Ärztemangel Kinderärzte in Sachsen-Anhalt: In mehreren Regionen sind Stellen unbesetzt

Viele in der Stadt, wenige auf dem Land: Regional betrachtet ist die kinderärztliche Versorgung in Sachsen-Anhalt vor allem in den ländlichen Regionen problematisch. Dazu kommen zahlreiche Renteneintritte in den kommenden Jahren, für die eine Nachfolge gefunden werden muss.

Eine Ärztin legt einem kleinen Mädchen einen Verband an, während dieses auf dem Schoß des Vaters sitzt
Viele Kinderärztinnen und -ärzte in Sachsen-Anhalt erreichen bald das Rentenalter, eine Nachfolge ist nicht in jedem Fall gewährleistet. Bildrechte: dpa

In den vergangenen 30 Jahren ist in Sachsen-Anhalt die Zahl der Kinderärztinnen und -ärzte um mehr als ein Drittel gesunken. Das geht aus Daten der Bundesärztekammer hervor. Im Jahr 1991 waren in den Kinderarztpraxen landesweit noch 250 Medizinerinnen und Mediziner tätig. Bis 2008 sank der Wert dann auf rund 160 und pendelte sich seither dort ein.

Doch nicht nur die Zahl der Kinder- und Jugendmedizinerinnen und -mediziner ist in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung gesunken, sondern auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen selbst. Zwischen 1991 und 2011 hatte sich der Wert von über 600.000 auf unter 300.000 halbiert – seither ist ein leichter Anstieg auf aktuell knapp 325.000 Kinder und Jugendliche zu verzeichnen.

Stadt-Land-Gefälle bei kinderärztlicher Versorgung

Betrachtet man also die Entwicklungen im Zeitraum von 1991 bis 2021, so ist die Anzahl der Kinder und Jugendlichen stärker gesunken (-47 Prozent) als die Anzahl der für sie zuständigen Ärztinnen und Ärzte (-37 Prozent), was sich wiederum positiv auf die Versorgungssituation auswirken müsste.

Betrachtet man allerdings die regionale Verteilung der praktizierenden Kinderärztinnen und -ärzte im Jahr 2021, ergibt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Spitzenreiter in Sachen kinderärztliche Versorgung ist Halle. Auf 10.000 Kinder und Jugendliche kommen in der Saalestadt umgerechnet knapp 9 Kinder- und Jugendmedizinerinnen und -mediziner. In Dessau-Roßlau liegt der Wert bei 7, in Magdeburg bei rund 6. Deutlich geringer hingegen ist die Quote auf dem Land.

Vier Landkreise in Sachsen-Anhalt sind unterversorgt

Dass vor allem in den größeren Städten mehr Kinderärztinnen und -ärzte ambulant tätig sind, ist nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) so gewollt, da umliegende Regionen mitversorgt werden sollen. In der vertragsärztlichen Bedarfsplanung der KVSA wird daher für jede Region individuell berechnet, wie viele Ärztinnen und Ärzte benötigt werden, um eine angemessene ambulante Versorgung der Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Die so ermittelte Verhältniszahl liegt je nach Region zwischen rund 2.000 und 3.000 Minderjährigen je Arzt oder Ärztin.

Zum Stichtag 31.12.2021 wurde in vier Landkreisen in Sachsen-Anhalt diese berechnete Zahl ("Soll-Wert") in der Realität ("Ist-Wert") überschritten – auf einen Kinderarzt- oder -ärztin kamen also rein rechnerisch mehr Kinder und Jugendliche, als laut Bedarfsplanung angemessen wäre. Betroffen davon waren die Landkreise Börde, Saalekreis, Mansfeld-Südharz und Stendal.

Eine drohende Unterversorgung in den Regionen besteht nach Angaben der KVSA aktuell aber nicht. Diese müsse vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgestellt, sagte eine KVSA-Sprecherin auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

Jedoch bestehen gegenwärtig in den Planungsbereichen Stendal, Saalekreis, Mansfeld-Südharz und Salzlandkreis noch freie Stellen in der Arztgruppe der Kinder- und Jugendärzte.

Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA)

Ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte ist über 60 Jahre alt

Schaut man auf die Altersstruktur der Kinder- und Jugendärzteschaft in Sachsen-Anhalt, so werden bezogen auf die jüngere Vergangenheit zwei verschiedene Entwicklungen sichtbar. Einerseits steigt der Anteil der Medizinerinnen und Medizinerinnen im Alter unter 50 kontinuierlich an, sodass ihr Anteil mittlerweile fast 50 Prozent ausmacht. Andererseits steigt aber auch der Anteil der Frauen und Männer, die noch im Alter von über 60 ambulant oder stationär praktizieren. Ihr Anteil lag 2021 bei etwas mehr als 25 Prozent.

Auf MDR-Anfrage hin teilt eine KVSA-Sprecherin mit, dass "dringend nachrückende Ärzte" benötigt werden, um den aktuellen Versorgungsstand zu halten. Allerdings können schon jetzt in einzelnen Regionen nicht alle Kinderarztpraxen nachbesetzt werden.

Seit Jahren fordern wir als KVSA gegenüber der Politik die dringend notwendige Erhöhung der Anzahl der Medizin-Studienplätze, um den Bedarf an Ärzten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich zukünftig decken zu können.

Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA)

Zumindest habe die Koalition auf Landesebene das Thema in den Koalitionsvertrag aufgenommen, die Umsetzung bleibe laut KVSA aber noch abzuwarten.

Über die Daten

Außer bei der Altersstruktur wurden für diese Recherche ausschließlich die Kinderärztinnen- und ärzte berücksichtigt, die laut Statistiken der Bundesärztekammer, der Landesärztekammer und der KVSA ambulant tätig waren – also niedergelassen oder angestellt in einer Praxis.

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Oktober 2022 | 13:30 Uhr

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