Hörer machen Programm Platz 14 im Bildungsmonitor – ist Sachsen-Anhalts Bildungssystem wirklich so schlecht?

Sachsen-Anhalt belegt im sogenannten Bildungsmonitor den 14. und damit vorvorletzten Platz. Sachsen und Thüringen liegen mit Platz 1 bzw. 4 deutlich weiter vorn. MDR AKTUELL-Hörer Michael Oberbeck, der 1998 an einem Gymnasium in Wernigerode Abitur gemacht hat und inzwischen einen Sohn hat, der auf genau dieselbe Schule geht, meint, seit damals habe sich am Schulkonzept nichts geändert. Und er will wissen, was das Land unternimmt, um die Kinder zukunftsfähig zu machen.

Seitenansicht: Ein Schüler oder Student hat den Kopf auf den Tisch gelegt und schläft, neben ihm notieren Schülerinnen oder Studentinnen in Hefte
Ist die Bildung in Sachsen-Anhalt tatsächlich so schlecht, wie es der Bildungsmonitor erscheinen lässt? Bildrechte: imago images/Panthermedia

Zweitletzter Platz für Sachsen-Anhalt im Bildungsmonitor und 13 Plätze Abstand zum Nachbarland Sachsen – was auf den ersten Blick ernüchternd klingt, ist in der Realität gar nicht so drastisch, so die Einschätzung von Axel Gehrmann, Professor für Unterrichtsforschung an der TU Dresden. "Also erstmal müssen wir sagen, die Verhältnisse zwischen den bundesdeutschen Ländern sind bei Weitem nicht so groß, wie sie in der Öffentlichkeit oftmals gezeichnet werden. Natürlich haben wir Länder, die sich leichter tun als andere Bundesländer, aber das hat einfach mit dem wirtschaftlichen Aufkommen in den Ländern zu tun und auch mit der Hochschuldichte und so weiter."

Magdeburg und Halle nicht mit Dresden vergleichbar

Insbesondere in Ostdeutschland seien die Verhältnisse eigentlich sehr ausgeglichen, sagt Axel Gehrmann. Der große Abstand zu Sachsen erkläre sich unter anderem dadurch, dass sich die Bildungssysteme unterschiedlich entwickelt hätten. "Nehmen Sie das Beispiel der Forschungsorientierung in Sachsen: Sie haben eine große Exzellenzuniversität wie die TU Dresden – die hat bei den Professuren ein Drittmittelaufkommen von 190.000 Euro im Jahr, und in Sachsen-Anhalt ist dieser Durchschnitt nur bei 120.000. Da ist einfach eine Kultur großer Universitätsstandorte gewachsen, die man mit Standorten wie Magdeburg und Halle nicht vergleichen kann."

Auch dieser Faktor fließt in den Bildungsmonitor ein, der vom Institut der Deutschen Wirtschaft erstellt wird, und zwar ausdrücklich mit einer bildungsökonomischen Sichtweise. Betrachtet man dagegen nur den Punkt Schulqualität, liegt Sachsen-Anhalt auf Platz vier.

Darauf weist auch der Leiter der Studie, Axel Plünnecke, als erstes hin, wenn man ihn nach einer Einschätzung zu Sachsen-Anhalts Platz im Ranking fragt. Allerdings sei die große Herausforderung, dass man zu viele Schulabbrecher habe. Und für die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler fehlten einfach Lehrkräfte. "Und es gibt das große Problem, Nachwuchs an Lehrkräften zu finden, weil viele ältere Lehrkräfte jetzt in den Ruhestand wechseln", erklärt Axel Plünnecke.

Headhunter-Agenturen helfen bei Suche nach Lehrpersonal

Die politische Opposition in Sachsen Anhalt sieht hier den größten Handlungsbedarf. Thomas Lippmann, bildungspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion, meint: "Hier ist seit über zehn Jahren wirklich viel zu wenig in die Lehrerausbildung investiert worden, und deswegen kommen wir da wirklich in Teufels Küche. Wir haben eine der schlechtesten Unterrichtsversorgungen bundesweit."

Der Bildungsministerin in Sachsen-Anhalt, Eva Feußner, ist dieses Problem bekannt. In den vergangenen Monaten seien deshalb zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, um dem entgegenzuwirken, teils auf ungewöhnlichen Wegen, sagt sie: "Seit dem Jahresanfang läuft ein Projekt zur Akquirierung von Lehrkräften – sogar mittels Headhunter-Agenturen. Hier wird sowohl im Inland als auch Europäischen Ausland nach Lehrkräften gesucht, um für unser Land Lehrkräfte zu gewinnen."

Erst kürzlich seien 900 Stellen neu ausgeschrieben worden – die schwer vermittelbaren mit Sonderzahlung. Außerdem liefen auch Gespräche mit den Universitäten, um junge Lehrkräfte schneller an die Schulen zu holen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2021 | 06:00 Uhr

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