Chemiestandort Russland liefert weiter Erdgas und Rohöl nach Leuna

Stephan Schulz
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Der Krieg in der Ukraine hält das russische Erdgas nicht auf. Es strömt durch die Pipelines, mitten durch die umkämpften Gebiete. Russland liefert seit dem Angriff auf die Ukraine sogar mehr Gas nach Mitteldeutschland als vor Ausbruch des Krieges.

Industrieanlage im Dunklen
Die Raffinerie Leuna erhält fast ausschließlich Öl und Gas aus Russland. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt haben einige Mitarbeiter tagelang gebannt die Erdgaslieferungen aus Russland über die Internetseite ENTSOG Transparancy verfolgt. Wohl mit der Befürchtung, dass Russland die Lieferungen drosseln könnte.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Es fließt mehr Gas nach Europa als vor Ausbruch des Krieges. Christof Günther, Chef der InfraLeuna, bestätigt das: "Es kommen große Erdgasmengen über die Ukraine-Pipeline", sagt der Geschäftsmann und ist froh darüber.

Sein Unternehmen hat für den Chemiestandort Leuna gewissermaßen die Funktion eines Stadtwerkes. Es betreibt zwei Kraftwerke, die auf russisches Erdgas angewiesen sind. "Etwa 50 bis 60 Prozent der Mengen, die wir benötigen, kommen aus Russland", sagt Günther. Mit dem Gas wird beispielsweise die Stromversorgung des Chemieparks sichergestellt. "Es wird aber auch stofflich genutzt, um Wasserstoff herzustellen" so Günther.

Auch Rohöl fließt nach Leuna

Nicht auf Erdgas, sondern auf Rohöl ist das Herzstück des Chemiestandortes Leuna angewiesen: die Total-Raffinerie. Sie gehört dem französischen Mineralölkonzern TotalEnergies mit Hauptsitz in Courbevoie bei Paris. Nach Angaben des Unternehmens verarbeitet die Destillationsanlage der Raffinerie täglich rund 30.000 Tonnen Rohöl.

Das strömt vorwiegend über die schon zu DDR-Zeiten aktive Pipeline "Druschba" aus Russland nach Sachsen-Anhalt. Etwa 1.300 Tankstellen im Einzugsbereich der Raffinerie erhalten ihren Nachschub aus Leuna, heißt es auf der Konzern-Homepage.

Keine Sorge vor Lieferausfällen

Wirtschaftswissenschaftler befürchten gravierende Auswirkungen für Leuna, sollten die Öllieferungen aus Russland ausbleiben. Doch Anzeichen dafür sieht der französische Mineralölkonzern derzeit nicht. In einem schriftlichen Statement heißt es: "Die TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland arbeitet normal, hat zur Zeit keine Versorgungsprobleme und beliefert weiterhin alle Kunden." 

Auch Christof Günther von der InfraLeuna glaubt nicht, dass es so schnell zu Engpässen kommen wird: "Solange Russland für seine Rohstofflieferungen bezahlt wird, solange wird es auch keine Probleme geben." 

Die Europäische Union und damit auch Deutschland wollen Russland wegen des Angriffs auf die Ukraine wirtschaftlich schwächen. Deshalb wurde das Land weitestgehend vom internationalen Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen. Davon ausgenommen sind jedoch Energielieferungen, hier läuft die Zahlungsabwicklung weiter wie vor dem Krieg.

Allerdings steigen die Preise merklich an, sagt Christof Günther von der InfraLeuna: "Das ist die Kehrseite der Medaille." Russland selbst sei dabei aber nicht der Preistreiber: "Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen gibt es eine große Verunsicherung unter den Marktteilnehmern. Das treibt den Preis in die Höhe."

Wirtschaftsminister Schulze: "Keine Panik"

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) kann derzeit auch keine Versorgungsengpässe erkennen. Allerdings will er nicht spekulieren, was in einigen Wochen ist. "Die Fakten sind, dass die Lieferungen bei Gas und Öl weiter laufen. Es wäre deshalb falsch, jetzt in Panik zu verfallen."

Russland braucht das Geld, so wie wir Erdgas brauchen.

Christof Günther InfraLeuna

Christof Günther glaubt sogar, dass bei einer weiteren Eskalation des Ukrainekrieges nicht damit zu rechnen ist, dass Russland seine Energielieferungen einstellt.

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MDR (Stephan Schulz, Thomas Tasler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 02. März 2022 | 12:00 Uhr

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