Urlaub auf dem Wasser Wieso das Hausboot-Fahren beides ist: Challenge und absolut zu empfehlen

Lisa Hentschel
Bildrechte: Lisa Hentschel

Urlaub mit dem Hausboot. Also mit einer Ferienwohnung, die schwimmt und fährt und deshalb immer mit dabei ist – mitten in der Natur. Das klingt nach Idylle pur. Reporterin Lisa Hentschel hat es ausprobiert. In dreieinhalb Tagen auf der Havel ist sie über sich hinausgewachsen – würde am Ende aber am liebsten direkt noch mal losfahren. Ein Erfahrungsbericht.

Eine Frau in Freizeitkleidung schmückt die Reling eines Bootes
Tipps und Tricks und eine Menge Erfahrung gesammelt: MDR-Reporterin Lisa Hentschel ist mit dem Hausboot unterwegs auf der Havel. Bildrechte: Christin Schulz

Zu Beginn direkt das Frauenklischee schlechthin: Einparken – und das Scheitern daran. "Erst gegenkommen lassen und wenn wir gegengekommen sind, gibst du Gas", sagt Denny Loest vom Hausbootverleih "BunBo". Ich höre nur "Gas". Mein erster Reflex: Vollgas geben. Es knallt. Das Hausboot kracht gegen den Steg.

Eigentlich war der Plan, den Steg so sachte wie möglich zu berühren. Und dann erst durchs Standgas sicherzustellen, dass wir nicht wieder abdriften, sondern in Ruhe die Leinen festmachen können. "Einparken" auf dem Wasser mehr als fehlgeschlagen, so viel steht fest. Und das bei der Probefahrt. Am liebsten würde ich mich verkriechen, einmal meine Lieblingsdecke, die ich extra mitgenommen habe, über den Kopf schmeißen und das Steuer abgeben. Ich hasse einparken.

Ein vorbeifahrendes gelbes Hausboot auf der Havel, ebenfalls vom Hausbootverleih BunBo.
Der wichtigste Tipp: sich mit dem Hausboot Zeit nehmen für das Ankommen in der Natur. Bildrechte: Lisa Hentschel

Ohne erfolgreiche Einweisung kein "Charterschein"

Und jetzt das: "Einparken" unter Argusaugen: Denny steht neben mir. Vor mir Alex mit der Kamera. Der hält immer schön drauf, wenn bei mir was nicht klappt. Bitte, gerne geschehen, kommt noch häufiger vor.

Alex Kessler und Christin Schulz fotografieren Alex Gruner, der ueber Deck am Pfosten der Hausbootterrasse haengt, um zu filmen.
Kein Fehler entgeht den Kameras. Bildrechte: Lisa Hentschel

Neben mir Christin, meine seelische Stütze auf dieser Reise, aber die kann hier halt auch nichts machen, außer zuzusehen. Das Zuhören übernimmt der andere Alex ganz besonders. Der ist auf unserer Reise für den Ton zuständig.

Macht zusammengefasst: Vier Menschen, die alle auf mich schauen – und ich bräuchte jetzt echt meine Decke. Nur zugeben würde ich das im Leben nicht. Es gibt schließlich keinen Plan B. Wenn ich den "Charterschein" nicht bestehe war‘s das mit der Tour. Und das kann ja keiner wollen.

Charterschein Der Charterschein ermöglicht es Hausbootmietern und -mieterinnen, auch ohne Bootsführerschein auf bestimmten Gewässern zu fahren. Ausgestellt wird der Schein für den Zeitraum der Buchung. Dafür müssen Theorie- und Praxiseinweisung erfolgreich absolviert werden. Das heißt unter anderem: Fahrtest meistern, Wasserregeln beherrschen, Ausstattung und Technik an Bord kennen, wissen, wie theoretisch das Ankern und Schleusen funktioniert. Außerdem gilt: Mindestens zwei Personen müssen sich an Bord befinden, älter als 18 Jahre alt. Und: Wer fährt, darf keinen Alkohol trinken. 

Denny lacht. Beruhigt mich. Es ist alles heil geblieben. Sowohl beim Steg als auch auf dem Hausboot, auf dem ich mich mit meinem Team in Havelberg befinde: Typ "1061": Knappe 11 Meter lang, mit zwei Schlafkojen, Küche inklusive Gasherd, Toilette, Dusche, Couch, Feuerstelle, Terrasse, Hängematte. Und noch vielem mehr. Aber eben auch windanfällig und nicht einfach zu fahren, finde ich. Schon gar nicht beim Anlegen. Oder Einparken.

Aber dann klappt es selbst bei mir: Am Mittag halte ich den "Charterschein" in den Händen. Weil Denny sich Zeit genommen hat, das muss man einfach so sagen. "Wir haben noch alle aufs Wasser bekommen. Die einen brauchen eben länger, bis alles sitzt, so ist das", sagt er gelassen. Ich mag ihn. Und würde trotzdem gerne besser sein. Geduld ist alles, aber nicht meine Stärke. Zumindest nicht, wenn es um mich geht.  

Hausboot-Tour: Von Havelberg bis zum Hohennauener See und zurück

Ein Mann steht im Wasser.
Philipp Ritzmann vom Biosphärenreservat Mittelelbe wartet schon am Ufer. Bildrechte: Lisa Hentschel

Es ist Anfang Juni. Es ist kalt, es regnet. Und vor uns liegt eine rund 80 Kilometer lange Tour. Aber ich sage schon jetzt: Die lohnt sich. Egal, bei welchem Wetter. Es geht erst bis zum Hafen nach Garz. Dann, am nächsten Tag, direkt in Garz durch die erste Schleuse, vorbei am Gülper See und am Sternenpark Westhavelland, durch Schleuse Nummer zwei in Grüz, bis zu unserem Ziel: Dem Hohennauener See. Und dann alles wieder zurück. Deshalb weiß ich nun: Für diese Tour mit dem "Bungalowboot" braucht man mehr als dreieinhalb Tage lang Zeit. Denn fürs Durchhechten ist die Natur um Havelberg einfach zu besonders. 

