Waldbrand und die Folgen Streit um Totholz: Schulze für Erhalt des Nationalparks Harz

Nach dem Waldbrand am Brocken wird weiter über den Brandschutz im Harz diskutiert. In einer Debatte dazu im Landtag wurde Forstminister Schulze von der Links-Fraktion scharf attackiert. Der distanzierte sich daraufhin von seiner früheren Aussage, als er drohte, den Nationalpark Harz grundsätzlich infrage zu stellen.

Forstminister Sven Schulze (CDU) begutachtet Brandschäden im Harz
Der CDU-Politiker hat sich im September ein Bild von der Waldbrand-Lage am Brocken gemacht. Bildrechte: dpa

Nach dem Brand am Brocken wird weiter über das Totholz im Nationalpark Harz gestritten. Diskutiert wird, inwieweit Totholz als ein möglicher Brandbeschleuniger aus Wäldern geräumt werden soll. Im Fokus der heutigen Debatte im Landtag stand dabei eine frühere Aussage von Sachsen-Anhalts Forstminister Sven Schulze (CDU).

Anfang September erklärte er im Plenum, dass man den Nationalpark Harz grundsätzlich infrage stellen müsse, wenn man keine gemeinsamen Lösungen im Vorgehen mit dem Totholz finde. Er wolle das zwar nicht, so Schulze damals. Aber er habe Zweifel am Modell eines gemeinsamen Nationalparks Harz mit dem Land Niedersachsen.

Er hat mit dieser Hauruckaktion gezeigt, dass er vom Forst, von Wirtschaft und sogar vom Tourismus wenig Ahnung hat.

Hendrik Lange (Linke) Umweltpolitischer Fraktionssprecher

Für diese Äußerungen wurde der Minister von der Opposition nun scharf kritisiert. Der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Hendrik Lange, sagte, es sei erschreckend und unverständlich, dass der Minister den Nationalpark in Frage gestellt habe. Eine Entschuldigung wäre angebracht, so Lange.

Ähnlich äußerte sich Wolfgang Aldag von den Grünen. Er erklärte, dass der Nationalpark ein erfolgreiches, länderübergreifendes Naturschutzprojekt sei, welches es zu schützen gelte. Die Aussagen von Schulze würden nun als "politisches Geplänkel" abgetan, sie hätten aber zu Unsicherheit geführt.

Die AfD hingegen kritisierte weniger Schulze, sondern vielmehr die Grünen, die in der Vorgängerregierung für den Forst zuständig waren. Damals sei nicht gehandelt worden, kritisierte der Abgeordnete Daniel Roi. Er forderte ein Aufforstungsprogramm für den Harz.

Schulze bekennt sich zu Nationalpark

Der in die Kritik geraten Schulze verteidigte seinen Kurs zwar, bekannte sich zugleich aber auch zum Nationalpark. "Mir geht es um - und das möchte ich betonen - den Erhalt des Nationalparks", sagte der Forstminister im Landtag. Es gehe ihm aber darum, den Nationalpark zukunftsfähig zu machen.

Mir geht es um den Erhalt des Nationalparks.

Sven Schulze (CDU) Forstminister

Die Natur sich selbst zu überlassen, könne zwar grundsätzlich richtig sein. Wenn aber das Leben von Menschen gefährdet werde, müsse man reagieren, so der Minister. Unterstützung für diesen Kurs erhielt Schulze vor allem aus den Reihen der Koalitionsfraktionen.

Sven Schulze (CDU, M), Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten, steht am Wurmberg in Niedersachsen und erkundigt sich über die aktuelle Lage am Brocken.
Forstminister Schulze zur Totholz-Debatte: Wenn das Leben von Menschen gefährdet werde, müsse man reagieren. Bildrechte: dpa

Nun habe man Lösungen gefunden, sagte Schulze mit Verweis auf die "Wernigeröder Erklärung". Darin ist festgehalten, dass am Fuß des Brockens vermehrt abgestorbene Bäume beseitigt werden sollen. Der Nationalpark Harz will zudem mehr Brandschneisen schaffen. Die ersten Arbeiten haben vor wenigen Tagen begonnen. Wie der Landkreis Harz mitteilte, werden in den nächsten Wochen zunächst etwa 20 Hektar rund um Schierke beräumt.

