Begehrtes Diebesgut Warum immer mehr Auto-Katalysatoren geklaut werden

Seit einiger Zeit häufen sich die Meldungen über gestohlene Auto-Katalysatoren in Sachsen-Anhalt. Zwischen 2020 und 2021 hat sich die Zahl der Diebstähle mehr als verdreifacht. Besonders viel wird in den Großstädten Magdeburg und Halle gestohlen. Die Katalysatoren enthalten Edelmetalle, die stark im Preis gestiegen sind und den Dieben mitunter mehrere Hundert Euro einbringen.

Ein Mann zeigt unter einem nachgerüsteten Volvo XC60 auf einen Hydrolyse-Reaktor neben einem SCR-Katalysator (gestellte Szene).
Der Katalysator befindet sich am Unterboden eines Autos und ist bei Dieben aktuell besonders gefragt. Bildrechte: dpa

  • In Sachsen-Anhalt werden immer häufiger Katalysatoren aus Autos geklaut, vor allem in den Großstädten.
  • Die Diebe brauchen oft nur wenige Minuten, um das Fahrzeugteil zu entfernen.
  • Der ADAC gibt Tipps, wie man sich gegen einen Katalysatoren-Klau schützen kann.

Pkw-Katalysatoren sind als Diebesgut immer beliebter. Zuletzt haben Unbekannte in Magdeburg zwischen dem 04. und 15. Januar die Abgasreiniger aus zwei parkenden Autos ausgebaut mit mitgenommen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Am Donnerstag meldete sie drei weitere Diebstähle, die sich zwischen Ende Dezember und Mitte Januar in der Landeshauptstadt ereignet haben.

In Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr insgesamt 409 Katalysatoren gestohlen, wie das Landeskriminalamt (LKA) MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte. Das Phänomen sei schon seit Längerem bekannt, 2021 habe es aber einen signifikanten Anstieg der Fallzahlen gegeben. Genauer gesagt hat sich die Zahl fast vervierfacht. 2020 registrierte das LKA noch 110 Katalysatoren-Diebstähle, 2019 waren es noch elf und 2018 zehn.

In den Katalysatoren sind hochwertige Rohstoffe wie Palladium, Platin und Rhodium verbaut, auf die es die Täter abgesehen haben.

Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt

Teure Edelmetalle in Katalysatoren

Grund für das gesteigerte Interesse Krimineller an den Katalysatoren sind die darin enthaltenen Edelmetalle wie Palladium, Platin und Rhodium. Die Preise für diese Rohstoffe sind in letzter Zeit stark angestiegen, weshalb sich das Recyceln eines Katalysators lohnt, teilt der ADAC auf seiner Webseite mit. Platin wird demnach aktuell mit 33 Euro pro Gramm gehandelt, Palladium mit 77 und für Rhodium sogar mit 770 Euro. Zum Vergleich: Ein Gramm Gold kostet knapp 50 Euro. Für einen gebrauchten Katalysator bekommen die Diebe also teilweise mehrere Hundert Euro.

Was ist ein Katalysator? Katalysatoren, kurz Kat genannt, reduzieren in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die ausgestoßenen Schadstoffe.

Sie wandeln Kohlenwasserstoffe, Kohlenstoffmonoxid und Stickoxide in die ungiftigen Stoffe Kohlenstoffdioxid, Wasser und Stickstoff um.

Der erste Autoabgaskatalysator wurde von einem französischen Ingenieur entwickelt und 1956 patentiert. 1985 wurden in Deutschland die ersten Pkw mit Katalysatoren zugelassen. Seit 1993 sind sie in der EU Pflicht für alle Neuwagen mit Otto-Motor.

#MDRklärt Darum werden mehr Auto-Katalysatoren geklaut

Darum werden mehr Auto-Katalysatoren geklaut
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Darum werden mehr Auto-Katalysatoren geklaut
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Die Zahl der Diebstähle von Katalysatoren hat sich alleine in Sachsen-Anhalt im letzten Jahr beinahe vervierfacht: 2020 waren es noch 110 Diebstähle, im vergangenen Jahr 409.
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Grund sind die enthaltenen teuren Edelmetalle.
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Katalysatoren befinden sich am Unterboden des Autos und können in wenigen Minuten abmontiert werden. Das Auto muss nur aufgebockt werden. Ein neuer Katalysator kann laut ADAC inklusive Einbau zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro kosten.
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So können Sie sich schützen: Garagen und gut beleuchtete Orte // Alarmanlagen mit Neigungsmeldern erkennen das Aufbocken des Autos // Zusätzliche Sicherung des Katalysators – diese muss allerdings zugelassen werden.
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Besonders viele Diebstähle in Großstädten und auf Parkplätzen

