Magdeburgs scheidendes Stadtoberhaupt Reporter-Bilanz: 20 Jahre mit Oberbürgermeister Trümper in Magdeburg

In Magdeburg wird im April ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Lutz Trümper hört nach 20 Jahren auf. MDR-Reporter Sören Thümler hat ihn seit 2001 begleitet und zieht hier seine ganz persönliche Bilanz. Auffällig für ihn: So richtig emotional wurde Trümper in all den Jahren nur ein einziges Mal.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) spricht während des Richtfests auf der Baustelle der Hyparschale im Stadtpark Rotehorn.
Reporter Sören Thümler hat Lutz Trümper (Foto) zwei Jahrzehnte lang begleitet. Große Emotionen sah er von ihm erst in den letzten Jahren. Bildrechte: dpa

Eine Sache hat mich in all den Jahren wohl unbewusst bewegt: Die große Herausforderung, bei Lutz Trümper ein paar Emotionen, die über leichten Ärger und sehr kontrollierte Freude hinausgehen, zu erleben und diese auch im Ton festzuhalten. Zugegeben, ich bin viele Jahre gescheitert.

Nachfolger von Nachwende-OB Willi Polte

Magdeburg hatte seit 1990 nur zwei Oberbürgermeister. Nach Willi Polte, der seit 1990 im Amt war, folgte 2001 Lutz Trümper. Beide gehören der SPD an. Schon 2001 gab es den Spruch mit den großen "Fußspuren", die der Vorgänger mit Demokratisierung des Rates und der Verwaltung oder auch der Bundesgartenschau 1999 hinterlassen hatte. Die Magdeburgerinnen und Magdeburger mochten ihren "Feten-Willi".

Oberbürgermeister Lutz Trümper empfängt die Mannschaft des FC Magdeburg zur Eintragung ins goldene Buch Magdeburgs.
Lutz Trümper 2018 bei der Feier des 1. FC Magdeburg zum Aufstieg in die 2. Fussball-Bundesliga Bildrechte: IMAGO

Eines war klar: der Nachfolger würde es schwer haben. Und der wurde dann am 1. Juli 2001 Lutz Trümper. Ein Grund war sicher auch die Wahlkampfhilfe vom Vorgänger. So richtig bekannt war Trümper damals nur Insidern. Seit 1994 war er im Stadtrat und seit 2000 Staatssekretär im Umweltministerium. Etwas mehr Strahlkraft hatten da sicher die Monate als Präsident des 1. FC Magdeburg. In diese Zeit, rund um die Spendenaktion der Fans zur Rettung des finanzschwachen Clubs, fällt auch mein erster Kontakt mit Trümper.

Dem ersten Wahlsieg folgten zwei weitere

Brauchte Lutz Trümper 2001 gegen Hans-Werner Brüning von der damaligen PDS noch den zweiten Wahlgang, wurde er 2008 mit 64 Prozent und 2015 sogar mit knapp 70 Prozent jeweils schon im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Magdeburg blieb also eine SPD-Stadt oder vielleicht doch die Trümper-Stadt? Bei diesen Wahlerfolgen muss er dann doch die Menschen überzeugt haben. Die Anfangsjahre seiner Amtszeit verliefen medial eher unspektakulär. Trümper zeigte sich auch im Rathaus als einer, der Verwaltung kann.

Regenbogenflagge – Nicht mit Trümper

Große Kritik an seiner Amtsführung gab es immer wieder durch seine Haltung, nicht die Schirmherrschaft des CSD, des Christopher-Street-Days, zu übernehmen. Vom Portal "queer.de" bekam er 2011 dafür die Auszeichnung "Homogurke". Höhepunkt der Auseinandersetzung war dann das Jahr 2014. Damals warf er dem schwul-lesbischen Straßenfest sogar vor, vor dem Rathaus einen "Saustall" hinterlassen zu haben. Dafür entschuldigte er sich später in einem direkten Gespräch.

