Mitgliedschaft in terroristischer Vereinigung Prozessauftakt gegen IS-Rückkehrerin Leonora M.

Am Dienstag hat der Prozess gegen die IS-Rückkehrerin Leonora M. aus Breitenbach bei Sangerhausen begonnen. Die Vorwürfe: Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Unterstützung des Menschenhandels ihres Mannes und Verstöße gegen Waffengesetze.

Leonora M
Leonora M. muss sie sich unter anderem wegen Menschenhandels vor Gericht verantworten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die heute 22-Jährige Leonora M. muss sich vor dem Oberlandesgericht Naumburg verantworten. Der jungen Frau aus Breitenbach bei Sangerhausen wird vorgeworfen, sich in Syrien als Angehörige des sogenannten "Islamischen Staats" registriert und sich somit an einer ausländischen terroristischen Vereinigung beteiligt zu haben. Sie hat sich bereits am ersten Prozesstag zu den Tatvorwürfen gegen sie eingelassen. Das teilte eine Gerichtssprecherin mit.

Für das Verfahren sind zunächst 22 Verhandlungstage angesetzt. Die Öffentlichkeit ist von dem Verfahren ausgeschlossen. Die Verhandlung erfolgt im Hochsicherheitssaal im Justizzentrum Halle.

Hochzeit mit IS-Kämpfer aus Deutschland

In Syrien lebte Leonora M. von März 2015 bis Juni 2017 in Rakka und heiratete den IS-Kämpfer Martin Lemke aus Zeitz, der bereits im November 2014 mit seinen beiden Frauen und zwei Kindern nach Syrien ging. In Rakka habe sie "entsprechend den ihr nach der Ideologie des IS obliegenden Pflichten den Haushalt versehen" und damit auch ihren Ehemann in seiner Arbeit für die Terrormiliz gefördert, heißt es in der Anklage.

Ende Juni 2015 "kaufte" ihr Mann eine Jesidin mit dem Ziel, sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Leonora M. habe die 33-Jährige und ihre beiden Kinder gepflegt und somit den Menschenhandel ihres Mannes unterstützt, wirft ihr die Anklage vor. Auch der Verstoß gegen Waffengesetze ist ein weiterer Anklagepunkt. Leonora besaß offenbar eine halbautomatische Pistole und ein Sturmgewehr.

Vater versuchte, Tochter nach Deutschland zu holen

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil der Vater von Leonora M. mit Hilfe von Schleusern knapp zwei Jahre lang versucht hatte, seine Tochter wieder nach Hause zu holen. Über zehn Mal scheiterte das Vorhaben.

Erst als der IS 2017 immer weiter zurückgedrängt worden ist, flohen Leonora M. und ihr Mann im Juni aus Rakka. Auf der monatelangen Flucht brachte Leonora M. zwei Mädchen zur Welt. Nur 14 Tage nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Januar 2019 ergaben sie sich kurdischen Sicherheitskräften. Leonora M. wurde daraufhin mit ihren beiden Töchtern in ein Gefangenenlager im Nordosten Syriens gebracht.

Im Dezember 2020 holte die Bundesregierung in einer Geheimoperation Leonora M. mit ihren beiden Kindern zurück nach Deutschland. Bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main wurde sie zunächst durch Beamte des LKA Sachsen-Anhalt verhaftet, ehe sie nach drei Wochen auf freien Fuß kam.

Strafmaß noch unklar

Noch ist unklar, mit welcher Strafe Leonora M. rechnen muss. Das Strafmaß hängt von etlichen Faktoren ab. Zum einen muss das Gericht entscheiden, ob Jugendstrafrecht anzuwenden ist. Das sieht maximal zehn Jahre Gefängnis vor. Zudem hätte das Gericht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die Haftjahre in dem nordsyrischen Gefängnis anzurechnen. Denkbar ist demzufolge auch, dass Leonora M. keine weitere Haftzeit mehr absitzen muss.

Den Vorsitz in dem Verfahren wird Richterin Ursula Mertens haben. Mertens hatte auch den Prozess um den Halle-Attentäter geleitet.

#MDRklärt Wie ein Mädchen aus Sachsen-Anhalt zum Terrorismus kam

Leonora M. kommt vor allem durch die sozialen Netzwerke in Kontakt mit dem sogenannten "Islamischen Staat". Eine Chronologie der Ereignisse.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Januar 2022 | 05:00 Uhr

MDR (Kathrin Köcher,Thomas Tasler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Januar 2022 | 11:00 Uhr

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