Nord Stream 1 Russland liefert wieder Gas: Skepsis in Sachsen-Anhalt bleibt

Es war viel darüber spekuliert worden, ob nach der Wartung der Ostseepipeline Nord Stream 1 überhaupt wieder Gas aus Russland fließen würde. Zum Stopp ist es nicht gekommen. Die Landesregierung bleibt dennoch skeptisch. Der Chemiestandort Leuna und die Stickstoffwerke in Piesteritz leiden weiter unter den exorbitanten Gaspreisen.

Rohrsysteme und Geländer vor blauem Himmel.
Durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 fließt seit Donnerstag wieder russisches Gas. Bildrechte: dpa

  • Sachsen-Anhalts Energieminister Willingmann (SPD) will trotz wieder anlaufender Gaslieferungen aus Russland an Notfallplänen festhalten.
  • Der Minister sagte, die aktuelle Entspannung dürfe nicht darüber hinweg täuschen, dass am anderen Ende ein Agressor sitze.
  • Unternehmen aus Sachsen-Anhalt blicken weiterhin mit Sorge auf die Gaspreise und den kommenden Winter.

Armin Willingmann steht im Chemiepark Leuna.
Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann bleibt skeptisch gegenüber Russland. Bildrechte: dpa

Durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 fließt nach zehntägiger Wartung seit Donnerstagmorgen wieder Gas. Die Sorge, Russland könnte den Gashahn abgedreht lassen, hat sich damit nicht bestätigt. Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) zeigte sich weiterhin skeptisch gegenüber Russland und riet dazu, trotz der neuen Gaslieferungen an Gas-Notfallplänen festzuhalten. Willingmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, er sei dankbar, dass jetzt etwas Entspannung eintrete. Er begrüße auch, dass sich die russische Seite vertragstreu verhalte und das tue, was verabredet und zugesichert worden sei, nämlich erst einmal wieder zu liefern.

Wie abhängig der Industriepark in Harzgerode von russischen Gaslieferungen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag von MDR um 11:

"Das ändert aber nichts daran, dass am anderen Ende ein Aggressor sitzt, der Gaslieferungen zur Durchsetzung politischer Ziele einsetzt", sagte Willingmann deutlich. Deshalb könne man von Maßnahmen und Notfallplänen nicht ablassen. Der SPD-Politiker nannte es "gut und richtig", dass man jetzt die weitere Befüllung der Speicher vorantreiben könne. Man müsse gewappnet sein; die Lage könne sich immer wieder ändern.

Spekulationen vor Ende der Wartungsarbeiten

Vor dem angekündigten Ende der Wartungsarbeiten war spekuliert worden, ob der russische Staatskonzern Gazprom den Gashahn überhaupt wieder aufdrehen würde und wenn ja, wie weit. Wie sich nun zeigt, entspricht die Menge dem vor der Wartung versprochenen Niveau. Die Auslastung der Gastrasse liegt demnach aktuell bei 40 Prozent.

Die Spekulationen im Vorfeld nannte Willingmann daher "ausgesprochen unglücklich". Es sei Panik verbreitet worden. Die einen hätten über Wärmestuben geredet, andere darüber, den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland einzufrieren. Willingmann sagte, das alles zeige, dass man einen kühlen Kopf brauche und rationale Entscheidungen treffen müsse. Der Landesenergieminister riet, den europäischen Kurs und den der Bundesregierung weiter zu verfolgen und zu begleiten.

Stickstoffwerke Piesteritz begrüßen Gaslieferungen

Mit den SKW, den Stickstoffwerken Piesteritz, ist einer der größten industriellen Gasverbraucher Deutschlands im Landkreis Wittenberg ansässig. Das Unternehmen begrüßt, dass seit Donnerstag wieder Erdgas aus Russland fließt. "Diese Nachricht stimmt die 860 Mitarbeiter zuversichtlich", sagte ein Firmensprecher dem MDR.

Wichtig sei aber auch, dass die Kosten beherrschbar blieben, sagte der Sprecher mit Blick auf die hohen Gaspreise. Die SKW Piesteritz verarbeiten pro Jahr etwa 1,2 Milliarden Kubikmeter Gas, um Stickstoffdünger und den Dieselzusatz AD-Blue herzustellen. Außerdem produziert SKW Harnstoff, der überall in der chemischen Industrie gebraucht wird.

Gas-Sparen weiter sinnvoll

Die Ontras Gastransport GmbH zeigte sich wenig überrascht von den wieder angelaufenen Erdgaslieferungen. Vom technischen Standpunkt habe es wenig Anzeichen für einen Stopp gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Ontras betreibt nach eigener Aussage das 7.700 Kilometer umfassende Fernleitungsnetz in Ostdeutschland und verantwortet den Transport gasförmiger Energie. Das Versorgungsgebiet reicht von der Ostsee bis nach Sachsen. Ontras gehört zum Gaskonzern VNG AG, der in Bernburg und Bad Lauchstädt große Gasspeicher betreibt. Die Gasspeicher im Netzgebiet der Ontras Gmbh sind nach eigenen Angaben derzeit zu etwa 85 Prozent gefüllt. Was im Winter passiere, sei aber nicht abzusehen, sagte der Sprecher. Es ergebe aber weiter Sinn, Gasmengen einzusparen. "Das hilft uns, angespannte Situationen abzufedern", sagte er.

Am Chemiestandort Leuna ist die Sorge um das Gas trotz Wiederaufnahme der russischen Lieferungen weiter groß. Nach Angaben der Infrastrukturgesellschaft Infraleuna geht es vor allem um die Gaspreise. Sie hätten sich von früher 15 bis 25 Euro je Megawattstunde auf bis zu 180 Euro erhöht. Diese Verzehnfachung des Preises sei das große Problem für die ansässigen Chemiefirmen und Dienstleister.

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MDR (Jochen Müller, Norma Düsekow, André Damm, Michael Rosebrock, Ingvar Jensen, Daniel Salpius)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juli 2022 | 14:00 Uhr

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