Fürsorge Pflege in Sachsen-Anhalt wird deutlich teurer

Pflegebedürftige und Angehörige müssen sich auf deutliche Preissteigerungen einstellen. Davor warnt Florian Wend, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Hauskrankenpflege, im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Nötig sei eine Reform des gesamten Systems, um die Teuerung zu begrenzen.

Eine Pflegerin spricht mit der Bewohnerin eines Pflegeheimes.
Die Pflege in Sachsen-Anhalt wird sich verteuern. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts private Pflegeeinrichtungen stehen vor einer erheblichen Kostensteigerung, warnt Florian Wend, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Hauskrankenpflege, im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Man rechne aktuell mit monatlichen Mehrkosten von 500 bis 600 Euro pro Pflegefall.

Gründe seien die gestiegenen Lohnkosten und Energiepreise. Das werde zu erheblichen Problemen führen. "Bislang kostet ein durchschnittlicher Heimplatz in Sachsen-Anhalt 2.300 Euro. Eine durchschnittliche Altersrente für Männer beträgt aber nur 1.300 Euro. Im Endeffekt muss also Hilfe zur Pflege beantragt werden."

Hauskrankenpflege in Sachsen-Anhalt Der Landesverband Hauskrankenpflege Sachsen-Anhalt e.V. ist der Berufsverband der privaten Pflegedienste und stationären Pflegeinrichtungen im Land.

Er vertritt rund 170 Mitgliedsunternehmen. In Berlin findet am Donnerstag und am Freitag der Deutsche Pflegetag statt.

Er ist nach Angaben der Veranstalter Deutschlands führender Pflegekongress.

Wend rechnet sogar mit weiteren Kostensteigerungen, da bis 2024 bundesweit die Pflege-Tarife angeglichen werden sollen. Das sei ein wichtiges Vorhaben, dessen Finanzierung aber noch ungeklärt sei. Schuld ist seiner Ansicht nach ein Konstruktionsfehler in der Pflegeversicherung. Aktuell zahle die Pflegeversicherung pro Pflegegrad eine bestimmte Summe.

System muss reformiert werden

"Die Kosten der Pflegeeinrichtung, des ambulanten Dienstes oder der stationären Versorgung trägt allerdings der Versicherte. Das ist aber genau das falsche Prinzip", so Wend. Denn dann gingen die Kostensteigerungen zu großen Teilen zu Lasten der Pflegebedürftigen oder ihrer Angehörigen. Das zeige sich inzwischen auch im Pflege-Alltag.

In Berlin wird derzeit der Deutsche Pflegetag veranstaltet, ein Branchen-Treffen. Lara Behrend macht derzeit eine Ausbildung zur Pflegerin am Städtischen Klinikum Magdeburg. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT-Moderator Lars Wohlfarth erzählt Behrend, was sie in der Pflege ändern würde.

"Ketzerisch kann man sagen: Sonntags ungewaschen, weil Menschen sich nicht mehr täglich Hilfe bei der Körperpflege leisten können." Er fordere deshalb eine generelle Neuorganisation der Pflegeversicherung. "Versicherte sollten einen einheitlichen Beitrag leisten, ähnlich wie bei einer Kfz-Versicherung. Und alles, was darüber hinausgeht, das ist dann von der Versicherung zu tragen, sprich vom Staat."

Kostenerstattung gefordert

Aufgrund der stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise hat der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) Anfang September eine schnelle Kostenerstattung für Pflegeeinrichtungen gefordert.

Ähnlich dem Abrechnungsverfahren in der Pflegebranche während der Coronapandemie sollten Pflege- und Eingliederungshilfe-Einrichtungen höhere Abschläge der Energieversorger direkt bei den Kostenträgern geltend machen können. Der bpa vertritt die Interessen von mehr als 13.000 Sozialeinrichtungen in Deutschland, unter anderem der Kinder- und Jugendhilfe sowie Einrichtungen ambulanter oder stationärer Pflege. 

MDR (Uli Wittstock, Hannes Leonard), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 06. Oktober 2022 | 05:00 Uhr

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