Trotz hoher Baukosten Wie junge Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Bauherren müssen für Handwerkerleistungen immer höhere Summen einplanen – wenn sie denn überhaupt Handwerker finden. Was den Hausbau deutlich günstiger machen kann: Eigenleistungen. Zwei Familien erzählen von ihren Erfahrungen.

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben
Noch sitzen sie auf der Bodenplatte, bald wollen sie auch dank eigener Muskelkraft in ihrem Eigenheim leben: Caro Bruns, Daniel Lindner und ihr fünf Monate alter Sohn Kobe. Bildrechte: MDR/Daniel George

Daniel Lindner lacht. "Komm Schatz", sagt der 36-Jährige und schreitet voran. "Wir gehen in die Küche." Seine Freundin folgt ihm – und lacht ebenfalls. "Du bist aber gerade auf dem Weg ins Bad", sagt Caro Bruns mit dem kleinen Sohn namens Kobe, gerade fünf Monate alt, auf dem Arm. Und auch der Nachwuchs grinst – ohne zu wissen, was hier eigentlich passiert. Es sind Momente voller Vorfreude.

Auch wenn es der jungen Familie offensichtlich noch etwas schwer fällt, sich in dem neuen Zuhause zu orientieren. Kein Wunder: Noch steht schließlich nur die zehn Mal zehn Meter große Bodenplatte ihres künftigen Eigenheims. Aber bald soll es vorangehen. Der Plan: Im Oktober wird das Fertigteilhaus gestellt. Danach geht es an den Innenausbau. Und: "Da machen wir dann fast alles selbst", sagt Daniel Lindner. Denn: "Anders geht es nicht."

Wer in den vergangenen Jahren ein Haus gebaut hat oder aktuell baut, der kennt es: Bauherren müssen für Handwerkerleistungen immer höhere Summen einplanen – wenn sie überhaupt Handwerker finden. Die Kosten sind nahezu explodiert und verbleiben auf einem hohen Niveau. Was den Hausbau deutlich günstiger machen kann: Eigenleistungen. Daniel Lindner sagt: "Wir werden dadurch mindestens 30.000 Euro sparen."

"Alles teurer geworden als geplant"

Es war vor anderthalb Jahren, als MDR SACHSEN-ANHALT schon einmal über die junge Familie aus Magdeburg berichtete. Ihre Suche nach einem Grundstück in der Landeshauptstadt war damals erfolglos. Deshalb zog es sie auf das Land. Noch wussten sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht, ob sie überhaupt einen Kredit erhalten würden.

Das klappte dann allerdings einige Wochen später. In Groß Santersleben, einem kleinen Ort in der Börde mit etwas mehr als 1.000 Einwohnern, gut 20 Autominuten von Magdeburg entfernt, wollen sie heimisch werden. Ihr Grundstück ist 1.200 Quadratmeter groß. Das Haus soll eine Wohnfläche von 150 Quadratmetern haben. Gut, sagt Lindner, dass sie den Hausbauvertrag damals schon unterschrieben haben, denn: "Bei den heutigen Preisen könnten wir uns den Hausbau garantiert nicht mehr leisten."

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben
Bildrechte: MDR/Daniel George

Es macht Spaß, unser neues Zuhause wachsen zu sehen. Aber es gibt immer wieder Verzögerungen und alles ist jetzt schon viel teurer geworden als geplant.

Caro Bruns Bauherrin

Immer wieder zog sich der Baubeginn allerdings hin. Im Juni dieses Jahres ging es dann mit den Erdarbeiten los. Und: "Seitdem ist das für uns gefühlsmäßig eine Achterbahnfahrt", sagt Caro Bruns. Denn es gibt nicht nur Momente der Vorfreude, sondern auch Momente voller Frust. "Wir sind mit den Gewerken, die bislang in Aktion waren, im Grunde zufrieden. Und es macht auch Spaß, unser neues Zuhause wachsen zu sehen", sagt die 29 Jahre alte Bruns, aber: "Es gibt immer wieder Verzögerungen und alles ist jetzt schon teurer geworden als ursprünglich geplant."

