Marode Küche Magdeburger Uniklinikum will Millionen mit Essen aus Halle sparen

Thomas Vorreyer
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Wegen "katastrophaler Zustände" sollte die Küche des Uniklinikums Magdeburg neu gebaut werden. Nun soll eine andere Lösung umgesetzt werden: Das Essen für die Patienten kommt zukünftig vom Uniklinikum Halle. Letzteres kämpft derweil mit einer Abriss-Panne bei seinem millionenschweren Umbau.

Bröckelnder Putz, morsche Belüftungsanlagen, veraltete Technik: Die Küche des Magdeburger Uniklinikums ist seit Jahren in miserabler baulicher Verfassung. Der "katastrophale Zustand" lasse "keine andere Möglichkeit" als einen Neubau zu, urteilten Gutachter schon 2019. Das sah der Finanzausschuss des Landtags auch so und gab 13,4 Millionen Euro frei, damit Patienten und Mitarbeitende künftig besser versorgt werden können. Doch das Geld wird nun nicht mehr benötigt.

Denn künftig soll das Essen vom Uniklinikum Halle nach Magdeburg kommen. Das ist der Plan, den der neue Kaufmännische Direktor, Marco Bohn, am Donnerstag dem Finanzausschuss präsentierte.

Servicecenter in Halle soll Magdeburg mitversorgen

In Halle wurde im Sommer 2021 ein neues Servicecenter in Betrieb genommen, das mittlerweile mehrere Klinika im Süden Sachsen-Anhalts mit Essen versorgt. Dieses wird im Sous-Vide-Verfahren vorgegart und vakuumverpackt zum Warmmachen angeliefert und serviert. Letzteres übernehmen dann statt Pflege- und Pflegehilfskräften die Mitarbeitenden des hauseigenen Caterings am Uniklinikum Magdeburg.

Die Tochterfirma bereitet derzeit noch um die 1.800 Essen pro Tag zu, wobei etwas weniger als zwei Drittel davon auf die Patienten entfallen. Die Versorgung der Mitarbeitenden, Medizin-Studierenden und der Kita auf dem Campus soll weiterhin durch die alte, marode Küche erfolgen. Diese ließe sich dafür aber mit geringem Mittelaufwand sanieren. Ein Personalabbau erfolge nicht, kündigte Bohn an.

Finanzminister Michael Richter (CDU) lobte die Zusammenarbeit beider Uniklinika. Kritik kam von den Grünen. Die Essensversorgung werde so anfälliger für Ausfälle, mutmaßte der haushaltspolitische Sprecher Olaf Meister. Er vermisste eine Wirtschaftlichkeitsprüfung angesichts der zu erwartenden Transportkosten.

Umbau des Uniklinikums Halle verteuert sich wegen Abriss-Streit

Hauptgebäude des Universitätsklinikums Halle/Saale
Der Umbau des Uniklinikums Halle verzögert und verteuert sich Bildrechte: dpa

Mehrausgaben statt Einsparungen beschert das Uniklinikum Halle dem Landeshaushalt. Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor Thomas Moesta teilte dem Ausschuss mit, dass für die laufenden Baumaßnahmen am Standort Ernst-Grube-Straße schon jetzt rund 130 Millionen Euro statt ursprünglich 108 Millionen veranschlagt werden müssen. Aufgrund derzeitiger Preisentwicklungen seien auch Gesamtkosten von bis zu 160 Millionen Euro denkbar, so Moesta.

Ein Grund dafür sind Verzögerungen beim Abriss bestehender Gebäude. So musste der Zuschlag für die Arbeiten neu vergeben werden, weil das zunächst ausgewählte Unternehmen laut Moesta mit einer falschen Abrissmethode geplant hatte.

Das Uniklinikum macht derzeit Regressforderungen von zwölf Millionen Euro geltend. Die Firma wiederum hat Klage gegen das Uniklinikum eingereicht. Insgesamt liegt das Vorhaben nun schon anderthalb Jahre hinter dem Plan. An der Ernst-Grube-Straße sollen unter anderem Intensivmedizin und Radiologie ein neuen, zentralen Platz bekommen.

Vertrauliche Beratung zu umstrittenem Masken-Geschäft

In einem vertraulichen Teil der Sitzung befasste sich der Finanzausschuss auch mit einem umstrittenen Großeinkauf von Atemschutzmasken durch das Uniklinikum Magdeburg. Dieses hatte ab November 2020 für insgesamt 654.000 Euro netto Masken von einer Firma bezogen, deren Mitgründer und Mitgesellschafter der Sohn des Ärztlichen Direktors des Uniklinikums ist.

Der Landesrechnungshof kam bei einer Prüfung zu dem Schluss, dass dabei mehrfach gegen geltendes Vergaberecht verstoßen worden war und der Aufsichtsrat über das Geschäft informiert hätte werden müssen. Das Uniklinikum widersprach beidem. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit wurden zwischenzeitlich eingestellt.

Im Oktober soll sich der Aufsichtsrat abschließend mit dem Fall beschäftigen. Zuletzt hatte die langjährige Kaufmännische Direktorin das Uniklinikum verlassen. Beobachtende erwarten keine weiteren personellen Konsequenzen.

MDR (Thomas Vorreyer)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. September 2022 | 16:30 Uhr

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