Welttag des Fernsehens Der Brocken-Fernsehkabel-Experte aus Blankenburg

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Eines der weltweit ersten Fernsehkabel führte über den Brocken. Das hat einen Blankenburger zum Experten auf diesem Gebiet werden lassen. Am Welttag des Fernsehen erzählt er die Geschichte des "Brockenkabels".

Ein älterer Herr zeigt zwei Bücher hoch.
Ein Buch von Jürgen Bauch erzählt die Geschichte des Kabels, das von Berlin über den Brocken nach Frankfurt am Main bis zum großen Feldberg im Taunus führte. Bildrechte: Carsten Reuß

Der Brocken im Harz war der erste "Fernseh-Berg". Er war der erste Berggipfel, auf dem ein Fernsehsender stand. 52 Meter hoch war der "Fernsehturm", von dem nur noch der untere Teil erhalten ist und in dem sich das heutige Brockenhotel befindet. Zum Brocken führte eines der ersten Breitband-Fernkabel der Welt. Es ging von Berlin über den Brocken bis nach Frankfurt am Main und war von 1937 bis 1939 verlegt worden. Jürgen Bauch aus Blankenburg ist Spezialist für diese besonderen Kabel, die aufgrund ihrer Technik die Übertragung großer Datenmengen und damit auch die Übertragung von Fernsehsignalen und Ferngesprächen in Massen möglich machten.

Die Liebe zur Technik bleibt

Eigentlich ist er ja Reifenhändler im Ruhestand. Doch Jürgen Bauch hat einmal Elektronik studiert, und die Liebe zu dieser Technik blieb immer bestehen. Der Blankenburger hat eine ansehnliche Sammlung historischer Radioapparate zusammengetragen, und er hat zwei Bücher geschrieben über die Breitband-Fernkabel, die in den 1930er Jahren durch Deutschland verlegt wurden. Eines der Bücher handelt nur von dem Kabel, das von Berlin über den Brocken nach Frankfurt am Main bis zum großen Feldberg im Taunus führte. 400 Seiten hat es und 70 Bilder. Jürgen Bauch kann also durchaus als Spezialist für die ersten Breitband-Fernkabel gelten.

Ein halb aufgeschnittenes altes Fernkabel wird in Ausstellung präsentiert.
Detailaufnahme des fast 90 Jahre alten TV-Kabels. Bildrechte: Carsten Reuß

1930 war Manfred von Ardenne erstmals eine komplett elektronische Fernsehübertragung gelungen. 1931 führte er in Berlin öffentlich das elektronische Fernsehen vor. Ab 1935 wurde in Deutschland durch einen Fernsehsender in Berlin das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt ausgestrahlt. Zu der Zeit wurden auch die ersten Breitband-Fernkabel verlegt, die die Fernsehsignale zu den Sendern transportieren sollten. Diese Kabel dienten auch der Kommunikation. Durch die Entwicklung von Koaxialkabeln aus Kupfer konnten 200 Telefonate und ein Fernsehprogramm gleichzeitig übertragen werden. "Faszinierend" findet das Jürgen Bauch.

Geschichte Jürgen Bauch – Spezialist für die ersten Breitband-Fernkabel

Ab 1935 wurden die ersten Breitband-Fernkabel verlegt, die die Fernsehsignale zu den Sendern transportieren sollten. Diese Kabel dienten auch der Kommunikation. Jürgen Bauch findet diese Technik faszinierend.

Ein älterer Herr hält den Rest von einem dicken Kabel in seinen Händen.
Das Foto zeigt Jürgen Bauch mit einem Kabelstück in der Hand, das 2019 in der Elbe bei Breitenhagen gefunden wurde. Bildrechte: Carsten Reuß
Ein älterer Herr hält den Rest von einem dicken Kabel in seinen Händen.
Das Foto zeigt Jürgen Bauch mit einem Kabelstück in der Hand, das 2019 in der Elbe bei Breitenhagen gefunden wurde. Bildrechte: Carsten Reuß
Ein älterer Herr hält in einem Ausstellungsraum ein Kabelende in der Hand.
Ausstellung im Brockenhaus: Im Hintergrund das Original-Stück Brockenkabel, das bei Straßenbauarbeiten bei Braunlage gefunden wurde. Bildrechte: Carsten Reuß
Ein halb aufgeschnittenes altes Fernkabel wird in Ausstellung präsentiert.
Das erste TV-Kabel der Welt von 1934: So steht es zumindest auf einer Schautafel im Brockenmuseum. Bildrechte: Carsten Reuß
Reste eines alten Breitband-Fernkabels in einer Vitrine.
Durch die Entwicklung von Koaxialkabeln aus Kupfer konnten 200 Telefonate und ein Fernsehprogramm gleichzeitig übertragen werden. Bildrechte: Carsten Reuß
Ein älterer Herr zeigt zwei Bücher hoch.
Jürgen Bauch hat sich ausgiebig mit dem Thema der Fernkabel-Geschichte auseinander gesetzt. Bildrechte: Carsten Reuß
Ein älterer Herr sitzt an seinem Arbeitsplatz im heimischen Büro.
Auch heute ist sein Wissensdurst dazu ungebrochen. Bildrechte: Carsten Reuß
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Zwischenverstärker – Hauptverstärker

