12:30 Uhr

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