Regierungskoalition verhandelt Mehr Gehalt für Lehrer an Grundschulen geplant

Die Koalition in Sachsen-Anhalt sieht offenbar Möglichkeiten, nun doch eine höhere Einstufung der Grundschullehrer zu finanzieren. SPD-Fraktionschefin Pähle sagte MDR AKTUELL, die Entlastungspakete des Bundes und eine erfreuliche Steuerschätzung machten es möglich. Vor diesem Hintergrund habe man mehr Sicherheit, um die bessere Bezahlung von Grundschullehrkräften nicht von Haushalt zu Haushalt entscheiden zu müssen.

Lehrerin Ditte Müller begrüßt am ersten Schultag die Schüler der Klasse 1b vor der Tafel im Klassenzimmer der Grundschule „Werner Lindemann“.
Grundschullehrkräfte verdienen in Sachsen-Anhalt weniger als ihre Kollegen an weiterführenden Schulen. Bildrechte: dpa

Ingo Dossmann sitzt auf einem bisschen zu kleinen Stuhl in einem Klassenzimmer seiner Grundschule in Genthin. Der Schulleiter schüttelt den Kopf. 500 Euro verdienen seine Grundschulkolleginnen und -kollegen weniger als die Lehrerinnen und Lehrer an Sekundarschulen und Gymnasien im Land.

Bessere Bezahlung in Brandenburg

Dossmann sagt: "Wir reden darüber, dass sich der Unterschied in 40 Dienstjahren auf 250.000 Euro brutto summiert. Eine Viertelmillion verdiene ich weniger für meine Heimatliebe und dafür, in Sachsen-Anhalt zu bleiben. Da muss die Liebe schon sehr groß sein." Zumal auch eine Reihe anderer Bundesländer die Grundschullehrer besser bezahlt. Zum Beispiel Brandenburg. Von Genthin aus sind es 20 Minuten in eine brandenburgische Grundschule, an der die Kolleginnen und Kollegen mehr verdienen, sagt Dossmann.

Symbolbild für den Lehrermangel 2 min
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Tief im Osten ist Silvio diesmal unterwegs, in Ebersbach-Neugersdorf. Ganz nah an der tschechischen Grenze. Vorm Mikrofon hatte er auch Ronald Lindecke vom Görlitzer Kreis-Elternrat. Das Thema: fehlende Lehrer.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 07.09.2022 08:17Uhr 02:11 min

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Viel Vorbereitung wegen Leistungsunterschieden

Zudem leisteten Grundschullehrer und -lehrerinnen pädagogische Höchstleistungen, ist Dossmann überzeugt. Nicht weil der Stoff annähernd so schwer sei wie in einer Oberstufe, sondern weil aus den Kindergärten ganz unterschiedliche Kinder kämen.

Einer schreibt wie ein Profi, der andere kann den Stift kaum halten, sagt Dossmann. "Und dieser Unterschiedlichkeit gilt es, sich in jeder Unterrichtsstunde zu stellen. Jeder dieser Schüler hat ein Recht auf Zuwendung und da muss man als Lehrer genau vorher überlegen und planen, wie wirst du dem gerecht", erklärt Dossmann.

Für eine Stunde zwei unterschiedliche Vorbereitungen? Nicht selten, weil die einen bis 1.000 rechnen und die anderen bis 100, sagt der Schulleiter, der auch im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) arbeitet. 

Höhere Bezahlung geplant

Im Oktober hatte Sachsen-Anhalts Landtag gegen den Antrag der Linken zur höheren Einstufung der Grundschullehrer gestimmt. Warum soll es nun doch gehen?

Die Entlastungspakete des Bundes und eine erfreuliche Steuerschätzung machen es möglich, erklärt die Fraktionschefin der SPD, Katja Pähle: "Ich glaube, vor allem vor diesem Hintergrund haben wir jetzt mehr Sicherheit, um auch die bessere Bezahlung von Grundschullehrkräften nicht von Haushalt zu Haushalt entscheiden zu müssen", meint Pähle. Nun könne ein langfristiges Konzept aufgelegt werden, weil die finanziellen Spielräume bekannt seien, ergänzt sie.

Die Koalitionspartner von CDU und FDP ziehen mit, auch wenn mehr Geld für die Lehrkräfte an Grundschulen nicht im Koalitionsvertrag steht. Jörg Bernstein, finanz- und bildungspolitischer Sprecher der FDP, sagt: "Wir müssen schauen, wie wir das haushaltstechnisch solide umsetzen können."

Koalitionspartner kritisieren SPD-Alleingang

Bei aller Einigkeit deutet sich auch ein bisschen Ärger in Sachsen-Anhalts schwarz-rot-gelber Regierungskoalition an. Denn Ende Oktober waren die Sozialdemokraten mit ihrer Forderung nach einer Erhöhung einfach vorgeprescht. Das hat Bernstein geärgert. Genauso wie seinen Kollegen von der CDU, Carsten Borchert: "Sie können mir glauben, dass wir in der CDU seit Wochen mit unseren Finanzen zusammensitzen und auch in enger Zusammenarbeit mit der FDP und auch mit der SPD – die aber auch ab und zu mal ihre Wege alleine gehen will, was ich nicht verstehe – um genau diese Lücken zu finden."

Seit der vergangenen Woche liegt dem Landtag der Haushaltsplanentwurf des Kabinetts vor. Der umfasst fast 14 Milliarden Euro. Dass davon auch 35 Millionen Euro für die Bezahlung der Grundschullehrerinnen und -lehrer vorgesehen ist, gilt hinter vorgehaltener Hand als sicher.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 24. November 2022 | 06:00 Uhr

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