1937 begann die Planung des "Brockenkabels". Bereits 1939 war es verlegt. In einem Meter Tiefe verlief es durch den Harz hinauf zum Brockengipfel. Das Signal musste immer wieder verstärkt werden. Alle 17,5 Kilometer habe man einen Zwischenverstärker und alle 35 Kilometer einen Hauptverstärker gebraucht, sagt Jürgen Bauch. Ein solcher Hauptverstärker befand sich einst auch in Blankenburg. Und dieser ist sozusagen Schuld daran, dass Jürgen Bauch zum Kabel-Experte wurde.

Ein paar hundert Meter vor meinem Haus gab es ein Grundstück der Post. Dort gab es zu DDR-Zeiten ein Kinderkurheim. Ich fragte mich, was war dort vorher.

Jürgen Bauch

Jürgen Bauch erinnert sich. Dann erzählten ihm ältere Leute von einem Kabel, das dort mal gelegen habe. Von da an begann Jürgen Bauch zu recherchieren. Nicht nur die Technik fasziniere ihn, sagt er, sondern fast noch mehr die bauliche Umsetzung. Wie wurde das Kabel verlegt? Wo führte es entlang? Wo ist heute noch etwas vorhanden? Diese Fragen beschäftigen den 71-Jährigen. Seine jahrelangen Recherchen führten ihn in Archive und ließen Kontakte zu ehemaligen Mitarbeitern der Post entstehen. Und natürlich war er auch dabei, als 2019 bei Breitenhagen an der Elbe ein Teil eines solchen Fernkabels gefunden wurde. Ein präpariertes Stück davon steht auf seinem Schreibtisch.

Ausstellung im Brockenhaus

Auf dem Brocken ist ein Stück des Brockenkabels ausgestellt. Es wurde bei Straßenarbeiten gefunden. Ein Teil der Ausstellung des Nationalparks im Brockenhaus widmet sich der Geschichte der Nachrichtentechnik auf dem Berg. Von hier aus wurde abgehört und spioniert, aber es wurden und werden eben auch Rundfunk- und Fernsehprogramme gesendet.

Im Angesicht des ehemaligen Fernsehturms befällt Jürgen Bauch Ehrfurcht. Unglaublich, was damals schon technisch möglich gewesen sei. Eine Geschichte berichtet davon, dass sich 1939 hochrangige Postbeamte in Schierke eine Testsendung vom Brocken angeschaut hätten. Ein Trickfilm wäre damals gesendet worden. Leider habe er noch keine Beweise für diese Geschichte gefunden, so Bauch.

Krieg und Besatzung beenden Kabel-Geschichte auf dem Brocken

Das Brockenkabel hatte jedoch keine gute Zukunft. Zu den angestrebten Fernsehübertragungen kam es nicht mehr. Der Kriegsausbruch verhinderte die weitere Entwicklung. Nach 1945 ließ die sowjetische Besatzungsmacht das Kabel ausgraben. Die Verstärker wurden zerstört. Der in Blankenburg existiere noch, so Bauch, als Bunker unter der Erde. Allerdings verfüllt mit Asche und Schutt.  

Zum Welttag des Fernsehens hat er seine eigene Meinung. Der wurde 1996 von der UNO beschlossen, weil am 21.11.1996 das erste Weltfernsehforum stattfand. Er, so Jürgen Bauch, fände ein anderes Datum viel passender für einen solchen Tag: den 14. Dezember. An diesem Tag vor 91 Jahren, dem 14. Dezember 1930, nämlich gelang Manfred von Ardenne die erste elektronische Fernsehübertragung der Welt.

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Die letzten Meter noch – dann hat die Brockenbahn ihr Ziel erreicht. Der Bahnhof "Brocken" zählt zu den höchstgelegenen in Deutschland. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

MDR/Carsten Reuß, Susanne Ahrens

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 21. November 2021 | 11:10 Uhr

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