Harz Waldbrände: Kritik wegen fehlender Löschtechnik

Eine frühzeitige Luftunterstützung hätte die Ausbreitung des neuesten Waldbrands im Harz wohl minimiert. Dass es daran wieder fehlte, sorgt für Frust beim Landrat und der Feuerwehr. Beide waren mit ihrer Forderung nach einem Löschflugzeug bisher beim Innenministerium nicht weiter gekommen. Magdeburg widerspricht, eine generell ablehnende Haltung zu haben.

Flammen lodern in der Nacht im Nationalpark Harz bei Schierke.
Bei Schierke im Harz schlagen die Flammen bis in die Baumwipfel. Bildrechte: dpa

Wegen des erneuten Waldbrands im Harz bei Schierke haben Feuerwehr und Landkreis heftige Kritik an fehlender Löschtechnik aus der Luft geübt. Dass die Einsatzkräfte während der Entstehungsphase des Großfeuers wieder einmal auf Luftunterstützung verzichten mussten, habe die Situation erschwert, sagte Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse bei einer Pressekonferenz in Wernigerode am Freitagvormittag.

Löschhubschrauber nicht einsatzbereit

Die Gründe dafür seien noch nicht bekannt und müssten jetzt aufgeklärt werden, so Lohse weiter. Klar sei, dass eine frühzeitige Luftunterstützung die Ausbreitung des Brandes zumindest minimiert hätte. Zwar war den Angaben zufolge am Donnerstagnachmittag ein erster Hubschrauber eingetroffen, aber nicht einsatzbereit gewesen.

Harz Bilder vom Waldbrand bei Schierke

Bei Schierke im Harz ist erneut ein Waldbrand ausgebrochen. In der Galerie sehen Sie, wie die Einsatzkräfte vor Ort gegen die Flammen ankämpfen.

Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen in der Nacht weiterhin die Glutnester im Wald ab.
Hunderte Feuerwehrleute haben seit Donnerstag in den Wäldern unterhalb des Brockens gegen einen Großbrand gekämpft. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen in der Nacht weiterhin die Glutnester im Wald ab.
Hunderte Feuerwehrleute haben seit Donnerstag in den Wäldern unterhalb des Brockens gegen einen Großbrand gekämpft. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschen in der Nacht weiterhin die Glutnester im Wald ab.
Das Feuer zwischen Schierke und Drei Annen Hohne ist laut Leitstelle seit Freitag räumlich unter Kontrolle. Bildrechte: dpa
Rauch steigt aus einem Wald in Schierke auf.
Betroffen war zuletzt eine Fläche von zehn bis 15 Hektar.  Bildrechte: dpa
Flammen lodern in der Nacht im Nationalpark Harz bei Schierke.
Von der Feuerwehr hieß es, dass die Kernzone des Brandes nicht betreten wird. Das sei zu gefährlich. ... Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Feuerwehr überwachen im Einsatzgebiet die Wasserversorgung für die Hubschrauberlöscharbeiten.
... stattdessen solle die Mitte ausbrennen und man wolle das Feuer an den Flanken aufhalten. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte unterstützen die Brandbekämpfung im Einsatzgebiet im Harz.
Vier Hubschrauber flogen am Freitag über den Brandherd und halfen, die Flammen von oben zu bekämpfen. Bildrechte: dpa
Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sind zu einem größeren Waldbrand in Schierke unterwegs.
Die Luftunterstützung kommt jedoch reichlich spät. Feuerwehr und Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha (SPD) äußerten heftige Kritik an der fehlenden Technik.  Bildrechte: dpa
Rettungskräfte der Feuerwehr füllen einen Zusammenklappbaren Wassertank mit Wasser als sie einen größeren Waldbrand in Schierke bekämpfen
Um den Brand unter Kontrolle zu bringen, halfen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Forsten, Landwirte und auch der Tankzug der Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: dpa
Feuerwehrleute vor Waldstück im Rauch.
Umliegende Orte sind im Harz allerdings nicht direkt vom Feuer betroffen. Bildrechte: dpa
Waldbrand Schierke
Rund 500 Einsatzkräfte waren zwischenzeitlich in Knaupsholz im Harz im Einsatz, um den Waldbrand zu löschen. Bildrechte: MDR/Isabell Hartung
Einsatzkräfte der Fire Spezialeinheit unterstützen die Brandbekämpfung im Einsatzgebiet im Harz. Seit Donnerstag brennt eine gröߟere Waldfläche im Nationalparkgebiet Harz.
Auch Spezialeinheiten der Brandbekämpfung waren vor Ort. Bildrechte: dpa
Einsatzkräfte der Fire Spezialeinheit unterstützen die Brandbekämpfung im Einsatzgebiet im Harz. Seit Donnerstag brennt eine gröߟere Waldfläche im Nationalparkgebiet Harz.
Am Samstag werden noch Glutnester und letzte Flammen bekämpft. Bildrechte: dpa
 Einsatzkräfte unterstützen die Brandbekämpfung im Einsatzgebiet im Harz. Seit Donnerstag brennt eine gröߟere Waldfläche im Nationalparkgebiet Harz.
Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht im Einsatz und wurden am Morgen von ihren Kameraden abgelöst. Bildrechte: dpa
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Rettungskräfte der Feuerwehr füllen einen Zusammenklappbaren Wassertank mit Wasser als sie einen größeren Waldbrand in Schierke bekämpfen
Um den Brand unter Kontrolle zu bringen, halfen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Forsten, Landwirte und auch der Tankzug der Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: dpa