Das war dann auch der Beginn des politischen "Tauwetters". Homosexuellenfeindlichkeit wies Trümper aber mehrmals zurück. Heute ist er Schirmherr beim CSD und auch die Regenbogenflagge weht jährlich vor dem Magdeburger Rathaus.

Bauarbeiten werden Stadtbild für immer verändern

Lutz Trümper wird auch als der Magdeburger Oberbürgermeister in die Geschichte eingehen, der sich gefühlt fast monatlich zu Kostenexplosionen bei Baustellen und Bauzeitverlängerungen inklusive einhergehendem Staustress äußern musste.

Thomas Webel (CDU, l-r), Verkehrsminister in Sachsen-Anhalt, Lutz Trümper (SPD), Oberbürgermeister der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg, und Jörg Laue als Vertreter von Hoch Tief machen den ersten Spatenstich für die Baumaßnahme „Ersatzneubau Strombrückenzug“ über die Elbe
Lutz Trümper (Mitte) im Februar 2020 beim Spatenstich für den Ersatzneubau am Strombrückenzug. Bildrechte: dpa

Beispiele sind da die Eisenbahnunterführung, die Streckenerweiterung der Verkehrsbetriebe und jetzt aktuell der gigantische Ersatzneubau am Strombrückenzug. Auch das machte er gewohnt pragmatisch – auch in dem Wissen, dass es ja nur sehr bedingt seine Verantwortung ist. "Jetzt ist natürlich erst mal Meckern angesagt, aber wenn ich mal nicht mehr im Amt bin, werden sich Magdeburger und Gäste über das Erreichte freuen", war oft sein Grundsatz.

Morddrohungen und Parteiaustritt

Im Jahr 2015 zeigte sich einmal mehr, dass Lutz Trümper eine politische Ausrichtung nur ganz schwer zuzuschreiben war. In der Debatte um die Flüchtlingspolitik trat er aus der SPD aus. Er hatte Obergrenzen beim Zuzug gefordert. Das widersprach der damaligen SPD-Linie im Landtagswahlkampf.

Oberbürgermeister Lutz Trümper war 2020 Schirmherr für "Eine Stadt für alle" in Magdeburg.
Lutz Trümper 2020 bei der Aktionswoche "Eine Stadt für alle". Bildrechte: Eine Stadt für alle/Wenzel Oschington

Viele meinten, dass er damit in der CDU oder noch weiter rechts besser aufgehoben wäre. Und das, obwohl er zu Beginn des Jahres 2015 sogar Morddrohungen von Neonazis bekommen hatte. Trümper hatte sich seit Jahren gegen Neonazi-Aufmärsche engagiert. Er war Schirmherr der Meile der Demokratie und ist es bis heute für die Aktionswoche "Eine Stadt für Alle". Trotz des nötigen Personenschutzes war er aktiv im Wahlkampf und hat sich damals nicht einschüchtern lassen. Bis heute.

Trümper spricht von eigenen Fehlern

In einer persönlichen Erklärung im Jahr 2020 sagte Trümper, er habe zwei Fehler gemacht. Diese seien sein Wiedereintritt in die SPD 2017 und seine Aussage von 2018 gewesen, er wolle 2022 noch einmal antreten. "Das war nie ein Thema" meinte Trümper. Er wollte nur eine dreijährige "Abschiedstour" vermeiden. Bei seiner persönlichen Erklärung im Stadtrat, in der er seinen vorzeitigen Abschied verkündete, war viel von Enttäuschung die Rede. Trümper mahnte hier einen respektvolleren Umgang untereinander an.

Der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper
2020 bitten Trümper-Fans den Oberbürgermeister auf fünf LED-Wänden zu bleiben. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Zur Wahrheit gehört auch, dass der Stadtrat nach den letzten Kommunalwahlen andere Mehrheiten hat. Die Zeiten, in denen die ehemals größten Fraktionen Projekte und auch Posten nach internen Abstimmungen durchbrachten, scheinen vorbei. Jetzt sind da junge Abgeordnete, die lautstark neue Themen wie Umweltschutz, autofreie Innenstadt, mehr Radverkehr und anderes fordern. In einer Art, die Trümper nicht immer gefiel.

