Wintersport in Sachsen-Anhalt Schierke hat eine neue Rennrodelbahn – eine Perspektive für Harzer Rodelsportler

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
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Der Harz ist eine Wiege des Bob- und Rennrodelsports in Deutschland. Schierker Bobsportler waren am 5. November 1911 in Berlin Gründungsmitglieder des Deutschen Bobsligh Verbandes, einem Vorläufer des heutigen Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Auf den Tag genau 110 Jahre später wurde nun die neue Rennrodelbahn in Schierke eingeweiht. Damit bekommt der Bob- und Rodelsport im Harz wieder eine Zukunft.

Der Jubel war groß, als das symbolische Band durchschnitten wurde, und dann die Harzer Rodellegende Tatjana Hüfner an den Start ging. Die aus Blankenburg stammende Rennrodel-Olympiasiegerin von 2010 und fünffache Weltmeisterin hatte die Ehre, als erste die neue Bahn hinunterzufahren, und war sofort begeistert. "Eine sehr schöne Bahn, abwechslungsreich, sogar mit einer schwierigen Schlüsselstelle. Die Kinder können hier gut lernen und sich auf die großen Bahnen vorbereiten", so Tatjana Hüfner, die in ihrer Anfangszeit als junges Mädchen selbst noch die alte Bahn kennengelernt hatte.

Neben der Rodellegende stand ein zu Tränen gerührter Schierker Vereinsvorsitzender. Nach sechs Jahren Vorbereitungen und eineinhalb Jahren Bauzeit geht für Dirk Klaus ein Traum in Erfüllung. Die Freude sei riesig, sagt er, ein Stein sei ihm nun vom Herzen gefallen. Wie wichtig der Neubau ist, zeigt auch, dass der oberste Funktionär, der Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Andreas Trautvetter nach Schierke gekommen war.

Tatjana Hüfner, Rennrodel-Olympiasiegerin von 2010 und fünffache Weltmeisterin
Tatjana Hüfner, Rennrodel-Olympiasiegerin von 2010 und fünffache Weltmeisterin, durfte die neue Schierker Rodelbahn einweihen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Rückblick: Die alte Rodelbahn

Die alte Rodelbahn am Schierker Barenberg bestand aus U-Betonteilen und Bretterwänden. Vor einer Nutzung musste sie mühsam in kalten Winternächten mit Schnee und Wasser ausgeformt werden. Schicht für Schicht wurde aufgetragen, eine neue aus Schneematsch auf die bereits gefrorene. Die Bahn war sehr holprig und schwierig zu fahren. Unter Harzer Rodelsportlern kursierte der Spruch: "Wer in Schierke fahren kann, kann das auf jeder Bahn."

Vor allem aber konnte die alte Schierker Rodelbahn nur während langer Frostperioden genutzt werden. Hier zu trainieren oder Wettkämpfe auszutragen war folglich eher die Ausnahme, als die Regel. Im Laufe der Zeit wies die Bahn außerdem immer mehr Schäden auf.

Alte Rodelbahn in Schierke
So sah die alte Rodelbahn in Schierke aus. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Wunsch nach einer neuen Bahn

Bereits vor rund 20 Jahren gab es deshalb schon konkrete Ideen für den Neubau einer Rennrodelstrecke, die vor allem auch im Sommer mit Räderschlitten genutzt werden kann. Pläne gab es beispielsweise für den Bau einer Rodelbahn bei Blankenburg, die aber aus Geldmangel nicht umgesetzt wurden.

Durch die Erfolge von Harzer Rodelsportlern wie Tatjana Hüfner oder Toni Eggert und Magdeburger Bobsportlern, die auch zum Verband gehören, wuchs das Interesse in der Politik. Fördermittel wurden in Aussicht gestellt. Die Vereine einigten sich darauf, die Schierker Bahn möglichst günstig zu erneuern.

Teurer als gedacht: Baukosten stiegen stark

Bauarbeiten der Rodelbahn in Schierke im November 2020
So sahen die Bauarbeiten an der Rodelbahn im November 2020 aus. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Vor sechs Jahren begannen dann die Planungen für die Modernisierung der Schierker Bahn. Vor eineinhalb Jahren starteten die Bauarbeiten. 680.000 Euro waren damals kalkuliert. Dann explodierten die Baukosten. Der Untergrund musste zusätzlich stabilisiert werden, und entgegen der Pläne mussten alle Kurven mit Spritzbeton gebaut werden – das verursachte zusätzliche Kosten.

Als Ausgleich wurde auf den Neubau von Start- und Zielhäusern sowie auf Geländer verzichtet. Am Ende kostete die neue Bahn trotzdem 865.000 Euro. Um den nun höheren Eigenanteil zahlen zu können, wurde eine Spendenaktion veranstaltet, an der sich rund 120 Spender und Sponsoren beteiligten. Mehr als 18.000 Euro kamen zusammen. 

Das ist die neue Schierker Rodelbahn

Im Einsatz: Die neue Rennrodelbahn in Schierke im November 2021
Ab sofort kann die neue Rennrodelbahn in Schierke genutzt werden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die nun eingeweihte Rodelbahn in Schierke ist 300 Meter lang und hat sechs Kurven. Sie besteht aus Spritzbeton und Kunststoffwänden. Sie kann im Sommer und bei Schneemangel mit Räderschlitten genutzt werden. Bei Temperaturen unter null Grad kann sie einfach mit Wasserschläuchen per Sprühnebel vereist werden.

Rodel-Landestrainerin Antje Wendenburg schwärmt: "Die Bahn ist genau richtig für den Rodelnachwuchs." Die junge Frau betreut zehn Rodel-Arbeitsgemeinschaften an Schulen und trainiert die Aktiven in den drei Harzer Rodelvereinen Schierke, Ilsenburg und Blankenburg. Sie freut sich, ihren Schützlingen nun endlich eine Perspektive bieten zu können.

Hoffnung auf mehr Zulauf für die Rodelvereine

Die Landestrainerin hofft nun auch auf mehr Zulauf für die Rodelvereine. Bisher mussten die Sportler lange Wege auf sich nehmen, um in Oberhof oder Winterberg richtig trainieren zu können. Das bedeutete jedes Mal einen Riesenaufwand für Sportler, Betreuer und Eltern und schreckte viele ab. Das werde sich nun mit der neuen Bahn ändern.

Auch touristisch habe die neue Bahn eine Bedeutung, so Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock. Wettkämpfe werden Zuschauer anlocken. Auch Trainingslager wird es geben. Rodelvereine aus Thüringen und Sachsen haben bereits angefragt. Und auch Touristen sollen hier einmal selbst hinuntersausen können, so Hopstock.

Vorher gibt es aber noch ein paar Dinge zu tun: Beschallung und Beleuchtung sowie eine Zeitmessanlage müssen noch installiert werden. Und auch der Rodelbetrieb muss sich einspielen. Als erster offizieller Trainingsbeginn war bereits der nächste Morgen angesetzt. Doch schon unmittelbar nach der Einweihung begannen die ersten Nachwuchsrodler zu trainieren – vor den Augen der noch Sekt und Glühwein trinkenden Ehrengäste.

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Quelle: MDR/Carsten Reuß/Johanna Daher

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. November 2021 | 19:00 Uhr

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