Den Daten des LKAs zufolge wurden mehr als die Hälfte der insgesamt 521 gestohlenen Katalysatoren zwischen 2018 und 2021 in Magdeburg (140) und Halle (97) entwendet. "Weitere Tatorte finden sich im Umkreis der beiden Großstädte", teilte das LKA mit. In Sachsen-Anhalts Norden wurden demnach ausschließlich in Stendal und Salzwedel Fälle registriert. Im mittleren und südlichen Teil des Landes verteilen sich die Tatorte relativ gleichmäßig. "In diesem Bereich gab es Häufungen in Kleinstädten bzw. kleineren Ortschaften", so das LKA weiter.

Parkplätze werden hierbei besonders oft zu Tatorten. Hier wurden laut LKA zwischen 2018 und 2021 die meisten Katalysatoren (46 Prozent) gestohlen, gefolgt von Straßen mit fast 35 Prozent. Sicherer scheinen Grundstücke von Einfamilienhäusern, Autohäuser oder Betriebsgelände zu sein. Hier wurden vier bis fünf Prozent der gestohlenen Katalysatoren ausgebaut. Ein Prozent der Diebstähle ereignete sich zudem auf Schrottplätzen.

So schnell ist der Katalysator weg

Der Katalysator befindet sich am Unterboden des Fahrzeugs, in der Nähe des Auspuffs. Um ihn zu stehlen, bocken die Täterinne oder Täter die Fahrzeuge auf und durchtrennen das Abgasrohr vor sowie hinter dem Katalysator, erklärt der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Dazu nutzen die Diebe unterschiedliche Werkzeuge, an lauten Straßen einen Winkelschleifer oder eine Elektrosäge, in ruhigen Wohngegenden einen Auspuff- oder Kettenrohrabschneider. "Das Ganze dauert nicht länger als wenige Minuten", so der ADAC.

Bei den Tatverdächtigen in Sachsen-Anhalt erkennt das LKA nach eigener Aussage keine Konzentration auf eine bestimmte Altersgruppe und hält Wiederholungstaten für wahrscheinlich.

Einen fehlenden Katalysator erkennt man laut ADAC durch ein sehr lautes Motorgeräusch. Da die Abgase nicht mehr gereinigt werden können, erlischt die Straßenzulassung für ein Fahrzeug ohne Katalysator. Der ADAC empfiehlt Betroffenen, Anzeige zu erstatten, die Versicherung zu infomieren und das Auto auf einem Anhänger zur Werkstatt zu bringen. Ein neuer Katalysator könne inklusive Einbau zwischen einige Hundert bis mehrere Tausend Euro kosten. Von gebrauchten Katalysatoren rät der ADAC ab.

Vor allem ältere Fahrzeuge betroffen

Nach Angaben des LKA sind verschiedene Pkw-Modelle aller Hersteller und aus verschiedenen Preisklassen vom Katalysatoren-Klau betroffen. Der ADAC sieht eine Häufung von Diebstählen bei älteren Fahrzeugen mit Benzinmotoren betroffen. Hier sei der Katalysator "gut zugänglich in der Mitte des Wagenbodens verbaut". Bei jüngeren Autos befinde er sich sehr nah am Motor und sei schwerer zugänglich.

Schutz vor Katalysatoren-Klau

Der ADAC gibt Tipps, wie man sich vor einem Katalysatoren-Diebstahl schützen kann:

  • Wenn möglich in einer abschließbaren Einzelgarage parken. Oder in gut beleuchteten Bereichen, wo Diebe besser gesehen werden.
  • Eine Alarmanlage mit Neigungsmelder erkennt das Aufbocken des Autos. Allerdings kann der Einbau bei älteren Autos unrentabel sein.
  • Zusätzliche Diebstahlsicherung des Katalysators: Diese muss aber zugelassen sowie gegebenenfalls eingetragen sein und darf Bewegungen des Abgasstrangs bei Lastwechseln nicht behindern.

Quelle: MDR (Fabienne von der Eltz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 20. Januar 2022 | 14:00 Uhr

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