Vor der OB-Wahl Elf Fakten über Magdeburgs Stadtviertel, die Sie überraschen werden

Junge Frau mit Brille und dunkelbraunen Haaren blickt in die Kamera.
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Kurz vor der Oberbürgermeister-Wahl in Magdeburg wirft MDR SACHSEN-ANHALT einen detaillierten Blick auf alle 40 Stadtteile der Landeshauptstadt. Wo leben die meisten Singles, wo werden die meisten Straftaten registriert und wo war die Wahlbeteiligung bei der letzten OB-Wahl am höchsten?

Der Magdeburger Dom 'St. Katharina und St. Mauritius'
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Alt, grau, Plattenbau: Magdeburgs Ruf aus den 1990er Jahren haftet der Stadt teilweise auch heute noch an. Dabei ist die Stadt an der Elbe deutlich facettenreicher, als es sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Maßgeblichen Anteil daran haben natürlich auch die knapp 240.000 Menschen, die in Magdeburg leben und jeden einzelnen der 40 Stadtteile unterschiedlich prägen.

Konkret sichtbar werden die Unterschiede – und auch die Gemeinsamkeiten – der einzelnen Stadtviertel, wenn man die vielen Zahlen vergleicht, die das "Amt für Statistik, Wahlen und Digitalisierung" der Landeshauptstadt veröffentlicht. Ob frisch zugezogen oder originales Magdeburger Kind: Bei den folgenden elf Fakten sind bestimmt einige dabei, die Sie bislang noch nicht kannten.

In welchem Stadtteil Magdeburgs...

...leben die im Durchschnitt jüngsten Einwohnerinnen und Einwohner?

Wer regelmäßig in Magdeburg unterwegs ist, könnte den Eindruck bekommen, dass vor allem in Buckau und Stadtfeld-Ost viele junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern leben. Tatsächlich ist die Bevölkerung in diesen Vierteln statistisch betrachtet auch deutlich jünger als der städtische Durchschnitt. Der jüngste Stadtteil allerdings ist ein anderer: die Alte Neustadt in unmittelbarer Nähe der Otto-von-Guericke-Universität.

Über die Daten Für diese und alle folgenden Betrachtungen wurden alle Stadtteile berücksichtigt, in denen laut Stadt mindestens 500 Menschen ihren Wohnsitz haben. Nicht dabei sind deshalb die acht Stadtteile Barleber See, Beyendorfer Grund, Gewerbegebiet Nord, Großer Silberberg, Industriehafen, Kreuzhorst, Sülzegrund und Zipkeleben.

Der älteste Stadtteil ist Reform. Dort sind die Menschen im Durchschnitt fast 13 Jahre älter als in der Alten Neustadt. Bis zum Jahr 2035 soll sich laut Prognose des Statistischen Landesamts an der Altersstruktur in Magdeburg übrigens kaum etwas ändern.

...gibt es am meisten Platz, um zu wohnen?

Mit knapp 50 Quadratmetern pro Person gibt es in Beyendorf-Sohlen die meiste Wohnfläche je Einwohnerin und Einwohner. Umgerechnet bedeutet das beispielsweise, dass dort im Schnitt zwei Menschen in einer etwa 100 Quadratmeter großen Wohnung leben. Auf wesentlich weniger Raum leben die Menschen in der Alten Neustadt, dort stehen pro Person durchschnittlich knapp 36 Quadratmeter zur Verfügung.

...liegt der Anteil der Arbeitssuchenden am niedrigsten?

Zum Jahresende 2020 waren in Magdeburg 7,7 Prozent aller Erwerbsfähigen im Alter von 15 bis 65 Jahren arbeitslos gemeldet. Die niedrigste Arbeitslosenquote wurde dabei im Stadtteil Prester (1,6 Prozent) registriert, dicht gefolgt vom ebenfalls ostelbischen Viertel Berliner Chaussee.

Überdurchschnittlich hoch dagegen waren die Werte vor allem in Kannenstieg, in Fermersleben und in Neu Olvenstedt.

...sind die meisten Kraftfahrzeuge pro Einwohnerin und Einwohner zugelassen?

Während man in der Innenstadt viele Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann, ist das in Magdeburg abseits des Zentrums nicht immer so einfach. Das zeigt sich auch an der Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge, vor allem Pkw und Motorrad. Auf 100 Menschen gerechnet sind in Pechau rund 87 Fahrzeuge zugelassen. Statistisch betrachtet verfügt also fast jede Einwohnerin und jeder Einwohner über ein Auto oder Motorrad.

In ganz Magdeburg liegt die Quote bei etwa 54 Kraftfahrzeugen je 100 Personen. Die niedrigste Kfz-Quote wurde im Stadtteil Neustädter See registriert. Dort kommen auf 100 Frauen und Männer nur rund 37 Fahrzeuge.

...ist der Anteil der Verheirateten unter den Einwohnern am größten?

Pechau ist nicht nur der Stadtteil mit der höchsten Kfz-Quote, auch der Anteil der Verheirateten (inkl. Lebenspartnerschaft) ist mit rund 58 Prozent so hoch wie in keinem anderen Stadtviertel. Dagegen sind in der studentisch geprägten Alten Neustadt nur etwas mehr als ein Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner verheiratet.

