Im Zug von Tangermünde bis Leipzig Das denkt ein Pendler über das 9-Euro-Ticket

Steven Senft pendelt mit dem Auto ein paar Mal im Monat zwischen Tangermünde und Leipzig. Ob sich für ihn eine Fahrt mit dem 9-Euro-Ticket lohnt, hat er ausprobiert. Für MDR SACHSEN-ANHALT lässt er für einen Tag das Auto stehen.

Der Bahnhof in der ostthüringer Stadt gehört zur Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen dem Rheinland und Sachsen.
Mit Bus und Zug geht es im Nahverkehr von Tangermünde bis nach Leipzig. Bildrechte: dpa

Das 9-Euro-Ticket ist vom Bundesrat verabschiedet worden. Für die Monate Juni bis August kann nun für nur neun Euro monatlich der Nahverkehr genutzt werden – so viel man will und egal wohin.

Ticket soll Bürgerinnen und Bürger entlasten

In den vergangenen Monaten sind die Preise für Benzin und Diesel stark angestiegen. Das 9-Euro-Ticket soll Abhilfe schaffen und vor allem den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen.

Wie attraktiv und lohnenswert das Ticket auch für Pendler ist, hat Steven Senft getestet. Er hat bei der Online-Umfrage von MDRfragt mitgemacht und steigt für seinen Geschäftstermin vom Auto in den Nahverkehr um. Die Strecke: Von Tangermünde über Genthin und Magdeburg bis zur Leipziger Messe.

Skepsis am 9-Euro-Ticket ist bei vielen groß

Laut der nicht-repräsentativen Umfrage von MDRfragt zum 9-Euro-Ticket hätten es zwei Drittel lieber gesehen, wenn die dafür freigegebenen Gelder in den Ausbau des ÖPNV gesteckt worden wären. 85 Prozent gehen davon aus, dass das Angebot Menschen auf dem Land nichts bringt.

Zwar denkt jeder Zweite, dass das Ticket für viele Menschen eine spürbare Entlastung bringen wird – dass das auch für einen selbst gilt, davon geht jedoch nur rund ein Fünftel (19 Prozent) der Teilnehmer aus. Nur 14 Prozent der Befragten glauben, das 9-Euro-Ticket sorge für eine nachhaltig stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Ein Monatsticket mit dem Aufdruck "9 Euro", darunter der Text: "Wo das 9-Euro-Ticket gelten wird" 1 min
Bildrechte: IMAGO/dpa

Kein ganz klassischer Pendler

Steven Senft betreibt in Tangermünde ein Geschäft für Weihnachts- und Geschenkartikel. Einen klassischen Arbeitsweg hat er nicht. Er wohnt, wie Senft MDR SACHSEN-ANHALT verrät, eine Tür weiter und somit neben seinem Shop.

Pendeln muss er dennoch immer wieder. Mehrmals im Monat trifft er sich mit Kunden oder fährt auf Messen – und für gewöhnlich ist er dorthin mit dem Auto unterwegs.

Ich bin schon wahnsinnig gespannt. Deutsche Bahn – trau ich mich das überhaupt? Aber ich bin frohen Mutes, dass mal auszutesten – gerade von hier.

Steven Senft Pendler

Mit dem Bus bis Genthin

Mit dem Auto braucht Steven Senft normalerweise knapp zwei Stunden. Die Zugfahrt wird, wie sich später noch herausstellen wird, definitiv länger dauern.

Zu Fuß geht es für den Ladenbesitzer durch die Straßen Tangermündes. Die erste Station ist allerdings noch nicht der Bahnhof, sondern der Bus.

Irgendwie müssen wir die Leute aus dem Auto in den Bus kriegen.

Busfahrer Tangermünde

Anders als Senft, ist der Busfahrer vom 9-Euro-Ticket überzeugt. Er glaubt, dass die Aktion von den Fahrgästen gut angenommen werden wird. Für ihn ist das Ticket eine Chance für einen Wandel, wie er MDR SACHSEN-ANHALT erzählt.

Der Zug in Genthin verspätet sich

Die App der Deutschen Bahn meldet sich auf dem Smartphone. Die Regionalbahn, die von Genthin nach Magdeburg fahren soll, hat wegen eines Notarzt-Einsatzes Verspätung.

Nun heißt es für den Pendler am Genthiner Bahnhof warten. Anderthalb Stunden ist er nun schon unterwegs. Dann, 47 Minuten verspätet, trifft der Zug nach Magdeburg im Bahnhof ein.

Im Zug nach Magdeburg

Masten, die Tausende Kilometer Kabel tragen, sausen am Fenster der Regionalbahn vorbei. Im Zug ist es heiß und die Luft steht. Senft schwitzt, denn die Klimaanlage im Zug ist ausgefallen. Draußen sind fast 30 Grad.

Über die Elbe fährt der Zug in Magdeburg ein. Ein schrilles Piepen öffnet die Tür. Durch das Menschengewusel am Magdeburger Hauptbahnhof kämpft sich Senft zu seinem Zug. "Schon etwas voller als in Genthin", scherzt er.

Den von ihm geplanten Anschluss hat er durch die Verspätung verpasst. Aktuell ist Senft schon 66 Minuten zu spät und mittlerweile drei Stunden unterwegs. Am Gleis 7 findet er dann den letzten Zug, um nach Leipzig zu kommen.

Leipzig in Sicht

Erst im Zug nach Leipzig kann Senft entspannen. Denn jetzt sieht es danach aus, dass er auch ankommen wird, sagt er. Mit dem Zug fährt er selten und wenn er fährt, dann hat er eher schlechte Erfahrungen gemacht, wie er MDR SACHSEN-ANHALT verrät.

Einmal musste er wegen Zugproblemen auf halber Strecke wieder umkehren. Den Geschäftstermin musste er absagen. "Aber gut, das kann einem im Auto auch passieren", lacht er.

9-Euro-Ticket für Steven Senft eher nicht

Nach gut vier Stunden erreicht der Pendler den Bahnhof Leipzig-Messe. Am Gleis verrät er sein Fazit:

Für mich persönlich war es schon ein bisschen anstrengend, weil die ganze Aufregung dazukommt: 'Wo steigt man ein, schafft man den Zug' und leider kommt noch die Verspätung dazu. Aber das hat man auf der Autobahn auch.

Steven Senft Pendler

Wenn man die Strecke öfter fahre, sei das allerdings was anderes. Man sitze entspannt, könne sein Notebook anschließen. Das habe tatsächlich Vorteile. Die Strecke mit dem Zug anstelle mit dem Auto zu fahren, kommt für ihn dennoch nicht infrage. Durchschnittlich braucht er für die Strecke Tangermünde-Leipzig dreieinhalb Stunden.

Für ihn sind die zwei Stunden im Auto zeitlich unschlagbar. Empfehlen kann er das Ticket trotzdem – preislich wäre daran zumindest nichts auszusetzen.

Mehr zu dem Thema gibt es am 24. Mai 2022 um 20:15 Uhr in der Sendung FAKT IST! im MDR FERNSEHEN.

MDR (Maximilian Fürstenberg)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! Aus Magdeburg | 23. Mai 2022 | 22:10 Uhr

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