Weg für Gigafabrik frei "Magdeburg is well prepared": Trümper wirbt für Ansiedlung von Giga-Fabrik

Ein Mann schaut in die Kamera
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Magdeburg träumt seit Jahren davon, endlich einen großen internationalen Investor in die Landeshauptstadt zu holen. Der Stadtrat hat am Dienstagabend den Weg für ein neues Industriegebiet im Südwesten an der Grenze zur Börde freigemacht – mit einer Größe von mehr als 500 Fußballfeldern. Dabei ist noch gar nicht klar, ob es überhaupt einen Investor gibt. Intel hat sich noch nicht festgelegt.

Auf einem Ortseingangsschild steht -Magdeburg Landeshauptstadt-, daneben fahren Autos und ein Lkw auf einer Straße.
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Ein Elefant sitzt im Stadtrat von Magdeburg. Und er spricht Englisch. Am Dienstagabend geht es im Magdeburger Stadtrat eigentlich "nur" um eine Ackerfläche im Südwesten der Landeshauptstadt, an der Grenze zur Börde bei Ottersleben. Aus der landwirtschaftlichen Fläche soll ein Gewerbegebiet werden – 380 Hektar und damit mehr als 500 Fußballfelder groß. Niemand spricht den Namen aus, aber alle wissen: Die Fläche ist notwendig, damit sich Chip-Hersteller Intel bei Magdeburg ansiedelt. Und so wechselt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) zwischendurch ins Englische: "Magdeburg is well prepared. Eulenberg wait for you."

Magdeburg wirbt seit Jahren um große Unternehmen

Seit Jahren versucht die Landeshauptstadt, deren große Industriegebiete nach der Wende mehr und mehr zu leeren Hüllen verfielen, wieder Investoren an die Elbe zu locken. Schon vor 20 Jahren gab es im Stadtrat erste Überlegungen, Industrie im Süden der Stadt anzusiedeln. 2001 gab es bereits erste Beschlüsse dazu, die aber aufgehoben wurden, als der potenzielle Investor es sich anders überlegte. Seitdem geistern immer wieder unterschiedliche Namen durch die Öffentlichkeit.

Als E-Autohersteller Tesla Probleme mit seiner neuen Gigafabrik bei Berlin hatte, schrieb die Ottostadt auf Twitter Tesla-Chef Elon Musk direkt an: "Warum nicht 160 Kilometer nach Westen gucken? Wir heißen Sie, Ihr Team und die Gigafactory am Eulenberg willkommen." Elon Musk hat nie geantwortet, und auch Volkswagen gab Magdeburg nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT kürzlich einen Korb für den Bau einer riesigen Batteriefabrik.

Schild "Sitzung - bitte nicht stören" an Tür zu Sitzungssaal
Im Stadtrat von Magdeburg ging es am Dienstagabend um die mögliche Ansiedlung eines Industrie-Riesen. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Sören Thümler

Intel: "Wir bauen faktisch eine kleine Stadt"

Dabei ist die Lage des neuen Industriegebiets durchaus strategisch günstig: direkt an der A14 gelegen, mit Verbindung zur A2, zwischen Wolfsburg und Berlin. Chiphersteller sind in der Industrie derzeit gefragt, immer wieder gibt es derzeit Berichte über Lieferengpässe und Produktionsstopps. Große Produzenten wie Intel oder TSMC aus Taiwan sondieren aktuell den Markt und haben schon Gespräche mit der Bundesregierung geführt, auch, um die Transportwege kurz zu halten.

Magdeburg zielt auf höhere Steuern und Arbeitsplätze

Intel führt nach eigenen Angaben derzeit mit mehreren Staaten in Europa Gespräche. "Gegenwärtig laufen die Verhandlungen noch und sind vertraulich", teilte eine Intel-Sprecherin vor wenigen Tagen mit. Insgesamt will Intel acht neue Fabriken bauen, jede einzelne soll etwa zehn Milliarden Euro kosten.

Für Magdeburg würde das hohe Steuereinnahmen bedeuten – und Arbeitsplätze. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach Intel-Chef Pat Gelsinger im September von rund 12.000 Arbeitsplätzen. "Auf jeden dieser Mitarbeiter kommen dann zwischen fünf und zehn Arbeitsplätze bei Zulieferern, Dienstleistern etc. hinzu. Wir bauen faktisch eine kleine Stadt, in der andere Unternehmen genauso eingebunden sind wie Universitäten und Forschungsinstitute."

Erste Gespräche nur mit Codenamen

"Wir sind in einer Situation, in der wir in Magdeburg noch nie waren", sagte Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper im Stadtrat. Seit Mitte April gibt es demnach konkretere Gespräche in der Stadtverwaltung. "Im kleinen Kreis", wie Trümper betonte, sei nur mit einem Codenamen darüber gesprochen worden. "Der Erfolg, wenn wir den haben, wird so gigantisch sein, dass alles irgendwann kompensiert wird."

Denn die Umwidmung der Ackerflächen in ein Industriegebiet am Eulenberg ist nur der erste Schritt. Jetzt gehe es ums Geld, sagte Trümper. Es geht auch um staatliche Subventionen. "Wir werden da bis an die Grenzen gehen, was man vertreten und machen kann", so Trümper.

Magdeburg ist nicht die einzige Stadt, die im Rennen ist. Auch Dresden, wo rund 60.000 Menschen schon in der Branche arbeiten, und das bayerische Landsberg rechnen sich noch Chancen aus. Mit der aktuellen Entscheidung hat Magdeburg zumindest die Grundlage gelegt, um weiter im Rennen zu bleiben.

MDR (Simon Kremer, Luca Deutschländer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

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