Park bei Halle-Neustadt Sorge wegen Wildschweinen in Halle

Wildschweine trauen sich immer näher an Wohnhäuser in Halles Westen heran. Diese Woche gab es einen Beinahe-Unfall mit einem Bus. 100 Schweine wurden bereits abgeschossen. Mancher Spaziergänger ist nur noch mit Sorge unterwegs.

Eine Rotte Wildschweine (Sus scrofa) sucht Nahrung auf einem Waldweg
Auf den Wiesen zwischen Halle-Neustadt und dem Stadtteil Heide-Süd sind in Herbst und Winter Wildschweine unterwegs. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Kickner

Die Wiesen sind aufgewühlt, im Matsch sind Hufabdrücke von Wildschweinen zu sehen und manche Spaziergänger sagen, es rieche sogar nach Schwein: Am Rand von Halle-Neustadt sind in Herbst und Winter immer wieder Wildschweine unterwegs.

"Ich habe sonst immer nur die Spuren gesehen oder das Grunzen gehört. Aber dieses Mal standen die sieben Meter von mir entfernt", erzählt der 35-jährige Stefan Löper. Er wohnt nahe des Bruchsees in Halle-Neustadt. Jeden Tag geht er mit seinem Hund im weitläufigen Park zwischen dem Plattenbauviertel Halle-Neustadt und der Einfamilienhaussiedlung Heide-Süd spazieren. Der Bereich heißt passenderweise "Am Saugraben".

"Das war eine richtig große Rotte"

Bei seiner Begegnung in der Dämmerung standen ihm und seinem Hund zehn bis 14 Schweine gegenüber, sagte Löper MDR SACHSEN-ANHALT. "Das war eine richtig große Rotte."

Eine von Wildschweinen aufgewühlte Wiese
Die Wildschweine wühlen sich bis an die Häuser im Stadtviertel Heide-Süd heran. Bildrechte: Stefan Löper

Bisher hatte er höchstens einmal ein Grunzen gehört. Die Schweine seien zum Glück schnell geflüchtet. Dennoch macht er sich Gedanken. "Das ging gut aus, aber das empfinde ich wie Russisch Roulette", so der junge Mann. Wildschweine hätten mehr als 40 Zähne und könnten auch einem erwachsenen Mann Gliedmaßen abbeißen. Und auch Kinder seien im Park unterwegs.

Schon seit vier Jahren will der Hallenser, dass etwas gegen die Wildschweine unternommen wird und wendet sich an Ordnungsamt und Politiker. Doch es sei nichts geschehen, die Schweine kämen nach seinem Gefühl immer näher. Sicher fühle er sich im Park nicht mehr.

Beinahe-Unfall mit Wildschwein

Am Montag erst wäre es fast zu einem Unfall zwischen einem Bus und einem Wildschwein gekommen – an einer Straße am Rand des "Saugrabens". Wie die Polizei mitteilte, hatte der Fahrer des Linienbusses gegen fünf Uhr früh so stark bremsen müssen, dass ein Fahrgast gestürzt sei und ins Krankenhaus gebracht werden musste. "Das hätte man verhindern können", so Stefan Löper. Er habe mehrere Jahre gekämpft, damit so etwas nicht passiert. Er möchte, dass die Stadt die Zahl der Schweine endlich reduziert.

319 Wildschweine erschossen

Von der Stadt Halle heißt es, dass die Situation bekannt sei. Schwarzwild würde deshalb das ganze Jahr über gejagt. Im Jagdjahr 2020/21 seien es in den Jagdbezirken Halle West 55 Stück Schwarzwild und in der Dölauer Heide 45 Stück Schwarzwild gewesen, im gesamten Stadtgebiet insgesamt 319 Tiere. Die Stadt unterstütze Jagden regelmäßig. Entsprechend des Jagdrechts könnten Jäger, Jagdpächter und Inhaber von sogenannten Begehungsscheinen jederzeit jagen.

Wildtiere nicht füttern Was der Stadt Halle wichtig ist: In der städtischen Gefahrenabwehrverordnung ist ein Fütterungsverbot von freilebenden Wildtieren festgelegt. Auch in der Natur entsorgte Essensreste könnten die Tiere anlocken. Bürgerinnen und Bürger sollten deshalb keine Essensreste in der Natur entsorgen und Fallobst nicht liegen lassen. Dadurch würden WIldschweine angelockt.

Meldung an Polizei oder Ordnungsamt

Seit schätzungsweise 20 Jahren gibt es nach Angaben der Stadt am "Saugraben" Schwarzwild. Wie viele Wildschweine es seien, sei jedoch nicht bekannt. Wer sich von den Schweinen bedroht fühle, könne sich jederzeit ans Ordnungsamt, die Polizei oder die Feuerwehr wenden. Die Meldungen würden registriert und in Abstimmung mit den Jagdpächtern behandelt, so Halles Pressesprecher Drago Bock. Der Abschuss liege in deren Verantwortung und sie würden tun, was sie können.

Eine von Wildschweinen aufgewühlte Wiese
Im Park sehen immer mehr Wiesen wie diese aus. Bildrechte: Stefan Löper

Für Stefan Löper, der täglich Angst hat, wieder auf Wildschweine zu treffen, ist das keine befriedigende Antwort. Er möchte, dass die Schweine so dezimiert werden, dass sie nicht mehr für Fußgänger, Fahrradfahrer oder Schüler zum Problem werden können. "Sie könnten alle auf die Wildschweinrotte treffen. Und wenn sich die Tiere erschrecken oder bedroht fühlen, kann das irgendwann auch mal richtig dumm ausgehen."

MDR/Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 21. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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