"Fridays for Future" Was einer der Aktivisten aus Magdeburg über die Streiks sagt

"Fridays for Future"-Proteste prägen seit Monaten freitags das Bild in vielen Städten. Was als Schüler-Demo begann, soll nun alle Altersklassen ansprechen. Gewerkschaften, Unternehmen und unzählige andere Organisationen haben ihre Unterstützung angekündigt. Zum geplanten Protest in Magdeburg hat MDR SACHSEN-ANHALT mit Martin Merten gesprochen. Er hat zusammen mit Freunden eine "Fridays for Future"-Unigruppe aufgebaut und ist am Planungsprozess des geplanten Klimastreiks am Freitag in Magdeburg beteiligt.

Mehrere dutzend Menschen demonstrieren unter blauen Brückenbögen mit einem großen Transparent für Klimaschutz
In Magdeburg gehören die "Fridays for Future"-Demonstrationen seit Monaten freitags zum Stadtbild. Bildrechte: Felix Bosdorf

MDR SACHSEN-ANHALT: Was ist am Freitag geplant?

Martin Merten: Es ist geplant, eine möglichst große Demo zu machen. Wir starten um 12 Uhr auf dem Domplatz. Die Domglocken werden läuten. Es wird ein paar Redebeiträge geben. Danach geht ein Demonstrationszug durch die Innenstadt: Erst zum Hasselbachplatz, dann zum Bahnhof, Alter Markt, Domplatz.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnet ihr?

Das ist sehr schwer abzuschätzen. Wir rechnen damit, dass es die größte "Fridays for Future"-Bewegung wird, die wir bisher in Magdeburg hatten. Wir haben so viel Mobilisierung betrieben, wie bisher noch nie, und es ist schwer abzuschätzen, wie viele dann wirklich kommen. Ich denke, es werden mindestens 2.000 Menschen sein.

"Fridays for Future" hat diesmal auch gezielt Arbeitnehmer und Gewerkschaften angesprochen, sich am Streik zu beteiligen. Wie ist das zustande gekommen?

Generell ist das eine sehr gut Idee, die einzubeziehen. Die Idee kam sogar auch bundesweit und zuletzt sogar weltweit, alle Generationen einzubeziehen. Denn für den Klimaschutz brauchen wir alle Generationen. Außerdem sind nicht nur die Schüler und Studenten von den Folgen des Klimawandels betroffen, sondern auch Menschen, die heute 30 oder 40 sind. Um die gewaltigen Veränderungen durchzusetzen, die wir in den nächsten zehn Jahren schaffen müssen, brauchen wir auch schlicht und einfach möglichst viele Menschen, und nicht nur Schülerinnen, Schüler und Studierende. Und deshalb wenden wir uns bewusst an alle Menschen, die kommen können und wollen.

Wie gelingt der Einbezug der Arbeitnehmer?

Ein junger Mann mit langen Haaren und einem grünen Pullover
Martin Merten macht sich für Klimaschutz stark. Bildrechte: Susanne Eichner

Wir sind in Kontakt mit Gewerkschaften, auch Verdi und GEW. Die rufen nicht zum Streik auf, ermutigen aber Menschen, teilzunehmen, indem sie sich eine Pause nehmen, ausstempeln, usw. Wir hoffen, dass diesem Aufruf möglichst viele Leute folgen.

Es gibt eine relativ große Menge zivilgesellschaftlicher Akteure, die uns unterstützen. Die evangelische Kirche zum Beispiel macht mobil, zur Demo zu gehen. Die GEW hat auch Lehrer zum Beispiel aufgerufen, dass sie sich dafür stark machen, mit ihren Schulklassen dahin gehen zu können, und setzt sich dafür ein, dass sie hinterher nicht dafür bestraft werden. Umweltschutzverbände wie zum Beispiel der BUND, Greenpeace und Nichtregierungsorganisationen, wie Amnesty international, sind auch beteiligt und unterstützen uns. Auch die Universitäten und "Scientists For Future" unterstützen uns.

Der Klimastreik findet weltweit statt, aber nicht überall zur selben Uhrzeit: Was steckt dahinter?

Der Tag war vorgegeben, aber mehr Koordination fand nicht statt. Allein dadurch, dass das weltweit stattfindet, und überall verschiedene Zeitzonen existieren, haben wir entschieden, es den Gruppen in den Städten zu überlassen, wann es am besten passt.

Mit welchen Forderungen geht es am Freitag auf die Straße?

Die wichtigsten Forderungen bundesweit sind, dass es überall zu einer möglichst sozial gerechten CO2-Bepreisung kommt, in Form einer CO2-Steuer. Dann, dass die massiven Subventionen für fossile Energieträger gestrichen werden, und dass der Kohleausstieg schneller als bis 2038 geschieht, spätestens bis 2030. Aber auch schon bis Ende dieses Jahres sollen die ersten Kohlekraftwerke vom Netz gehen.

Wie schätzt ihr die Wirkung in Magdeburg ein: Passiert da auch was?

Ein bisschen was scheint zu passieren. Zumindest werden wir wahrgenommen und bekommen tendenziell ziemlich positives Feedback. Ich glaube, es denken immer mehr Privatpersonen darüber nach, wie sie ihren Lebenswandel ändern können.

Hier in Magdeburg wird derzeit darüber beraten, ob ein Klimanotstand ausgerufen werden soll. Vielleicht kommt das durch den Stadtrat. Ansonsten passiert das natürlich nicht von heute auf morgen und die meisten Sachen müssen natürlich auf Bundesebene passieren.

Die Fragen stellte Leonard Schubert.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. September 2019 | 12:00 Uhr

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