Laut Innenministerium handelte es sich um einen Helikopter der Landespolizei. Dieser sei nach der Vorinformation zu einer bevorstehenden Anforderung sofort mit Löschtechnik ausgestattet worden und sei bereits 16.20 zum Einsatz gekommen. Aufgrund eines technischen Defekts an der Verbindung zum Löschbehältnis habe das Wasser jedoch nicht abgelassen werden können, so dass der Einsatz um 17:21 Uhr vor Ort abgebrochen worden sei.

Inzwischen sind vier Hubschrauber vor Ort, die sich am Freitag im Laufe des Vormittags formieren sollten.

Debatte um Löschflugzeuge dauert an

Landrat Thomas Balcerowski (CDU) sagte, er sei es leid, immer wieder die Diskussion über Löschflugzeuge führen zu müssen. Der neueste Waldbrand zeige, dass Luftunterstützung zwingend gebraucht werde. "Deshalb brauchen wir nicht mehr über Löschflugzeuge diskutieren, es wird Zeit, dass wir sie anschaffen. Denn genau die hätten wir am Donnerstag gebraucht." Er wolle jetzt Ergebnisse sehen, betonte Balcerowski.

Balcerowski hatte im Juli angekündigt, dass der Landkreis Harz angesichts der aktuellen Waldbrände eine Ausschreibung vorbereite, um künftig ein eigenes Löschflugzeug zu betreiben. Der Landesfeuerwehrverband unterstützte die Pläne. Sowohl der Bund als auch das Landesinnenministerium hatten jedoch abgelehnt, Flugzeuge ausschließlich zur Brandbekämpfung anzuschaffen.

Innenministerium: "Nicht grundsätzlich gegen Löschflugzeuge"

In Magdeburg zeichnet man am Freitag in Reaktion auf die Kritik ein anderes Bild von dem Streit. So habe das Ministerium für Inneres keine grundsätzlich ablehnende Haltung zu Löschflugzeugen, schrieb eine Sprecherin MDR SACHSEN-ANHALT. Überlegungen auf kommunaler Ebene mit privaten Anbietern zu kooperieren, die ein propellergetriebenes ehemaliges Agrarflugzeug einsetzen wollten, dass über eine Löschwasserkapazität von etwa 2.000 Litern verfüge und ortsnah stationiert sei, begrüßt das Ministerium nach eigenen Angaben sogar.

Diese Lösung könne sinnvoll sein, um dauerhaft und sehr schnell Löschwasser aus der Luft zum Einsatz bringen zu können, so die Sprecherin. "Skeptisch steht unser Haus vielmehr Bestrebungen gegenüber, größere Flugzeuge, die möglicherweise zunächst umgerüstet werden müssen, vorzuhalten."

Von großen Flugzeugen war in der Debatte jedenfalls öffentlich ohnehin nicht die Rede, sondern im Gegenteil von Kleinflugzeugen. Auch bekundete das Innenministerium bis vor wenigen Wochen durchaus noch eine grundlegend ablehnende Haltung gegenüber Löschflugzeugen. Wäldbrände würden vom Boden aus gelöscht, hieß es damals.

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Die Waldbrandsaison hat in diesem Jahr früh begonnen. Die Böden sind aus den vergangenen Dürre-Jahren ausgetrocknet. Die Forstämter treffen Vorkehrungen, um Waldbrände zu verhindern – und appellieren an die Bürger.

Bleiben Sie immer auf den Waldwegen, gehen Sie nicht ins Unterholz.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Bleiben Sie immer auf den Waldwegen, gehen Sie nicht ins Unterholz.
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Parken oder fahren Sie nicht mit dem Auto auf Waldwegen, heiße Auspuffrohre oder Katalysatoren können das Gras in Brand setzen.
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Nehmen Sie immer ein Handy mit, um Waldbrände direkt zu melden.
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Zufahrten zu Wäldern müssen freigehalten werden, damit Löschfahrzeuge schnell durchkommen.
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Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. April 2020 | 17:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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In den Wäldern unterhalb des Brockens im Harz kämpfen hunderte Feuerwehrleute weiter gegen einen Großbrand, der am Donnerstag ausgebrochen war. Das Feuer zwischen Schierke und Drei Annen Hohne ist laut Leitstelle mittlerweile räumlich unter Kontrolle. Es brenne auf einer Fläche von zehn bis 15 Hektar. Zuvor war die Rede von bis zu 37 Hektar.

MDR (Karin Roxer, Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. August 2022 | 13:00 Uhr

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