Jahrestag der Befreiung von Auschwitz Sachsen-Anhalt gedenkt Opfer des NS-Regimes

Vor allem mit virtuellen Aktionen wurde am Donnerstag in Sachsen-Anhalt an die Millionen Toten des Nazi-Terrors erinnert. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus waren Aktionen wie #SachsenAnhaltErinnert und #LichterGegenDunkelheit geplant. Trotz der Corona-Pandemie gab es aber auch Kranzniederlegungen und Möglichkeiten zum individuellen Gedenken.

'Unbekannt' ist auf der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe auf einem weißen Kreuz zu lesen.
In der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen gab es eine Kranzniederlegung. Bildrechte: dpa

Mit Kranzniederlegungen und verschiedenen Online-Formaten wurde am Donnerstag auch in Sachsen-Anhalt der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Aufgrund der aktuellen Pandemielage wurde auf Präsenz-Veranstaltungen – wie schon im vergangenen Jahr – weitgehend verzichtet. Im Folgenden hat MDR SACHSEN-ANHALT die wichtigsten Orte und Aktionen zusammengefasst.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus  Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Das Lager steht symbolhaft für den NS-Völkermord an Millionen Menschen. Seit 1996 wird auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog an diesem Tag in Deutschland der Opfer gedacht. Er ist all jenen Menschen gewidmet, "die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden".

Magdeburg: "MAGDA"-Mahnmal – Kranzniederlegung

Die Landesregierung hat am "MAGDA"-Mahnmal in Magdeburg-Rothensee an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Mit einer Schweigeminute hat auch der Landtag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Landtagspräsident Gunnar Schellenberger (CDU) sagte zu Beginn der Sitzung, es sei eine bleibende Aufgabe, die Erinnerungen an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten.

Blumen und Kränze liegen während der Feierstunde vor dem Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des KZ-Auߟenlagers «Magda».
Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers "Magda" Bildrechte: dpa

In seiner Rede würdigte der Landtagspräsident außerdem die Arbeit der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Die verschiedenen Gedenkstätten würden dazu beitragen, das Wissen um die Verbrechen während der nationalsozialistischen Diktatur zu bewahren.

Halle: Gertraudenfriedhof – Kranzniederlegung

Ein Friedhof mit Gräberfeld
Das Gräberfeld der Vereinten Nationen auf dem Gertraudenfriedhof in Halle Bildrechte: Gedenkstätte Roter Ochse Halle

In Halle fand die jährliche Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am Nachmittag auf dem Gertraudenfriedhof statt. Der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der ehemalige Landtagspräsident Dieter Steinecke, hielt die Gedenkrede.

Gardelegen: Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe – Kranzniederlegung

'Die Überlebenden den Tote' und '14.4.1945' ist auf der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe auf einem Gedenkstein zu lesen.
Gedenkstein auf dem Gelände der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Bildrechte: dpa

Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Kranzniederlegung auf dem Ehrenfriedhof der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Nach der Begrüßung durch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher und einleitenden Worten von Gedenkstättenleiter Andreas Froese hielt Michael Ziche, Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, eine Gedenkrede. Nach einer Schweigeminute folgte ein Beitrag von Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Gardelegen.

Wittenberg: Stadtkirche St. Marien – Kranzniederlegung

Die Lutherstadt Wittenberg, der Landkreis Wittenberg sowie die Stadtkirche St. Marien und die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt erinnerten bereits am späten Vormittag mit einer gemeinsamen Gedenkstunde und Kranzniederlegung am Mahnmal gegen die mittelalterliche "Judensau" an die Opfer des Holocaust.

Naumburg: Gedenkstätte am Stadtpark – Kranzniederlegung

Oberbürgermeister Armin Müller (CDU) legte am Morgen an der Gedenkstätte am Stadtpark einen Kranz nieder. Die Kranzniederlegung fand auf Grund der aktuellen pandemischen Situation im kleinen Kreis statt.

Stendal: Städtischer Friedhof – Blumenniederlegung und stilles Gedenken

Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und Stadtratsvorsitzender Peter Sobotta (Liste Freie Stadträte) besuchten den städtischen Friedhof. Am Robert-Dittmann-Gedenkstein legten sie Blumen nieder und hielten für einige Momente stille Andacht.

Aken: Bismarckplatz – Gedenkfeier

Am Vormittag fand die Gedenkfeier der Stadt für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Bismarckplatz statt. Treffpunkt war das Denkmal "Weltkugel", ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus.

