"Osterholz" bei Blankenburg Wanderwege im Harzvorland neu ausgeschildert

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Im Laufe der Corona-Pandemie sind immer mehr Menschen auf den Geschmack gekommen: Wandern im Harz boomt. Auch im Harzvorland sind immer mehr Wanderer unterwegs. In Blankenburg hat man dem nun Rechnung getragen und das Waldgebiet "Osterholz" nahe dem Ortsteil Derenburg komplett neu ausgeschildert – auf besondere Art und Weise.

Der Wald ist farbenfroh. Das Laub raschelt. Beides zeigt dem Wanderer: Hier stehen wenige Nadel- und viele Laubbäume. Und wirklich: Das Osterholz, ein Waldstück zwischen Blankenburg und dem zu Blankenburg gehörendem Derenburg, ist anders als der übliche Harzwald. Hier steht echter Mischwald. Hier wachsen Buchen, Eichen, Birken, Kiefern und auch ein paar Fichten.

Dieser Wald sei lange unterschätzt worden, sagt Klaus Dumeier aus Blankenburg, Chef der Harzer Wandernadel und Vizepräsident des Harzklubs. Ein echter Wanderfachmann also. Er schwärmt von dem lichten Wald, der ein ganz anderes Gefühl vermittle als ein dunkler Fichtenwald. Es gebe auch einen Teich, viele Sehenswürdigkeiten, die Struktur sei ganz anders, sagt Dumeier. Und er freut sich auch darüber, dass im Osterholz nun etwas ganz Besonderes passiert sei.

1.000 Wanderschilder weg

Blick auf verdorrte Bäume.
Durch Stürme, Hitze und Schädlinge sind viele Bäume im Harz gestorben. An diesen waren teils die Wanderschilder befestigt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

"Schilder weg von den Bäumen und ran an die Pfähle", so bringt es Derenburgs Bürgermeister André Salomon kurz und bündig auf den Punkt. Durch Stürme, Trockenheit und Waldschädlinge starben viele Bäume ab und mussten gefällt werden. Darunter waren nicht wenige Bäume, an denen Wanderschilder befestigt waren. Nach Angaben des Harzklubs sind wohl rund 1.000 Schilder im gesamten Harz den Naturunbilden und nachfolgenden Forstarbeiten zum Opfer gefallen.

Neben einer neu gebauten Schutzhütte hängt ein Schild an einem Holzpfahl.
Die neuen Schilder sind nicht mehr an Bäumen, sondern an Pfählen angebracht. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

In dem Teil des Osterholzes, der zu Derenburg und damit zu Blankenburg gehört, sei nun ein neues Konzept umgesetzt worden, erklärt Salomon. Alle Schilder wurden erneuert und nicht mehr an Bäumen, sondern an Holzpfählen befestigt.

Beschleunigt wurden diese Arbeiten vom gestiegenen Interesse am Osterholz-Wäldchen. Es wird, wie auch der benachbarte "Heers", ein Waldstück unterhalb der Burgruine Regenstein, an schönen Wochenenden von Tagesausflüglern regelrecht überrannt. Bis zu 1.000 Wanderer zähle er manchmal im gerade einmal 3,5 mal 2,5 Kilometer großen Osterholz, sagt Bürgermeister Salomon, der als Forstdienstleister oft in dem Waldstück arbeitet.

52 neue Wanderschilder und zwei Hütten

Zwei Schutzhütten wurden nun neu gebaut und 52 neue Wanderschilder aufgestellt. Auf dem 24 Kilometer umfassenden Wegenetz des Derenburger Stadtwaldes im Osterholz sollte sich nun niemand mehr verlaufen auf der Suche nach den bisher nur wenig bekannten Sehenswürdigkeiten, wie geheimnisvollen Steinkreisen, tollen Ausblicken und mystischen Felsklippen.

Menschen sitzen in einer Schutzhütte im Wald.
Auch zwei neue Schutzhütten für Wanderer wurden bei Blankenburg gebaut. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Geheimtipps besser finden

Eine solche Klippe ist der Thyrstein, von dem vermutet wird, dass sich hier ein Kultplatz befand. Nördlich dieses Felsens befindet sich ein geheimnisvoller Steinkreis, noch weiter nördlich der mystische Platz Ulenburg.

Vom Thyrstein aus, den man kurioserweise von der nahen Bundestraße 81 aus nicht sehen kann, hat man einen hervorragenden Blick auf die Ebene unterhalb des Regensteins, auf den Regenstein selbst und auf den vorgelagerten Großen Papenberg mit seinen steilen Felswänden. Hier verbergen sich ein paar wahre Geheimtipps – die spektakuläre Wolfsschlucht zum Beispiel oder der Winklersteig mit seiner in den Stein gehauenen, sehr steilen Treppe.