450.000 Euro musste die junge Familie per Kredit aufnehmen. Darin eigentlich enthalten: eine gewisse Summe für die Außenanlagen. Nur: "Dieser Puffer ist jetzt schon für andere Arbeiten nötig geworden", sagt Daniel Lindner. "Alles, was den späteren Garten angeht, müssen wir also erstmal hinten anstellen."

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben
Am Freischneider in Aktion: Das Grundstück von Sträuchen zu befreien, gehört aktuell zu den Aufgaben von Daniel Lindner. Bildrechte: MDR/Daniel George

"Am Ende bist du als Bauherr der Leidtragende"

Angesichts der Preise für Handwerkerleistungen stand für die junge Familie von vornherein fest, "dass wir vieles selbst machen wollen", wie Daniel Lindner erzählt. "Zum einen, weil wir später sagen können wollen, dass wir unser Haus auch zumindest zum Teil mit unseren eigenen Händen erschaffen haben. Und zum anderen natürlich, um Geld zu sparen, ganz klar."

Ihr Glück: Sie haben handwerklich begabte Familienmitglieder. "Unsere Väter und Onkel kennen sich gut aus, haben teilweise in handwerklichen Berufen gearbeitet oder bei sich auch schon viel selbst gemacht", sagt Lindner. "Und auch viele Freunde stehen schon in den Startlöchern und wollen helfen."

Zur Not mit Do-It-Yourself-Video

Denn es muss viel gemacht werden: Malern, Laminat verlegen, Fliesen legen, Türen einbauen und noch mehr. Sie arbeitet als Krankenpflegerin, er als Mitarbeiter beim Basketball-Verband Sachsen-Anhalt. "Wir haben von unseren Berufen her also nicht viel mit Handwerk zu tun", sagt Lindner, aber: "Diejenigen, die sich in unseren Familien auskennen, leiten uns an. Wir verstehen uns da eher als Hilfsarbeiter. Und zur Not gucken wir das ein oder andere Do-It-Yourself-Video."

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben
Bildrechte: MDR/Daniel George

Manchmal hat man das Gefühl, als würden die Gewerke teilweise auf Dummfang gehen und hoffen, dass jemand die überzogenen Preise bezahlt, die sie verlangen.

Daniel Lindner Bauherr

Ihre Leichtigkeit und den Frohsinn hat die junge Familie trotz einiger Hürden beim Hausbau noch nicht verloren. Wenngleich der 36-Jährige sagt: "Am Anfang war mehr Euphorie da. Wir haben uns das Ganze etwas spaßiger vorgestellt." Doch mit Spaß hat die Zusammenarbeit mit Handwerkern heutzutage offensichtlich in den wenigsten Fällen etwas zu tun.

Corona als Argument nur vorgeschoben?

"Die Firmen schieben oft Corona als Argument vor, entweder für Verzögerungen oder Preiserhöhungen. Das haben wir auch von allen befreundeten Familien gehört, die bauen", sagt Lindner. "Das mag ja auch zum Teil stimmen und wir haben auch Geduld. Nur wenn du als Bauherr zu viel Geduld hast, bist du am Ende der Leidtragende."

