Steigende Pachtpreise Landwirte fordern gerechte Verteilung von Ackerflächen

Im Rahmen einer bundesweiten Protestaktion am Freitag haben auch in Sachsen-Anhalt zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte demonstriert. Sie fordern bessere Pachtbedingungen: Die Preise sollen stabil bleiben und die Flächen gerecht verteilt werden.

Mehrere Vertreter aus der Landwirtschaft im Gespräch mit Simone Borris vor dem Magdeburger Landtag
In Magdeburg haben sich Landwirte direkt an Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos, Mitte) gewandt. Bildrechte: MDR

In mehreren Städten in Sachsen-Anhalt haben am Freitag Landwirte für bessere Pachtbedingungen von Ackerflächen demonstriert. Unter anderem gab es in Magdeburg, Halle, Merseburg und Naumburg vereinzelte Aktionen. "Viele von uns können sich diese Preise nicht mehr leisten", erklärte Ökolandwirt Jürgen Hayessen aus Halle im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind die durchschnittlichen Pachtpreise für einen Hektar Ackerland in Sachsen-Anhalt von 198 Euro im Jahr 2010 auf 308 Euro im Jahr 2020 gestiegen. Das entspricht einer Preissteigerung von mehr als 50 Prozent.

Mehrere Vertreter aus der Landwirtschaft mit einem Traktor in der Innenstadt von Halle
Bei vielen der Protestaktionen, wie hier in Halle, waren Traktoren im Einsatz. Bildrechte: MDR

Der Statistik zufolge ist der Großteil der Ackerflächen in Deutschland gepachtet. Demnach besitzen Landwirte in Deutschland nicht einmal die Hälfte der Flächen selbst, sondern pachten fast zehn Millionen Hektar von insgesamt etwa 17 Millionen Hektar bewirtschafteter Flächen.

Bauernverband fordert stabile Preise

Die Preise würden die Landwirte zusätzlich belasten, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes und CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Feuerborn MDR SACHSEN-ANHALT. Den steigenden Kosten stehen demnach Einnahmen gegenüber, die sinken oder nicht entsprechend erhöht werden könnten. Der Verband fordert, die Pachtpreise stabil zu halten.

Zudem solle der Bund sich bei der Verpachtung nicht an Höchstgeboten orientieren, sondern ortsansässige Landwirte mit langfristigen Betriebskonzepten zu berücksichtigen. Zuletzt hatte die Bundesregierung beschlossen, bundeseigenes Ackerland bevorzugt an ökologisch arbeitende Betriebe zu verpachten.

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) unterstützt die Forderungen. Schulze erklärte beim Bauernverbandstag am Freitag, die Ackerflächen in Ostdeutschland sollten auf alle Betriebe aufgeteilt werden, ohne die einen zu bevorzugen und andere zu benachteiligen.

Protest vor Magdeburger Landtag

Die Proteste sind Teil eines bundesweiten Aktionstags von Landwirtinnen und Landwirten. In Magdeburg hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), in der sich nach eigenen Angaben konventionelle Betriebe und Ökobetriebe organisieren, vor dem Landtag demonstriert. Der Protest richtete sich aber vor allem an die Stadt Magdeburg und den Bund.

Der Geschäftsführer der AbL, Jan Brunner, sagte, die Landwirtinnen und Landwirte forderten eine gerechte und transparente Vergabe der Ackerflächen. Im Raum Magdeburg gebe es rund 100 Hektar Böden, die nicht nur nach Höchstpreis, sondern nach weiteren "Gemeinwohlkriterien" vergeben werden sollten. Es solle auch darum gehen, wie sozial, nachhaltig und ökologisch das Land genutzt werde. Das betreffe sowohl Flächen der Stadt Magdeburg als auch des Bundes.

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MDR (Julia Hohmann, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 25. November 2022 | 11:00 Uhr

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