Wo sind denn nun die emotionalen Momente?

In all den Jahren wirkte Lutz Trümper auf mich immer kontrolliert und zutiefst pragmatisch. Selbst in meinen jährlichen Jahresend-Interviews habe ich so oft versucht, ihm eine persönliche oder herzliche Aussage zu entlocken. Oft vergeblich. Er blieb auch hier kühl und zurückhaltend. Aber dann kam Magdeburgs Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Diese bot dann doch die komplette Bandbreite an Emotionen. Endlich!

So habe ich ihn zuvor nie lachen gesehen.

Reporter Sören Thümler über OB Trümper
Lutz Trümper (SPD, l-r), Oberbürgermeister von Magdeburg, der Kulturbeigeordnete Matthias Puhle und Tamas Szalay, Büroleiter des MD2025-Teams, präsentieren in Magdeburg ein Bewerbungsbuch mit der Vision und den Themen für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025
Lutz Trümper (links) präsentiert das Bewerbungsbuch mit der Vision und den Themen für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025. Bildrechte: dpa

Lutz Trümper war unglaublich engagiert bei der Präsentation des ersten Bewerbungsbuches Magdeburgs in Berlin. Und als Magdeburg dann dort als erste Stadt genannt wurde, die eine Runde weiter war, explodierte auch der Oberbürgermeister. So habe ich ihn zuvor nie lachen gesehen. Auch die Interviews danach vor Ort waren voll von Stolz auf die Stadt und auch voll Energie für das Kommende.

Emotionales Finale

Leider gehört dazu dann auch die ganze Traurigkeit, als Magdeburg im Finale an Chemnitz scheiterte. Magdeburg versprühte in diesem Bewerbungsprozess einen tollen Geist. Nie zuvor hatten wohl Verwaltung, Kultur, dann letztendlich auch die freie Szene und auch Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen Magdeburgs so gut und kreativ zusammengearbeitet. Das spürte man auch bei Lutz Trümper.

Und dann kam seine letzter Neujahrsempfang mit einer Rede, die so persönlich und emotional war, wie in den 20 Jahren zuvor nicht. Langsam wird ihm klar, dass im Sommer eine für Magdeburg und ihn so prägende Zeit endgültig beendet ist. Ich bin im Frühsommer übrigens zum Interview zu einem Fazit seiner 21 Amtsjahre verabredet. Und ich bin gespannt, wie viele Emotionen dann im Spiel sind.

MDR (Sören Thümler, Luise Kotulla)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 20. Februar 2022 | 12:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/cb06c82a-10e6-4f41-b1ac-d46ef21ce50a was not found on this server.

Mehr aus Magdeburg, Börde, Salzland und Harz

Eine Frau als Statue an einem Flussufer, die golden glänzt.  1 min
Unbekannte "vergolden" Bronzestatue am Magdeburger Elbufer Bildrechte: Matthias Strauss
Der Neustädter See aus der Vogelperspektive 1 min
Alarmstufe 2: Neustädter See in Magdeburg mit Blaualgen verunreinigt Bildrechte: Matthias Strauss
1 min 09.08.2022 | 12:42 Uhr

Die Stadt Magdeburg warnt Badegäste am Neustädter See vor Blaualgen. Die Bakterien können beim Verschlucken des Wassers zu Kopfschmerzen oder Entzündungen führen.

Di 09.08.2022 12:15Uhr 00:42 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/video-blaualgen-neustaedter-see-magdeburg-100.html

Rechte: Matthias Strauss

Video

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Rettungskräfte der Feuerwehr füllen einen Zusammenklappbaren Wassertank mit Wasser als sie einen größeren Waldbrand in Schierke bekämpfen
Um den Brand unter Kontrolle zu bringen, halfen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und Forsten, Landwirte und auch der Tankzug der Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: dpa