Vor 25 Jahren Reporter erinnert sich: Fallschirm-Unglück mit vier Toten beim HFC in Halle

Vor 25 Jahren, am 26. September 1997, sollten zehn Fallschirmspringer im damaligen Kurt-Wabbel-Stadion des Halleschen Fußballclubs landen und den Spielern den Ball bringen. Bei einem Fallschirmspringer öffnete sich der Fallschirm nicht. Er raste zu Boden und riss drei Menschen mit in den Tod, die noch in der Schlange warteten. Ein MDR-Reporter blickt zurück.

Ein Fallschirmspringer landet im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion.
Der Unfall geschah unmittelbar vor Beginn eines Fußballspiels im Kurt-Wabbel-Stadion Halle, als eine Formation von zehn Fallschirmspringern den Spielball auf das Feld bringen sollte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR-Reporter Dirk Jacobs war einen Tag nach dem Fallschirm-Unglück als Reporter an der Unglücksstelle. Dirk, welche Erinnerungen hast du?

Dirk Jacobs, MDR-Reporter und Radio-Moderator: Ich habe heute noch einige Bilder im Kopf, wenn ich an dieses schreckliche Unglück denke. Selbst einen Tag danach war in der Nähe der Kassenhäuschen gut sichtbar, was passiert war. Man muss sich vorstellen: Der Fallschirmspringer – er hieß Matthias Becker – war ein erfahrener Ausbilder vom Fallschirmsportclub Oppin, raste aus 1.100 Metern Höhe ungebremst mit Tempo 180 nach unten und knallte in die Warteschlange vor dem Kassenhäuschen.

Viele Fußballfans laufen über den Rasen im halleschen Kurt-Wabbel-Stadion.
Fans verlassen 1997 das Stadion: Das Spiel ist wegen des schweren Unfalls abgesagt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der tragische 26. September 1997 in Halle Bei dem Derby der beiden halleschen Fußballmannschaften Hallescher FC und VfL Halle 1896 wurden drei Zuschauer getötet und sechs bzw. sieben weitere verletzt – die Angaben dazu schwanken.

Auch ein erfahrener Fallschirmspringer und Ausbilder des Flugsportvereins Halle-Oppin starb an dem Tag. Aus 1.100 Metern Höhe fiel er ungebremst herab, da sich sein Fallschirm nicht öffnete. Der 37-jährige Fallschirmspringer hinterließ seine Frau und drei Kinder. Die tödlich verletzten Zuschauer waren zwischen 18 und 28 Jahren alt. Das Spiel wurde wegen des Unglücks kurz vor Anpfiff abgesagt.

Weiß man heute, warum sich der Fallschirm damals nicht öffnete?

Ich habe es schon erwähnt: Der Matthias war wirklich ein erfahrener Springer. Er wird bestimmt immer wieder an der Reißleine gezogen haben – aber es passierte eben nichts. Warum er den Notfallschirm nicht ausgelöst hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Kerzen und Blumen auf einem Gehweg
Die Hallenserinnen und Hallensern gedachten damals am Unfallort der Verstorbenen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Unglücksursache Experten des Luftfahrtbundesamts gaben zwei Tage nach dem Absturz die Ursache für den schweren Unfall bekannt. Der Fallschirmspringer hatte, wie auch andere der Springer, Flaggen dabei. Das Luftfahrtbundesamt erklärte im September 1997: "Die Befestigungsleine dieser Flagge an seinem Gurtzeug war an einer Stelle festgemacht, die dazu geführt hat, dass ein Teil des Öffnungsmechanismus des Hauptschirms blockiert wurde."

Welche Konsequenzen gab es?

Damals war es fast gang und gäbe, bei den Spielen irgendein spektakuläres Highlight zu präsentieren – eben zum Beispiel den Spielball von Fallschirmspringern ins Stadion bringen zu lassen. Damit war es dann aber vorbei. Und natürlich hat man anschließend das Fallschirmspringen sicherer gemacht. Heutige Fallschirme lösen in einer bestimmten Höhe automatisch einen Reserveschirm aus.

Wie erinnert Halle in diesem Jahr an das Unglück vor 25 Jahren?

Direkt am Marathontor des Stadions gibt es an der Unglücksstelle eine Gedenktafel. Dort legen HFC-Präsident Jens Rauschenbach und ein Vertreter der Stadt am Montagnachmittag einen Strauß zum Gedenken an die Todesopfer nieder.

MDR (Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. September 2022 | 13:10 Uhr

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