Sehenswürdigkeiten Wanderungen im Harzvorland: Neue Schilder führen zu Geheimtipps

Ein Pilz am Wegesrand
Aufgrund der Corona-Pandemie boomt das Wandern im Harz gerade. Davon profitiert auch das Harzvorland, etwa die Gegend um Blankenburg. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Ein Pilz am Wegesrand
Aufgrund der Corona-Pandemie boomt das Wandern im Harz gerade. Davon profitiert auch das Harzvorland, etwa die Gegend um Blankenburg. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Vor der neuen Schutzhütte am Thyrsteinweg im Harzvorland
Die Wanderwege bei Blankenburg sind nun neu ausgeschildert worden. Darüber hinaus sind auch zwei neue Schützhütten entstanden, so wie diese hier am Thyrsteinweg. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Ein neues Wanderschild im Harzvorland
Das Besondere: Die Schilder sind an Pfählen angebracht worden, nicht an Bäumen. Rund 24 Kilometer umfassen die Wanderwege im Osterholz. Die neuen Schilder sollen erst ein Anfang sein: Blankenburg will sein gesamtes Wanderwegenetz – immerhin 142 Kilometer – auf diese Art ausschildern. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Blick von einem Fels auf Landschaft im Harz
Vom Thyrstein können Wanderer über die Landschaft des Harzvorlandes blicken. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Blick auf einen Wanderweg im Wald.
Anders als die Fichten-Monokulturen im Harz ist das Osterholz ein Mischwald und damit im Herbst besonders farbenfroh. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Blick vom Großen Papenberg auf den Wald Osterholz im Harzvorland
Die Wege führen Wanderer etwa zum Großen Papenberg, von dem man Ausblick auf auf das Osterholz hat. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Zwei neue Wanderschilder im Harzvorland
Die neue Beschilderung der Wanderwege soll dem ganzen Harz als Vorbild dienen. Wenn das Vorhaben harzweit umgesetzt werden sollte, benötigt man 4.000 bis 5.000 neue Schilder und ebenso viele Pfähle.

Quelle: MDR/Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
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Von dort ist dann auch der Heers-Wald nicht weit mit seinen mittlerweile recht bekannten Sandhöhlen, mit der Regensteinsmühle und dem weniger bekannten Pastorenstein, der an den Tod eines Pfarrers vor 200 Jahren erinnert. Der sehr schöne Weg dorthin wurde erst kürzlich neu ausgeschildert. An den Sandhöhlen wurde eine große Informationstafel aufgestellt. Auch der Wanderweg "Wege deutscher Kaiser & Könige" führt hier entlang, durch den Heers und durchs Osterholz.

Klaus Dumeier	5 min
Klaus Dumeier Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Osterholz als Vorbild für gesamten Harz

Rund 24 Kilometer umfassen die Wanderwege im Osterholz. Die neuen Schilder sollen erst ein Anfang sein. Blankenburg will sein gesamtes Wanderwegenetz – immerhin 142 Kilometer – auf diese Art ausschildern.

Das heißt: Die Wanderschilder sollen weg von den Bäumen und an Pfählen befestigt werden. Das Osterholz soll dabei Vorbild für den ganzen Harz sein. Würde das Vorhaben harzweit umgesetzt werden, benötige man 4.000 bis 5.000 neue Schilder und ebenso viele Pfähle, so Wanderexperte Klaus Dumeier. Man habe aber gelernt, auf diese Weise auch die immer wieder Kosten verursachenden Wanderschilder ein Stück weit zu schützen.

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Über den Autor Carsten Reuß wurde in Aschersleben geboren und ist in einem kleinen Ort in der Nähe, nur wenige Kilometer vom Harzrand entfernt aufgewachsen. Nach seinem abgeschlossenen Werkzeugmaschinenbaustudium entdeckte er die Liebe zum Journalismus. Nach ersten Erfahrungen bei einer Tageszeitung und einem Abstecher in ein Maschinenbauunternehmen arbeitet Carsten Reuß seit 1993 für den MDR. Seitdem berichtet er regelmäßig aus dem Harz. Den erkundet er außer zu Fuß auch gern auf dem Motorrad, mit dem Fahrrad oder auf Skiern.

MDR/Carsten Reuß, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. November 2021 | 09:30 Uhr

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