Sangerhausen: Gedenktafel am Alten Rathaus – Gedenkfeier

Die Initiative Erinnern und Gedenken und der Kreis-Kinder- und Jugendring Mansfeld-Südharz (KKJR) veranstalteten am Nachmittag eine Feier an der Gedenktafel am Alten Rathaus. Im Anschluss fand eine Andacht in der St. Jacobikirche statt.

Prettin: Gedenkstätte KZ Lichtenburg – Individuelles Gedenken

Zellengang in altem Gefängnis.
Zellengang in der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Bildrechte: Matthias Ritzmann

Es gab keine analoge Gedenkveranstaltung. Auf der Homepage der Gedenkstätte wurde aber ein Film über den ehemaligen Inhaftierten Erich K. Wahlmann veröffentlicht.

Bernburg: Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie – Individuelles Gedenken

Eine ehemalige Gaskammer in der Gedenkstätte NS-Euthanasie in Bernburg
Eine ehemalige Gaskammer in der Gedenkstätte NS-Euthanasie in Bernburg Bildrechte: dpa

Es gab keine analoge Gedenkveranstaltung. Ein ausführlicher Beitrag zur Biografie von Ferdinand James Allen, einem schwarzen Deutschen, der 1941 in Bernburg ermordet wurde, ist aber auf der Homepage der Gedenkstätte, über Facebook sowie Instagram veröffentlicht worden.

Bei Halberstadt: Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge – Individuelles Gedenken

Besucher verlassen das Stollensystem der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge im Landkreis Harz.
Eingang zum Stollensystem der KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge im Landkreis Harz Bildrechte: dpa

Zunächst hat das Personal der Gedenkstätte einen Kranz niedergelegt. Darüber hinaus war "jede und jeder aufgerufen", mit Kränzen oder Blumen an den Massengräbern des ehemaligen Konzentrationslagers der NS-Opfer zu gedenken.

Einige der Gedenkstätten: Virtuelle Gedenkcollage


Außerdem wurde eine virtuelle Gedenkcollage zusammengestellt. Dazu waren alle Interessierten aufgerufen, "ein Foto von einem individuellen Gedenkzeichen (wie beispielsweise einer Kerze, Blumen, einem Portraitfoto, einer Botschaft)" einzusenden oder mit dem Hashtag #SachsenAnhaltErinnert in den sozialen Netzen zu posten.

Gedenkstätten: #LichterGegenDunkelheit

Die Gedenkstätten des Landes beteiligten sich außerdem an der bundesweiten Aktion #LichterGegenDunkelheit. Dabei wurden nach Einbruch der Dunkelheit lokale Stätten der Erinnerung beleuchtet und so in den Fokus gerückt. Fotos und Videos werden mit dem Hashtag #LichterGegenDunkelheit über die sozialen Medien gepostet sowie über die Projektwebsite verbreitet.

Schwerpunkte einiger Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt für #LichterGegenDunkelheit:

  • Prettin/ehemaliges KZ Lichtenburg: der "Bunker" als "Ort der Bestrafung und des verschärften Arrests"
  • Gedenkstätte Bernburg: ein Teil der historischen Räume
  • Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge: bauliche Überreste des Lagers

Die Gedenkstätte Roter Ochse in Halle hat schon vorab einen Film online gestellt:

Halle: Stadtmuseum und online – Stolperstein-Filme gegen das Vergessen

Die dokumentarischen "Stolperstein-Filme gegen das Vergessen" werden seit 2016 von Studierenden des Masterstudiengangs "Multimedia und Autorschaft" der Martin-Luther-Universität jährlich im Stadtmuseum präsentiert. Coronabedingt fanden die Veranstaltung und ein anschließendes Gespräch im Museum dieses Jahr nur für geladene Gäste statt. Alle Filme sind auch weiterhin auf Youtube zu sehen.

Landkreis Stendal: Veranstaltungswoche "Denken ohne Geländer"

Die Veranstaltungswoche "Denken ohne Geländer" findet seit 22. Januar bis 1. Februar zum siebenten Mal im Landkreis Stendal statt. Rund um den 27. Januar werden Impulse "zum Nachdenken, Gedenken und Gespräch" gesetzt. Dabei wird nach Angaben der Initiatoren der Bogen von deutsch-jüdischer Geschichte in die Gegenwart und zu aktuellem Antisemitismus geschlagen. Veranstaltungsorte sind Stendal, Havelberg, Osterburg, Bernburg.

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MDR (Gero Hirschelmann)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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