Analyse zur Wortwahl 84 Mal "Klima" – und was außerdem im neuen Koalitionsvertrag steht

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Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Für CDU-Landeschef Sven Schulze ist die neue Landesregierung beim Thema Klimaschutz vorbildlich. Immerhin komme das Wort "Klima" im Koalitionsvertrag 84 Mal vor, erzählte Schulze jüngst. MDR SACHSEN-ANHALT hat nachgezählt und festgestellt: Stimmt. Gefunden wurden außerdem so einige Überraschungen.

Landesvorsitzende Dr. Lydia Hüskens FDP, Sachsen Anhalt, Landesvorsitzender Sven Schulze CDU,Sachsen Anhalt, Landesvorsitzende Juliane Kleemann SPD,Sachsen Anhalt
Der Koalitionsvertrag der schwarz-rot-gelben Regierung in Sachsen-Anhalt Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

Gelogen hat CDU-Landesschef Sven Schulze mit seiner Aussage nicht, denn der Begriff "Klima" kommt im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und FDP tatsächlich 84 Mal vor. Wer allerdings nach "Klimaschutz" sucht, findet nur noch ganze sieben Treffer. Setzt man das ins Verhältnis zu anderen wichtigen Begriffen, dann zeigen sich schon die deutlichen Unterschiede: Die Begriffe "Arbeit" und "Wirtschaft" dominieren nämlich die 157 Seiten Koalitionsvertrag.

Viele Ziele

Dass im Koalitionsvertrag so viel "Arbeit" steht, wundert nicht, denn die neue Landesregierung hat offenbar viel vor. Allein das Wort "Ziel" findet sich nahezu dreihundertmal im Text. "Menschen" oder "Bürger" spielen in dem Koalitionsvertrag hingegen eine deutlich geringere Rolle.

Stichworte aus dem Wahlkampf

Im Landtagswahlkampf gab es ja ein paar dominierende Themen, wie etwa Gerechtigkeit, digitaler Wandel, innere Sicherheit oder auch die Warnung vor einer Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten. Meist tauchen diese Begriffe dann in Kombinationen auf, als "Digitalkompetenz" oder als "Geschlechtergerechtigkeit". Allerdings ist auch hier die Verteilung im Text sehr breit gefächert.

Natürlich spielt auch das Thema Gleichstellung in der Politik eine Rolle. "Die Koalitionspartner bekennen sich zur Förderung der paritätischen Beteiligung von Frauen und Männern auf allen politischen Ebenen", heißt es in dem Papier. Das Wort "Frau" kommt insgesamt 43 Mal vor. Und der "Mann"? Gerade einmal an drei Stellen – und das auch noch unvorteilhaft in einzelnen Begriffen: "unbemannt", "jedermann" und, ja, "Lehmann". Denn: Es geht unter anderem museumspädagogische Arbeit des Berend-Lehmann-Museums in Halberstadt.

Auch die großen Reizthemen der vergangenen Jahre finden sich nur spärlich im Koalitionsvertrag, was auch etwas über die politischen Grenzen der Landespolitik deutlich macht.

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Wolf, Biber – die Problemtiere

Ein Herz für Tiere zeigt sie Landesregierung auch, allerdings nur für sogenannte Problemtiere. Der Biber wird zweimal erwähnt, außerdem treten auf: Der Wolf, der Eichenprozessionsspinner, der asiatische Laubholzbockkäfer und auch die Taube. Für diese ist nämlich ein tierwohlorientiertes Modellprojekt geplant.

Überhaupt wird da viel in dem Text projektiert, denn 144 Mal ist von "Projekten" die Rede. Dafür braucht man natürlich Geld, aber wie in feinen Kreisen üblich, redet man nicht über Geld, ganze 15 Mal kommt der Begriff im Koalitionsvertrag vor.

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Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Über den Autor Geboren ist Uli Wittstock 1962 in Lutherstadt Wittenberg, aufgewachsen in Magdeburg. Nach dem Abitur hat er einen dreijährigen Ausflug ins Herz des Proletariats unternommen: Arbeit als Stahlschmelzer im VEB Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann. Anschließend studierte er evangelische Theologie. Nach der Wende hat er sich dem Journalismus zugewendet und ist seit 1992 beim MDR. Er schreibt regelmäßig Kolumnen und kommentiert die politische Entwicklung in Sachsen-Anhalt.

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MDR/Sarah Peinelt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. September 2021 | 10:40 Uhr

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