Versorgung in den Krankenhäusern Wie gelingt die Versorgung der „Nicht-Coronapatienten“?

Schon mehrfach hat MDR exakt während der Coronapandemie im Carl-von-Basedow Klinikum in Merseburg gedreht. Dieses Mal beschäftigt die Ärzte, vor allem die Versorgung der „Normalpatienten“. Wie ist die Situation?

OP eines Nicht-Corona-Patienten
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In der Notaufnahme des Carl-von-Basedow-Klinikums in Merseburg herrscht Hochbetrieb. Mittlerweile sind es aber nicht mehr vor allem Covid-Patienten, die hier eingeliefert werden. Noch vor wenigen Wochen hatte diese Klinik rund hundert Patienten im Haus, deren Coronainfektion behandelt werden mussten, jetzt sind es nur noch 24. Trotzdem arbeitet die Notaufnahme an diesem Tag an der Kapazitätsgrenze.

Auch kommen jetzt viele Patienten, die schon lange auf eine Behandlung warten, bisher aber nicht behandelt werden konnten, weil in den Kliniken die Kapazitäten fehlten. Manche Patienten haben sich auch absichtlich nicht in Behandlung begeben, erklärt Hartmut Stefani, Chefarzt der Notfall- und Akutmedizin: "Ganz viele Patienten kommen jetzt als ganz dringlicher oder Notfallpatient zu uns, die offenbar in den letzten Wochen den Arztbesuch vermieden haben und die brauchen schnell ein Bett und eine vernünftige Behandlung.

Patient auf ITS 9 min
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Bei der Endoskopie treffen wir auch Chefarzt Sven-Uwe Hake wieder. Er ist in sein eigentliches Tätigkeitsgebiet zurückgekehrt und kann sich – als Gastroenterologe – wieder um die Erkrankungen von Magen und Darm kümmen. Er ist froh, sich endlich wieder den Patienten widmen zu können, die schon lange auf Hilfe warten:

Da haben sich ganz viele Patienten angesammelt. Und im Moment hatten zwar Tumorpatienten den Vorrang, aber auch die ganznormalen Krankheiten sind ja behandlungspflichtig und müssen versorgt werden.

Sven-Uwe Hake Gastroenterologe

Es fehlt an Personal

Das Nadelöhr, um zum Beispiel Tumor-Operationen durchführen zu können, ist die Intensivstation. Hier ist wieder reger Betrieb. Nur zwei Betten sind frei. Das Problem: Das Personal ist knapp, wie an vielen anderen Krankenhäusern auch.

Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen ist Intensivschwester Andrea erschöpft: "Man läuft achteinhalb Stunden hier unentwegt hin und her, man hat keine Pause. Man ist nur am Laufen. Man ist dann fix und fertig nach acht Stunden. Wenn wir mehr wären, wie es eigentlich sein sollte, könnte man sich um die Patienten intensiver kümmern. Man könnte sie man pflegen oder auch mal ein Gespräch mit einem Patienten führen."

Es sind die sehnsüchtig auf dringliche Operationen wartenden Nicht-Covid-Patienten, die davon profitieren, dass Menschen wie Andrea und all die anderen Pflegekräfte in diesen Zeiten des Mangels bis an den Rand ihrer Kräfte gehen.

Das Dringlichste wird geschafft

So sind es viele Patienten, bei denen eine zeitnahe Behandlung besonders wichtig ist, die jetzt endlich versorgt werden können. Für Krebs- und Schmerzpatienten war das lange Warten auf die Behandlung nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische Tortur. Weshalb Dr. Schütte, Leiter im Zentrum für operative Medizin, und seine Kolleginnen und Kollegen versuchen, zu schaffen, was man derzeit schaffen kann: "Wir haben als Allererstes die Komplexe Schmerztherapie einstellen müssen. Das sind keine Notfälle – aber das sind Patienten, die leiden unendlich und die froh sind, wenn sie einen Termin im Krankenhaus kriegen. Die mussten wir absagen! Das ist für die Patienten eine ausgesprochen unangenehme Situation! Aber wenn keine Kapazität da ist, dann können wir auch nicht operieren."

Bundesweit wurden schon mit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 Tausende Operationen verschoben. Eine Studie zeigte jüngst, dass es damals bei kleineren Eingriffen Rückgänge bis zu fast 40 Prozent waren und selbst bei den hochsensiblen Krebsoperationen noch fast zehn Prozent.

Jetzt kann endlich einigen dieser Menschen geholfen werden. Denn vielen der Patienten, die eben nicht Covid-Fälle waren, geht es heute schlechter, als dies vor der Pandemie der Fall war, berichtet Dr. Stefani: "Wenn das System für frühzeitige Diagnostik, also freie Krankenhausbetten und hausärztliche Früherkennung von Symptomen, verfügbar ist, dann sind die Patienten natürlich gesünder. Wenn alles verschoben wird, dann führt das eben dazu, dass die Patienten, wenn sie im Krankenhaus ankommen, wirklich kränker sind."

In Merseburg ist das zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Man hofft, noch möglichst viele Nicht-Corona Patienten zu behandeln, bevor Omikron die Zahl der Coronapatienten vielleicht wieder steigen lässt.

Quelle: MDR exakt/ est

*aus redaktionellen Gründen wurde dieser Text nach der Veröffentlichung leicht verändert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 12. Januar 2022 | 20:15 Uhr

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