Bildergalerie Waldbrand am Brockenplateau

Ein Flugzeug der italienischen Feuerwehr wirft im Einsatzgebiet am Brocken Wasser ab.
Ein Flugzeug der italienischen Feuerwehr wirft am Mittwoch im Einsatzgebiet am Brocken Wasser ab. Seit Samstag brennt dort der Wald. Bildrechte: dpa
Ein Flugzeug der italienischen Feuerwehr wirft im Einsatzgebiet am Brocken Wasser ab.
Ein Flugzeug der italienischen Feuerwehr wirft am Mittwoch im Einsatzgebiet am Brocken Wasser ab. Seit Samstag brennt dort der Wald. Bildrechte: dpa
Ein Löschhubschrauber der Bundeswehr wirft im Einsatzgebiet 5000 Liter Wasser ab.
Auch Löschhubschrauber der Bundeswehr helfen bei der Brandbekämpfung am Brocken. Sie werfen pro Flug 5.000 Liter Wasser ab. Bildrechte: dpa
Verkohlte Baumstämme liegen im Einsatzgebiet am Brocken.
Verkohlte Baumstämme am Brocken unweit der Strecke der Harzer Schmalspurbahn Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr beginnen im Einsatzgebiet am Brocken mit Löscharbeiten vom Boden aus.
Verstärkt sind Bodentrupps im Einsatz, um unterirdische Glutnester zu bekämpfen. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr füllen einen Wassertank auf der Brockenstrasse.
Einsatzkräfte von THW und Feuerwehr füllen einen Wassertank auf der Brockenstrasse. Eine Waldfläche von mehr als 150 Hektar brennt seit Samstag am Brocken. Der Landkreis Harz hat deshalb Katastrophenalarm ausgelöst. Bildrechte: dpa
Eine Dampflok der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), steht auf dem Brocken.
Die Harzer Schmalspurbahnen stellt drei Waggons mit Wassertanks für die Löscharbeiten zur Verfügung, die mit Hilfe der Loks in die Nähe der Brandherde gezogen werden können. Bildrechte: dpa
Hubschrauber mit Löschwasserbehältern bekämpfen einen Waldbrand am Brocken.
Drei Hubschrauber mit Löschwasserbehältern bekämpfen einen Waldbrand am Brocken. Bildrechte: dpa
Eine Harzer Schmalspurbahn HSB mit Löschtanks und ein Hubschrauber der Bundespolizei bekämpfen einen Waldbrand am Brocken.
Schweres Gerät: Die Harzer Schmalspurbahn mit Löschtanks und ein Hubschrauber der Bundespolizei bekämpfen einen Waldbrand am Brocken. Bildrechte: dpa
Tobias Kascha (SPD, 2.v.l.-r), Oberbürgermeister von Wernigerode, Thomas Balcerowski (CDU), Landrat Landkreis Harz, sowie Sven Schulze (CDU), Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten, stehen am Wurmberg in Niedersachsen und erkundigen sich über die aktuelle Lage am Brocken
Tobias Kascha (SPD, 2.v.l.-r), Oberbürgermeister von Wernigerode, Thomas Balcerowski (CDU), Landrat Landkreis Harz, sowie Sven Schulze (CDU), Sachsen-Anhalts Forst-Minister, stehen am Wurmberg in Niedersachsen und erkundigen sich über die aktuelle Lage am Brocken. Bildrechte: dpa
Ein Löschhubschrauber nimmt am Wurmberg Wasser auf. Davor stehen Schaulustige.
Ein Löschhubschrauber nimmt am Wurmberg Wasser auf. Auch Oker- und Odertalsperre sind zum Betanken von Löschhubschraubern freigegeben worden. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen am Wurmberg und beobachten die Lage.
Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen am Wurmberg und beobachten die Lage. Bildrechte: dpa
Ein Löschhubschrauber der Bundeswehr bekämpft den Waldbrand aus der Luft, im Hintergrund fliegt ein Löschflugzeug der italienischen Feuerwehr. Am Brocken brennen derzeit große Waldflächen.
Seit Samstagnachmittag brennt es am Brocken. Inzwischen ist Luftunterstützung im Einsatz, um die Feuerwehrleute am Boden zu entlasten. Bildrechte: dpa
Mit Löschhubschraubern wird das Feuer am Brocken bekämpft.
Mehrere Hubschrauber unterstützen die Löscharbeiten. Bildrechte: dpa
Ein Kesselwagen der Harzer Schmalspurbahn HSB steht am Bahnhof Brocken und wird von der Feuerwehr betankt.
Die Harzer Schmalspurbahnen bringen den Feuerwehrleuten mit ihren Kesselwagen wichtiges Löschwasser. Bildrechte: dpa
Löschflugzeuge der italienischen Feuerwehr bekämpfen den Waldbrand aus der Luft.
Zwei italienische Löschflugzeuge sind seit Montagmorgen im Einsatz am Brocken. Bildrechte: dpa
Lichterloh brennt der Wald in einem gesperrten Teil um einen Gipfel im Nationalpark Harz, auf diesem zur Verfügung gestellten Bild, von einem Hubschrauber der Bundespolizei aus gesehen.
Inzwischen hat sich das Feuer auf einer Fläche von bis zu 150 Hektar ausgebreitet. Laut Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse hat es auch auf ein Moorgebiet übergegriffen. Bildrechte: picture alliance/dpa/Bundespolizeipräsidium Potsdam
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Großbrand im September

Auslöser der Diskussion um das Totholz war ein Großbrand im Harz Anfang September. Dabei gingen südlich des Brockens mehrere Hektar Wald in Flammen auf. Der Brand breitete sich auf bis zu 150 Hektar aus. Über die Größe der Fläche wurde nach dem Brand gestritten. Zehn Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge halfen dabei, die Flammen aus der Luft zu bekämpfen.

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MDR (Thomas Tasler), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Oktober 2022 | 20:00 Uhr

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