Neustart trotz Corona Unternehmer aus Wernigerode wird jetzt Mentalcoach

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
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Seit fast zwei Jahren verändert Corona unser aller Leben – oft nicht zum Guten. Doch manchen Menschen haben die Umstände der Pandemie dabei geholfen, ihre berufliche Erfüllung zu finden. Zum Beispiel Thomas Lüderitz aus Wernigerode. Der Unternehmer beginnt in der Corona-Krise eine Ausbildung zum Anti-Stress-Trainer. Das ist seine Geschichte.

Ein Mann steht vor einer Gruppe Menschen
Vor der Corona-Pandemie besaß Thomas Lüderitz drei Unternehmen in Wernigerode, unter anderem ein Maklerbüro. Bildrechte: Thomas Lüderitz/Max Schörm

Bevor die Corona-Pandemie ausbricht, sind die Tage von Thomas Lüderitz so voll wie sein Mailpostfach. Drei Unternehmen gehören dem Wernigeröder, mehrere Angestellte arbeiten für ihn. Neben seinem ursprünglichen Geschäft, einem Immobilienmaklerbüro, betreibt er zu dieser Zeit auch eine Postfiliale und eine Agentur, die sich um die Vermietung und Verwaltung von Ferienwohnungen kümmert.

Anfang 2020 beschließt Lüderitz, seine Kraft und Energie auf ein Unternehmen zu konzentrieren. Eine Burnout-Erkrankung hat er da bereits hinter sich. Die Ferienwohnungsagentur soll künftig sein wichtigstes Kind sein. Lüderitz entwickelt Ideen und Pläne, er will die Agentur groß machen.

Dann rollt im März die erste Coronawelle über Deutschland. Angela Merkel spricht im Fernsehen zu den Bürgerinnen und Bürgern – und die sonst so reisefreudigen Deutschen verschanzen sich von heute auf morgen in den eigenen vier Wänden. Für Lüderitz‘ Agentur der GAU: "Wir hatten einen Komplettausfall an Provisionen", sagt der 38-Jährige. "Ich hatte aufs völlig falsche Pferd gesetzt."

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Freiheit und Wald statt Stress und Büro

Gezwungenermaßen kommt Lüderitz‘ Berufsleben etwas zur Ruhe. Aus heutiger Sicht sei das sein Glück gewesen, sagt der Unternehmer: "Dadurch bin ich zu mir zurückgekommen." Am liebsten verbringt er die neu gewonnene Freizeit in der Natur, oft verabredet er sich mit einer Freundin zum Wandern im Harz. Zuhause guckt er YouTube-Videos über den Wald, am Wochenende übernachtet er manchmal draußen, zwischen den Bäumen. "Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass ich in der Natur am besten aufladen kann", sagt Lüderitz.

Und noch etwas wird ihm klar: Sein eigentlicher Beruf als Immobilienmakler sei zwar viele Jahre seine Leidenschaft gewesen, habe ihn aber eigentlich nie ausgefüllt. "Ich habe plötzlich einen inneren Widerstand gespürt", sagt Lüderitz. "Und ich habe realisiert, dass ich lange Zeit den Fokus auf die völlig falschen Dinge gelegt habe."

Weniger ist mehr

Zu den völlig falschen Dingen gehören für ihn nun auch unnötige Besitztümer. Vieles von dem, was er nicht wirklich dringend braucht, verkauft er daher im Internet. Stattdessen schafft er sich einen Hund an und verbringt so viel Zeit wie möglich in der Natur.

Währenddessen fällt auch die Entscheidung für einen beruflichen Neustart. Lüderitz will künftig seine Erfahrungen im Umgang mit Stress und Burnout mit anderen Menschen teilen. Derzeit absolviert er verschiedene Ausbildungsseminare, spätestens im nächsten Sommer soll es losgehen als – ja, als was eigentlich?

Eine Bezeichnung für seinen neuen Job hat Lüderitz noch nicht gefunden. Vielleicht, weil er an der genauen Ausrichtung noch tüftelt. Am ehesten lässt es sich wohl als Anti-Stress-Trainer beschreiben, was dann auf seiner Visitenkarte stehen wird.

Befreiung und Dankbarkeit

Aber Lüderitz lässt keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint mit dem Neubeginn. Die Ferienwohnungsagentur hat er bereits verkauft, die Geschäfte seines Maklerbüros ruhen. Einzig die Postfiliale will er vorerst behalten, weil deren Betrieb, wie er sagt, ohnehin nahezu komplett in den Händen der Angestellten liege.

Die Entscheidung für den Neustart war für mich befreiend", sagt Lüderitz. "Es geht mir mental und körperlich so gut wie nie." Der Gedanke, anderen Menschen aus ihren Krisen zu helfen, sporne ihn unglaublich an.

Insofern bin ich in gewisser Weise dankbar, dass Corona gekommen ist und mir diesen Schnitt im Leben ermöglicht hat.

Thomas Lüderitz
MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
Bildrechte: Magnus Wiedenmann

Über den Autor Lucas Riemer arbeitet seit Juni 2021 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Der gebürtige Wittenberger hat Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau sowie Journalismus in Mainz studiert und anschließend mehrere Jahre als Redakteur in Hamburg gearbeitet, unter anderem für das Magazin GEOlino.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er vor allem über kleine und große Geschichten aus den Regionen des Landes.

MDR (Lucas Riemer)

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