Werben um Touristen Stolze Sachsen-Anhalter in London: "Himmelsscheibe is all over the place"

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Die Himmelsscheibe von Nebra ist einer der größten Kulturschätze überhaupt. Seit einigen Monaten ist sie bedeutender Teil einer Ausstellung im wohl berühmtesten Museum der Welt in London. Jetzt hat ihr ein sichtlich stolzer Ministerpräsident Haseloff einen Besuch abgestattet – mit dem Ziel, Sachsen-Anhalt noch viel interessanter für Touristen auch aus Großbritannien zu machen.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
Die Himmelsscheibe von Nebra: Aktuell ist sie im Mittelpunkt einer Schau im berühmtesten Museum der Welt in London. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Mitten im Zentrum von London hat man an diesem Mittwoch für einen Moment kurz den Eindruck, in Halle zu sein. Das liegt nicht etwa daran, dass Saale und Themse plötzlich große Ähnlichkeit entwickelt hätten oder die typischen roten Busse in London plötzlich aussähen wie die rot-weißen Straßenbahnen in Halle.

Eher liegt es an der Himmelsscheibe von Nebra – jenem archäologischen Schatz, der hier in London ständig und an vielen Ecken auf großen Plakaten zu sehen ist. Vor dem Museumsgebäude, an den großen Werbetafeln um die Ecke, an der U-Bahn – die Himmelsscheibe von Nebra erlangt Bekanntheit in der Weltmetropole.

Jeder versteht, dass die Himmelsscheibe eines der Glanzstücke der Ausstellung ist. Sachsen-Anhalt is all over the place.

Hartwig Fischer Direktor des British Museum of London

Und natürlich ist der große Museumsbau im Zentrum der britischen Stadt nicht das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, in dem die Himmelsscheibe eigentlich zu Hause ist – sondern das British Museum of London. Das zeigt aktuell die Ausstellung "The world of Stonehenge" – eine Schau rund um Tausende Jahre Entwicklung der Menschheitsgeschichte: Zentraler Werbeträger der Ausstellung ist die Himmelsscheibe. Und damit irgendwie auch Sachsen-Anhalt.

Das wohl bedeutendste Museum der Welt

Das British Museum – ein kolossaler Prachtbau, umrandet von einem Zaun mit goldenen Spitzen – ist eines der bedeutendsten Museen der Welt, wenn nicht das bedeutendste. Acht Millionen Exponate zur Geschichte der Menschheit sind hier ausgestellt. Es sei die meistbesuchte Tourismusattraktionen Großbritanniens, sagt Hartwig Fischer, der Museumsdirektor. Das Bild an diesem Tag scheint das zu bestätigen: Tausende Menschen strömen vor dem und durch das Museum, viele junge. Es ist kein Vergleich zu einem Museumsbesuch in Deutschland.

Außenaufnahme des British Museum of London
Imposant: das British Museum of London Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Auch deshalb darf die Himmelsscheibe nun hier sein, denn für gewöhnlich wird der Kulturschatz nur selten verliehen. Weil die Corona-Lage es zur Ausstellungseröffnung im Februar nicht zugelassen hatte, haben sich am Mittwoch Ministerpräsident Reiner Haseloff, Kulturminister Rainer Robra (beide CDU) und eine Delegation um den Landesarchäologen Harald Meller die Himmelsscheibe in London erst jetzt angesehen.

Himmelsscheibe von Nebra
Seit 2008 im Landesmuseum für Vorgeschichte ausgestellt: die Himmelsscheibe von Nebra. (Archivfoto) Bildrechte: imago/Köhn

Die Himmelsscheibe von Nebra Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als die älteste von Menschen geschaffene Darstellung des Himmels. Ihr Alter wird auf mindestens 3.600 Jahre geschätzt. Gefunden wurde sie von Raubgräbern, die Ende der 1990er Jahre einen Bronzeschatz auf dem Mittelberg bei Nebra ausgegraben hatten. Nach dem Verkauf der Himmelsscheibe wechselte diese in den folgenden Jahren mehrfach die Besitzer, ehe sie 2002 von der Polizei in Basel sichergestellt wurde. Der Aktion waren Ermittlungen des Landeskriminalamts in Kooperation mit dem Kulturministerium und dem Landesamt für Archäologie sichergestellt wurde. Seit 2008 ist die Himmelsscheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen.