Sein Appell an alle Familien, die bauen wollen: "Manchmal hat man das Gefühl, als würden die Gewerke teilweise auf Dummfang gehen und hoffen, dass jemand die überzogenen Preise bezahlt, die sie verlangen. Du hast als Bauherr ja einen hohen Kredit aufgenommen und alle wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Lasst euch also nicht unterkriegen, vergleicht Preise und kämpft für euer Geld. "

Daniel Lindner und Caro Bruns auf ihrem Grundstück in Groß Santersleben
Caro Bruns und Daniel Lindner haben ihren Bauvertrag vor anderthalb Jahren unterschrieben – mit Festpreisgarantie. "Zu den heutigen Preisen", sagt Lindner, "könnten wir uns den Hausbau nicht mehr leisten." Bildrechte: MDR/Daniel George

"Zwischen 150.000 und 200.000 Euro gespart"

Für sein Geld gekämpft hat auch Christoph Homann. Besser gesagt: "Wir haben mehr für unser Geld bekommen, als wenn wir alles abgegeben hätten", sagt der 29 Jahre alte Soldat aus Welsleben im Salzlandkreis. Von April 2021 bis April 2022 war Homann auch Bauherr. Nun ist er Hausbesitzer einer Stadtvilla mit 177 Quadratmetern Wohnfläche – und zwar ein richtig stolzer.

Denn das, was Daniel Lindner und Caro Bruns noch bevorsteht, hat Christoph Homann mit seiner Familie schon geschafft: Ihr Eigenheim zu großen Teilen selbst gebaut. Auch vor allem aufgrund der Kosten, denn: "So, wie wir es jetzt gemacht haben, haben wir bestimmt zwischen 150.000 und 200.000 Euro gespart", sagt der 29-Jährige.

Wie denn das? "Wir haben wirklich alles selber gemacht, hatten keine Hausbaufirma, sondern haben alles mit einem Architekten geplant, uns alle Gewerke selber gesucht und vieles auch komplett selbst gemacht", erzählt der Familienvater. "Freunde, die mit Firmen gebaut hatten, haben immer nur geschimpft. Also haben wir das selbst in die Hand genommen."

Christoph Homann
Hailey, die Tochter von Christoph und Denise Homann, wurde während des Hausbaus geboren. Bildrechte: MDR/Homann

Jedes Wochenende auf der Baustelle

Nach der Bauphase steht für Christoph Homann fest: Er würde es wieder genau so machen. Die Vorteile aus seiner Sicht: "Du hast einen ganz anderen Kontakt zu den Gewerken, wenn nicht noch eine Baufirma dazwischen steckt. So kannst du viel besser verhandeln. Außerdem hast du selber die Wahl und kannst Preise vergleichen."

Die Liste der Arbeiten, die der Bauherr mit Hilfe von Familienmitgliedern und Freunden in Eigenleistung ausgeführt hat, ist außerdem lang: "Wir haben das Dach gedeckt, den ersten Kaltanstrich draußen vorgenommen, den Fußboden selbst verlegt, die Türen eingebaut, selbst tapeziert, die Endmontage in den Bädern vorgenommen, das Material selbst besorgt und den einzelnen Handwerkern auch vorbereitende Arbeiten abgenommen", erzählt Homann.

Christoph Homann
Ein Meilenstein: Das Richtfest feierte die Familie Homann vor etwas mehr als einem Jahr. Bildrechte: MDR/Homann

Weniger Geld – aber mehr Zeit

Und das ging so einfach? "Ja, die meisten hatten so viel zu tun, dass sie froh waren, wenn wir die lästigen, nicht unbedingt fachspezifischen Arbeiten übernommen haben. Klare Absprachen sind da einfach wichtig, dann klappt das." Außerdem hätten die Bauherren so mehr Flexibilität gehabt: "Wenn wir mit der Leistung einer Firma nicht zufrieden waren, haben wir uns eine neue gesucht. Wir wollten alles perfekt haben."

Durch die Do-It-Yourself-Mentalität kostete das zwar weniger Geld, aber mehr Zeit. "Ich war ein Jahr lang jedes Wochenende auf der Baustelle", sagt der 29 Jahre alte Familienvater. "Da war nichts mit Urlaub. Wenn du das so machst, musst du aktiv sein und immer dran bleiben, um wirklich das gewünschte Ergebnis zu erhalten." Und damit die Vorfreude am Ende zu Freude wird.

MDR (Daniel George)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. September 2022 | 19:00 Uhr

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