Auch wenn der Stadtteil Sülzegrund im Norden nahe der A2 mit seinen lediglich acht Bewohnerinnen und Bewohnern (Stand: 31.12.2020) deutlich zu klein für statistische Auswertungen ist, sei er an dieser Stelle doch kurz erwähnt. Denn von den acht Personen sind ausnahmslos alle verheiratet.

...gibt es die meisten Single-Haushalte?

Mit "Single" ist in der Statistik der Stadt Magdeburg nicht der Beziehungsstatus gemeint, sondern "Personen, die allein wohnen und wirtschaften". Anteilig an allen Haushalten liegt in der Altstadt der Anteil der Einpersonenhaushalte mit 65 Prozent am höchsten. In ganz Magdeburg besteht etwa jeder zweite Haushalt (53 Prozent) nur aus einer Person, in Prester ist der Anteil mit 25 Prozent am niedrigsten.

...liegt die Einwohner-Dichte am höchsten?

Bezogen auf die Größe des Stadtteils ist die Einwohner-Dichte, also die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner je Quadratkilometer (EW/km²), in Stadtfeld Ost mit Abstand am größten. Auf einem Quadratkilometer leben hier umgerechnet rund 7.700 Menschen.

Sonderlich verwunderlich ist das nicht. Stadtfeld Ost ist mit rund 25.000 Menschen der bevölkerungsreichste Stadtteil, mit rund 3,3 Quadratkilometern Größe jedoch nur auf Platz 28 von 40 aller Stadtviertel. Rein von der Fläche liegt Ottersleben mit rund 16,5 km² ganz vorn, der Kannenstieg hingegen ist mit nur rund 1,1 km² der kleinste aller Stadtteile.

...sind die meisten Kindertages-Einrichtungen angesiedelt?

Ende 2020 zählte die Landeshauptstadt insgesamt 226 Kindertages-Einrichtungen. Dazu gehören neben Kinderkrippen und Kindergärten auch Tagesmütter und -väter sowie Horte. Davon sind 35 – die meisten innerhalb eines Viertels – in Stadtfeld Ost zu finden. Angesichts der Bevölkerungszahl und des jungen Altersdurchschnitts ist das wenig überraschend.

...leben deutlich mehr Frauen als Männer?

Betrachtet man ganz Magdeburg, so ist das Verhältnis von weiblicher und männlicher Bevölkerung nahezu ausgeglichen. Innerhalb der Stadtteile variiert das Geschlechterverhältnis allerdings. Während der Frauenanteil im Herrenkrug nur bei knapp 45 Prozent liegt, stellen die Frauen in Reform mit fast 54 Prozent die klare Mehrheit.

Eine mögliche Erklärung: In Reform leben verhältnismäßig viele alte Menschen. Und blickt man auf die Bevölkerungs-Pyramide der Stadt, so wird deutlich, dass beginnend mit einem Alter von etwa 60 der Frauenanteil in der Bevölkerung aufgrund der höheren Lebenserwartung immer weiter steigt. Das könnte den hohen Frauenanteil in Reform erklären.

...gab es 2020 die meisten Straftaten und Unfälle?

Die meisten der von der Polizei registrierten Straftaten hatten als Tatort die Altstadt. Rund 18 Prozent aller Straftaten werden dort begangen. Das häufigste Delikt in Magdeburg ist Diebstahl. Und auch beim Unfall-Geschehen ist die Altstadt der Spitzenreiter aller Stadtviertel. Etwa jeder achte Unfall wird im Zentrum der Landeshauptstadt registriert.

...war die Wahlbeteiligung bei der letzten OB-Wahl im Jahr 2015 am höchsten?

Am 24. April wählt Magdeburgs Bevölkerung aus neun Bewerberinnen und Bewerbern ein neues Stadtoberhaupt. Bei der letzten Wahl im Jahr 2015 machte nur etwa jede dritte, zur Wahl berechtigte Person von diesem Recht Gebrauch. Auf Stadtteil-Ebene lag die Wahlbeteiligung in Pechau mit mehr als 56 Prozent am höchsten. In Fermersleben ging nur etwa jeder und jede Vierte zur Wahl.

Der bisherige Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) tritt nicht mehr zur Wahl an. 2015 entfielen 69 Prozent aller gültigen Stimmen auf ihn. "Trümper-Hochburg" war damals Randau-Calenberge, wo fast 84 Prozent für ihn stimmten. Eigentlich wollte er schon 2021 sein Amt niederlegen und in den Ruhestand treten. Als Gründe nannte er damals die Enttäuschung darüber, wie sich die Zusammenarbeit im Rathaus entwickelt habe. Außerdem wolle er mehr Zeit für die Familie haben.

Großer Zuspruch in der Bevölkerung und die Corona-Pandemie-Bewältigung waren laut Trümper dann aber ausschlaggebend dafür, dass er noch ein Jahr länger bis zum regulären Ende seiner Amtszeit der Oberbürgermeister bleibt. Alle Informationen zur anstehenden Wahl in Magdeburg finden Sie hier:

Mehr zum Thema: Magdeburg

MDR (Elisabeth Winkler, Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. April 2022 | 09:30 Uhr

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