Lehrkräftemangel Musikschulen in Sachsen-Anhalt: Fast vier Jahre warten auf Klavier-Unterricht

Etwa 2.000 Kinder und Jugendliche stehen in Sachsen-Anhalt auf den Wartelisten der Musikschulen. Sie wollen ein Instrument lernen, können es aber aktuell noch nicht, weil es zu wenige Lehrkräfte gibt.

Hände eines Kindes an den Klaviertasten.
Viele Kinder und Jugendliche würden gerne Musikinstrumente erlernen – allerdings sind die Wartelisten in Sachsen-Anhalt wegen des Lehrermangels lang. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Wer ein Instrument lernen möchte, muss an den Musikschulen in Sachsen-Anhalt mit langen Wartezeiten rechnen. "Für den Klavierunterricht sind es aktuell bis zu vier Jahre", sagt Christian Reineke, Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen Sachsen-Anhalt. Grund dafür ist laut Reineke vor allem der Mangel an Nachwuchslehrkräften.

Etwa 2.000 Personen stehen auf Wartelisten

Während vor sechs bis sieben Jahren noch circa 20.000 Schülerinnen und Schüler an den staatlich anerkannten Musikschulen in Sachsen-Anhalt ein Instrument lernten, sind es aktuell nur rund 17.500. Und das liege nicht am fehlenden Interesse: Landesweit stünden insgesamt etwa 2.000 Kinder und Jugendliche auf den Wartelisten. Ganz besonders beliebt ist laut Reineke nach wie vor das Klavier. Danach folgten Gitarre, Violine und Blockflöte auf der Beliebtheitsskala.

Fördergeld für neue Lehrkräfte

500.000 Euro soll den Musikschulen vom Land für die Schaffung neuer Stellen zur Verfügung stehen, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken. So hatte es der Landtag im Mai in seinem Haushaltsplan beschlossen. "Gerade im ländlichen Raum findet und bindet man junge Lehrkräfte nur über Festanstellungen", betont Reineke. Die Förderung sei somit ein starkes Signal an die Musikschulen und die musikalische Bildung als wichtiger Bestandteil der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Um die Digitalisierung im Musikunterricht voranzutreiben, hatten die 20 staatlich anerkannten Musikschulen des Landesverbands im vergangenen Jahr bereits 200.000 Euro vom Wirtschaftsministerium erhalten. Mit dem Geld wurden festangestellte Lehrkräfte mit einem Tablet für den Online-Unterricht ausgestattet. Digitale Lehre könne zwar den Präsenzunterricht perspektivisch ergänzen, sagte Reineke, nicht aber vollständig ersetzen.

dpa, MDR (Johanna Daher)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Oktober 2022 | 10:00 Uhr

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