Bei Bernburg Fischsterben in der Saale: Ursachensuche läuft

Ein Anglerverein hat am Wochenende rund 300 tote Fische aus der Saale in Bernburg geborgen. Inzwischen haben die Angler Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Ein Riss in der Leitung einer Fabrik könnte das Fischsterben verursacht haben. Die Wasserschutzpolizei hat bereits Proben aus der Saale entnommen.

Vier tote Fische liegen am steinigen Ufer eines Flusses.
In der Saale bei Bernburg sind in den vergangenen Tagen viele Fische verendet. Bildrechte: Orry Weigelt

Wegen hunderter toter Fische in der Saale hat der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wie Verbandssprecher Martin Schwabe MDR SACHSEN-ANHALT sagte, sind am vergangenen Wochenende etwa 300 tote Fische unterhalb des Wehres in Bernburg eingesammelt worden.

Das gesamte Ausmaß des Fischsterbens bei Bernburg im Salzlandkreis werde auf rund 3.000 tote Tiere geschätzt. Nur wenige Fische hätten die Angelfreunde mit dem Köcher sammeln können. Die meisten seien weiter flussabwärts getrieben.

Defekte Rohrleitung: Ammoniak gelangt in Saale

Wie das Bernburger Solvay-Werk bereits am Freitag mitgeteilt hatte, war es am frühen Freitagmorgen zu einer technischen Störung gekommen. Durch einen Riss in einer Rohrleitung der Fabrik war ammoniakhaltige Sole ausgetreten und in die Saale gelangt.

Eine Sprecherin von Solvay Deutschland sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Leitung umgehend außer Betrieb genommen worden war. "Wir sind ein vollkontinuierlicher Betrieb, das heißt, es ist ständig jemand da. Wir haben einen Leitstand, da ist es bemerkt worden." Es sei direkt gehandelt worden. Dazu, wie viel der Sole in die Saale gelangt ist, könne die Sprecherin keine Angaben machen. "Wir untersuchen jetzt aber, wie es passieren konnte, dass trotz unserer Sicherheitsvorkehrungen etwas in die Saale gelangen konnte."

Werksgelände von Solvay Chemicals 2019
Bei Solvay in Bernburg wird seit mehr als 130 Jahren Soda hergestellt. Bildrechte: IMAGO / Schöning

Zuerst hatte die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) über den Vorfall berichtet.

Soda
Soda kann vielfältig verwendet werden. Bildrechte: imago/Panthermedia

Hintergrund: Das Solvay-Werk 1880 beantragte der belgische Erfinder und Industrielle Ernest Solvay eine Konzession für eine Soda-Fabrik in Bernburg. Das nach ihm benannte Werk produziert heute neben Soda auch Natriumbicarbonat, Wasserstoffperoxid und hochreine Phosphorsäure.

Die Stoffe werden u.a. zur Herstellung von Glas, Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie in der Metallverarbeitung benötigt, zudem in der Elektro- und Computerchip-Industrie, der Pharmazie und im Umweltschutz. Rund 400 Beschäftigte arbeiten für Solvay in Bernburg.

Quelle: Solvay Deutschland

Wasserschutzpolizei entnimmt Proben

Wegen der Anzeige gegen Unbekannt hat die Wasserschutzpolizei nach eigenen Angaben vor Ort Proben genommen, die im Landeskriminalamt ausgewertet werden sollen. Das Landesverwaltungsamt analysiert ebenfalls Wasser aus der Saale bei Bernburg, hieß es am Montag auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Allerdings sei bereits klar, wie die Sole in die Saale gelangen konnte: "Die austretende Sole wurde teilweise in entsprechenden Behältern aufgefangen und in so genannte Havarie-Zisternen abgeleitet. Ein weiterer Teil lief auf das Betriebsgelände und in der Folge in das Regenwassersystem, welches in die Saale entwässert", so das Landesverwaltungsamt.

Angler "schockiert und enttäuscht"

Der Landesanglerverband zeigte sich "schockiert und gleichzeitig enttäuscht" über dieses "weitere Beispiel für die starke Belastung und den Missbrauch" der Gewässer. Man stehe mit den örtlichen Behörden in Kontakt.

Das Strafgesetzbuch und Akten liegen aufeinem Tisch.
In Paragraph 324 des Strafgesetzbuchs geht es um die Verunreinigung von Gewässern. Bildrechte: dpa

Diese Strafe könnte drohen Im Strafgesetzbuch steht: "Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe."

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MDR (Karin Roxer, Dagmar Borchert, Max Hensch, Luise Kotulla) | Erstmals veröffentlicht am 15.08.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. August 2022 | 19:00 Uhr

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