Ministerpräsident Haseloff, Landesarchäologe Meller und Kulturminister Robra stehen in London neben der Himmelsscheibe von Nebra.
Beweisbild: Ministerpräsident Haseloff (rechts), Kulturminister Robra (links) und Landesarchäologe Harald Meller mit der Himmelsscheibe Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Haseloff lobte dabei am Mittwoch die "kulturpolitische Bedeutung", die die Himmelsscheibe hier in London für Sachsen-Anhalt spielen könne. Kulturminister Robra sprach davon, dass "die Himmelsscheibe hier im Kreise ihrer Freunde" gezeigt wird – erstmals, wie er betonte und dabei auf die Ausstellung anspielte, die Kulturschätze der Menschheitsgeschichte aus vielen Regionen und Dutzenden Ländern der Welt in London zusammengebracht hat.

Termin der Superlative

Ohnehin ist dieser Termin im British Museum einer der Superlative. Haseloff, Robra, Meller und Fischer – der Chef des British Museum – sitzen auf einem Podium und verteilen gegenseitiges Lob. Fischer bedankt sich bei seinem "guten Kollegen Harald Meller, ohne den wir das hier nicht hätten machen können". Beide kennen sich lange und sind miteinander befreundet, wie Meller später erzählen wird. Eine Einbahnstraße ist diese Leihgabe übrigens nicht: Bedeutende Leihgaben aus London waren bereits in Halle zu sehen.

Doch am Ende geht es bei diesem Besuch nicht (nur) ums gegenseitige Loben.

Ministerpräsident Haseloff und Kulturminister Robra sitzen mit dem Direktor des British Museum of London, Hartwig Fischer, und Landesarchäologe Harald Meller auf einem Podium.
Teile der Delegation bei einer Podiumsdiskussion in London Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Eigentlich sind die Sachsen-Anhalter hier, um Werbung für das Land zu machen. Und im weitesten Sinne auch, um Touristen an die Unesco-Welterbestätten zwischen Arendsee und Zeitz zu locken. Auch deshalb hatte die Tourismusgesellschaft des Landes vorher bei einem Marketingevent bei britischen Reisejournalisten und Reisebüros für Gruppenausflüge nach Sachsen-Anhalt geworben. Es kamen mehr Journalisten als erwartet. Doch zu sehen bekamen die den Ministerpräsidenten nicht: Dessen Flug von Berlin nach London war wegen Problemen bei der Airline am Vormittag erst zwei Stunden später als geplant abgehoben, die britischen Journalisten nach langem Warten im Museum schließlich zur Führung weitergezogen – einige sichtlich genervt.

Nachhaltigen Erfolg für Tourismus in Sachsen-Anhalt schaffen

Dennoch: In Sachsen-Anhalts Delegation sind sie überzeugt, mit dieser Ausstellung und ihrem Besuch hier punkten zu können. Museumschef Fischer spricht jedenfalls schon jetzt von einem "großen Erfolg". 150.000 Besucherinnen und Besucher hätten die Ausstellung "The world of Stonehenge" schon besucht, sagt er.

Und wenn man allen Beteiligten so zuhört auf dem Podium, weiß man: Es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass bedeutende kulturelle Leihgaben von Halle nach London gehen – und umgekehrt.

Reiner Haseloff und Rainer Robra vor einem Gebäude in London.
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Delegation aus Sachsen-Anhalt in London Der Besuch von Ministerpräsident Haseloff und anderen im British Museum of London ist Teil einer Delegationsreise in der englischen Hauptstadt. Dabei sind am Donnerstag Gespräche über wirtschaftliche Beziehungen zwischen Großbritannien und Sachsen-Anhalt geplant, vor allem vor dem Hintergrund des Brexit.

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MDR (Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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