Martin-Luther-Universität Streit ums Gendern: Professor in Halle fordert "Hochdeutsch" ein

An der Universität Halle-Wittenberg gibt es Streit über gendergerechte Sprache. Der Politikprofessor Jürgen Plöhn am Institut für Politikwissenschaft hat in seinen Veranstaltungen die Verwendung von nach seinen Worten "ideologisch geprägter" Gendersprache untersagt. In Arbeiten streicht er sie als sprachliche Fehler an. Gegen seine Bewertungspraxis regt sich Protest.

Schild mit Aufschrift Gendersternchen
An der Universität Halle-Wittenberg ist ein Streit ums Gendern entbrannt. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Das Leitbild der Universität Halle-Wittenberg in Sachen "Gendern" ist deutlich. Die Uni hat sich zu einem geschlechtergerechten Sprachgebrauch verpflichtet und erklärt, dass die Verwendung einer solchen Sprache in der Lehre selbstverständlich werden soll.

Professor weicht vom Uni-Leitbild ab

Das war sie aber offensichtlich nicht, jedenfalls nicht bei Jürgen Plöhn, der seit vielen Jahren als außerplanmäßiger Professor lehrt. Er verlangte von den Studierenden eine deutsche Hochsprache: "Ich möchte nichts anderes als das, was alle Studenten, die ich irgendwo gehabt habe von 1985 bis zum Wintersemester letzten Jahres: Diese Sprache verwenden. Und möglichst korrekt." Fehler streiche er an, das sei auch Teil der Bewertung und das gelte auch für Gendersprache.

Und wenn da Fehler drinnen sind, dann streiche ich die an und das ist auch Teil der Bewertung. Und das gilt auch für Gendersprache.

Jürgen Plöhn Professor für Politikwissenschaften

Plöhn fühlt sich persönlich diskriminiert

Und die Gendersprache hält Plöhn für diskriminierend Männern gegenüber. Wer die männlichen Bevölkerungsteile nicht mehr für erwähnenswert hält, der drücke seine bewusste Verachtung aus, schreibt Plöhn in der Beschreibung zu einem seiner Seminare. Und wenn er der einzige Leser der so verfassten Seminararbeiten sei, dann sei das ein gezielter Affront gegen ihn.

Gebäude der Martin-Luther-Universität spiegeln sich in der Scheibe eines weiteren Uni-Gebäudes.
Audimax der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Studierende reichen Beschwerde ein

Einige Studierende haben dagegen die Bewertungspraxis von Plöhn als Affront gegen sich gewertet – und Beschwerde bei der Stabsstelle Vielfalt und Chancengleichheit eingereicht. Und die Reaktion der Hochschule folgte prompt. Auf Nachfrage von MDR AKTUELL erklärt die Uni:

Herr Plöhn wurde aufgefordert, die einschlägigen Einträge in den elektronischen Informationen zu seinen Lehrveranstaltungen zu entfernen und den Studierenden mitzuteilen, dass sich die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache nicht nachteilig auf die Leistungsbewertung auswirken werde.

Universität Halle-Wittenberg

Außerdem habe man deutlich gemacht, dass eine Diskriminierung von Studierenden nicht toleriert werden könne. Bewirkt habe das nichts. Und auch auf die wiederholte Aufforderung habe der Professor nicht reagiert. Er habe sich zu keinem Zeitpunkt um ein klärendes Gespräch bemüht, erklärt die Uni weiter. Man habe ihn aber nie aufgefordert, selbst eine gendersensible Sprache zu verwenden.

Plöhn verwehrt sich gegen "Genderideologie"

Für Plöhn geht das aber zu weit. So weit, dass er diese Aufforderung in die Tradition totalitärer Regime rückt. Er sei 1992 an die Uni Halle-Wittenberg gekommen, sagt Plöhn, "weil es damals darum ging, die Prägung der Universität durch zwei Diktaturen zu überwinden und nun wissenschaftsorientiert neu aufzubauen. Gegen eine Ideologie, die wissenschaftsfremd ist." Diese Linie habe er verfolgt, seit er nach Halle gekommen sei. Und auch eine dritte Ideologie werde er nicht in seine Lehrveranstaltungen eindringen lassen.

Uni: Prüfungen wären rechtlich anfechtbar

Und das wird auch nicht passieren, jedenfalls nicht in diesem Semester, in dem Plöhn keine Seminare anbietet. Und dabei bleibt es wohl auch. Als Reaktion auf seine Bewertungspraxis hat die Uni beschlossen, Plöhns Lehrveranstaltungen keinen Wahlpflichtmodulen mehr zuzurechnen – so können Studierende dort keine Prüfungsleistungen mehr erbringen. Aus Sicht der Uni wären sie rechtlich anfechtbar. In den Prüfungsordnungen werde die gendersensible Sprachform nämlich nicht verboten. Darauf basierende negative Bewertungen beruhten also auf sachfremden Erwägungen, die den Spielraum des Prüfers überschreiten.

Mehr zu gendergerechter Sprache

MDR (Dominik Knauft)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 19. September 2022 | 09:00 Uhr

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