Neustart trotz Corona Lehramtsstudent aus Magdeburg arbeitet nun im Krankenhaus

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
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Seit fast zwei Jahren verändert Corona unser aller Leben – oft nicht zum Guten. Doch manchen Menschen haben die Umstände der Pandemie dabei geholfen, ihre berufliche Erfüllung zu finden. Einer von ihnen ist Jonas Heinemann aus Magdeburg. Der Lehramtsstudent arbeitet seit Anfang des Jahres als Pandemiehelfer im Klinikum Magdeburg. Das ist seine Geschichte.

Ein junger Mann vor einer Wand
Jonas Heinemann arbeitet seit neun Monaten als Pandemiehelfer im Klinikum Magdeburg. Bildrechte: Jonas Heinemann/Max Schörm

Wohin bloß mit der vielen Freizeit? Viele Menschen stellen sich diese Frage, als Deutschland Anfang 2021 wieder mal im Lockdown steckt. Doch während sich die meisten damals zu kaum mehr als Serien-Marathons und ungelenken Sportübungen im Wohnzimmer aufraffen können, ist für Jonas Heinemann aus Magdeburg sofort klar: Er will etwas Sinnvolles machen. Eigentlich studiert der 21-Jährige Technik und Sport auf Lehramt an der Universität in Magdeburg, nebenbei trainiert er eine Jugendmannschaft beim 1. FCM.

Uni-Veranstaltungen finden zu dieser Zeit wegen der Corona-Beschränkungen aber wenn überhaupt nur digital statt – und auch das Fußballtraining fällt aus. "Ich hatte den ganzen Tag nichts zu tun und habe mich gefragt, wem ich in dieser Lage helfen könnte", sagt Heinemann. Im Internet wird er schnell fündig: Auf der Website des Klinikums Magdeburg entdeckt er eine Ausschreibung für freiwillige Pandemiehelfer.

Das Klinikum Magdeburg im Stadtteil Olvenstedt in Magdeburg 1 min
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Vom Homeoffice in die Notaufnahme

Obwohl er keine medizinischen Vorkenntnisse hat, schreibt er eine Bewerbung – und wird genommen. Sein neuer Arbeitsplatz ist nun die Notaufnahme im Klinikum Magdeburg. Nichts für Zartbesaitete. Seine Aufgabe ist es, bei Neuankömmlingen Corona-Tests durchzuführen und die Krankenschwestern und -pfleger zu unterstützen.

An den ersten Tag im Krankenhaus kann sich Heinemann gut erinnern. Es ist Mitte März, in Deutschland türmt sich gerade die dritte Corona-Welle auf, und der Lehramtsstudent ist plötzlich mittendrin in den Bildern, die er bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. "Ich habe in der Notaufnahme sofort gesehen, wie krass diese Pandemie eigentlich ist", sagt Heinemann. "Nach meinem ersten Tag brauchte ich zuhause drei, vier Stunden, um runterzukommen. Es waren so viele Eindrücke auf einmal."

Realität statt Verharmlosung

Etwa zwei Tage pro Woche arbeitet Heinemann in der Notaufnahme, meistens am Wochenende, wenn die Personalsituation noch dünner ist als ohnehin schon. Mittlerweile hat er bei Hunderten Patientinnen und Patienten einen Abstrich aus Nase oder Rachen für einen Corona-Test genommen und dabei unzählige Geschichten gehört und erlebt.

Eine ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: "Eine Patientin, vielleicht Mitte 50, die nach einer überstandenen Corona-Infektion ins Krankenhaus kam, erzählte, dass sie topfit war, bevor sie an Covid-19 erkrankte", sagt Heinemann. "Danach konnte sie keine fünf Meter mehr laufen. Das Bild, wie sie auf der Trage gelegen und traurig geguckt hat, hat sich bei mir eingebrannt – gerade wenn man sieht und hört, wie viele Menschen diese Krankheit verharmlosen."

Der Job in der Klinik sei für ihn ein echter Augenöffner, sagt Heinemann. Er wisse jetzt zu schätzen, wie gut es gesunden Menschen gehe. Vor diesem Hintergrund stellt er eine beinahe philosophische Frage in den Raum: "Warum regen wir uns so oft über unbedeutende Kleinigkeiten auf?"

Grübeln über den richtigen Beruf

Gerade erst ist Heinemanns Vertrag vom Klinikum bis Ende 2022 verlängert worden, mindestens so lange will er den Job noch machen. Es mache ihm Spaß, Tag für Tag Menschen zu helfen, und auch charakterlich bringe ihn die Arbeit im Krankenhaus weiter, sagt Heinemann.

Zwar haben parallel längst die Vorlesungen und Seminare seines Lehramtsstudiums wieder begonnen. Doch Heinemann ist sich nicht mehr sicher, ob er tatsächlich eines Tages als Lehrer arbeiten wird: "Ich denke inzwischen oft darüber nach, ob ich nicht hauptberuflich etwas im medizinischen Bereich machen möchte."

MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Lucas Riemer
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Über den Autor Lucas Riemer arbeitet seit Juni 2021 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Der gebürtige Wittenberger hat Medien- und Kommunikationswissenschaft in Ilmenau sowie Journalismus in Mainz studiert und anschließend mehrere Jahre als Redakteur in Hamburg gearbeitet, unter anderem für das Magazin GEOlino.

Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er vor allem über kleine und große Geschichten aus den Regionen des Landes.

MDR (Lucas Riemer)

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