"Wir sind hier in einem Biosphärenreservat, einem Naturschutzgebiet, einem Landschaftsschutzgebiet, einem Vogelschutzgebiet und in einem Feuchtgebiet internationaler Bedeutung. Das heißt: Alles, was man sich hier vorstellen kann, ist hier wirklich geschützt", erklärt Philipp Ritzmann vom Biosphärenreservat Mittelelbe. Noch so ein geduldiger, unkomplizierter Mensch, den wir auf unserer Reise treffen. Stundenlang hat er auf uns am Ufer gewartet, beruhigt mich, als das Ankern dort nicht sofort klappt und lässt sich von uns im Beiboot ans Hausboot ziehen. Schließlich ist das Betreten der Ufer für uns hier untersagt.

Wer mit dem Boot unterwegs ist, muss sich an Regeln halten

Alleine die Hälfte aller Vogelarten, die es in Deutschland gibt, lebt hier. Etwa 240 verschiedene Arten sind das. Außerdem ist zum Zeitpunkt unserer Reise Hoch-Brut-Zeit. Und fühlen sich die Tiere gestört, ist die Brut gefährdet: "Die Vögel würden das Gelege verlassen und erst wieder zurückkommen, wenn die Störung vorbei ist." Dauert die zu lang – wenn beispielsweise Hausboot-Urlauber es sich am Ufer gemütlich machen, dort baden gehen – lautet eine mögliche Folge: "Die Eier werden kalt, die Vogelart kann sich für das Jahr nicht mehr fortpflanzen." Deshalb – wichtig zu wissen: Wer hier mit dem Hausboot fährt, muss sich an bestimmte Regeln halten.      

Regeln für Hausboot-Urlauber in der Unteren Havelniederung - Achtsam verhalten
- Keinen Müll hinterlassen
- Keine laute Musik
- Drohnenflüge nur mit Genehmigung
- Uferbetreten vermeiden
- Schwimmen und Grillen vom Hausboot aus
- Ankern nur neben der Fahrrinne und nicht direkt am Ufer

Stromversorgung: Wichtig für Heizung und warmes Wasser

Wir geben uns wirklich Mühe. Versuchen, an alles zu denken. Nur passieren natürlich trotzdem viele Dinge, die wir überhaupt nicht auf dem Schirm haben. Bestes Beispiel: Die erste Nacht. Christin und ich wollen es uns gerade gemütlich machen. Und dann das: Stromausfall. Heizung fällt aus. Die Dusche bleibt nur kurz warm. Wie konnte das passieren? Ganz einfach: Wir haben trotz eines Hinweises von Denny vollkommen vergessen, unser Hausboot ans Stromnetz im Hafen in Garz anzuschließen. Das funktioniert über eine 230 Volt Steckdose.

Hier aus eigener Erfahrung der sinnvolle Tipp: Es ist gut zu wissen, in welchem Hafen es überhaupt Strom gibt und wie weit die Steckdose von der Bootsanlegestelle entfernt ist. Denn gegebenenfalls braucht man ein Verlängerungskabel. Dass man so hilfsbereite Bootsnachbarn hat wie wir, ist nicht selbstverständlich.

Was darf auf einem Hausboot nicht fehlen? Unsere Top 5:
- Sonnencreme
- Mückenspray
- Kleingeld
- Verlängerungsschnur
- Taschenlampe
Auf dem Hausboot ist außerdem so viel Platz, dass Stand-up-Paddling-Board und Fahrräder mitgenommen werden können.

Auch gut zu wissen: Wie man sich in den Schleusen verhält. Wir lassen uns die Tipps von Polizeioberkommissar Torsten Thiedke von der Wasserschutzpolizei aus Havelberg geben. Direkt in der Schleuse in Garz. Ohne ins Detail zu gehen: Schilder, Reihenfolge und Vorfahrtsregeln beachten. Und in der Schleuse gilt: Motor aus und dem Seil "Spiel" geben, also nicht festknoten.

Fazit: Eine Reise zum Reifen

Der Sonnenuntergang am Hohennauener See.
Die beste Belohnung nach einem anstrengenden Tag: den Abend entspannt mit dieser Szenerie ausklingen lassen. Bildrechte: Christin Schulz

Beherrschen wir alles tatsächlich auf dem Rückweg. Bevor es zurückgeht, genießen wir noch die Idylle: Am Abend Stand-up-Paddeln, Wein, geschmückte Hausboot-Terrasse. Am Morgen Nebel, Natur pur, frische Brötchen. Und zwischendrin noch Erlebnisfischen und den selbst gefangenen Fisch grillen.


Natürlich sind auf dieser Reise Fehler passiert. Aber sie hat alle an Bord zusammengeschweißt. Und dafür gesorgt, dass ich über mich hinausgewachsen bin. Ein abschließender Tipp: Das Hausboot für diese Tour am besten eine Woche lang mieten. Damit man den Hausboot-Urlaub genießen, in Ruhe das Ankern und das Schleusen üben kann. Ohne Zeitdruck, dafür mit der Möglichkeit, die Natur, das Wasser, den Wind um sich herum aufzusaugen. Genau das möchte ich beim nächsten Mal. Lieber gestern als morgen.

MDR (Lisa Hentschel, Jolina Schlaß)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 06. August 2022 | 18:45 Uhr

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