Ungewöhnliches Wohnen Der Altmark-Fischer und sein Hausboot

Elisa Sowieja-Stoffregen
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Schloss, Bahnhof, Wasserturm: Manche Menschen in Sachsen-Anhalt wohnen an ungewöhnlichen Orten. So auch Fischer Gernot Quaschny. Er lebt auf einem Hausboot in Hohengöhren. Sein früheres Zuhause und sein Betrieb waren der Flut 2013 zum Opfer gefallen. Um das Schiff auf seinen Hof zu schaffen, brauchte er zwei Kräne und gute Nerven.

 Fischer Gernot Quaschny vor seinem Hausboot in Hohengöhren, hier die Außenansicht.
Gernot Quaschny lebt seit 2013 auf einem Hausboot. Bildrechte: MDR/Elisa Sowieja-Stoffregen/Hoferichter&Jacobs | Fotomontage von Fabian Frenzel

Das Hausboot von Fischer Gernot Quaschny in Hohengöhren, hier der Bug.
Wer Quaschny zu Hause besucht, muss erst über eine Treppe auf den Bug steigen. Bildrechte: MDR/Elisa Sowieja-Stoffregen

Wenn Gernot Quaschny Besuch bekommt, empfängt er seine Gäste auf dem Bug. Seit neun Jahren ist sein Zuhause ein Schiff. Eines, das auch empfindlichen Mägen nichts anhaben kann. Es steht nämlich schaukelsicher auf seinem Hof in Hohengöhren. Quaschny und ein Hausboot, man könnte es sich nicht schöner ausmalen. Denn der Altmärker ist von Beruf Fischer.

Der Beginn der Geschichte vom Fischer und seinem Boot ist allerdings alles andere als schön. Die große Flut im Juni 2013 nimmt Quaschny seine Existenz. Sie überspült Elternhaus und Betrieb. Gernot Quaschny wird in dieser Zeit bundesweit bekannt, weil er sich erstmal um andere kümmert. Er versorgt die Eingeschlossenen in den Dörfern per Boot mit Lebensmitteln.

Boot wurde zu DDR-Zeiten vom Wasser- und Schifffahrtsamt genutzt

Als er irgendwann seinen Hof wieder aufbauen will, denkt er gleich an ein Schiff – aber eigentlich nicht zum Wohnen, sondern als Betriebsstätte. "Meine Kinder haben dann das Hausboot im Internet entdeckt", erzählt Quaschny. Ein DDR-Produkt, bis zur Wende vom Wasser- und Schifffahrtsamt als Wohnschiff für Mitarbeiter genutzt, danach das Zuhause eines Ehepaars im Hamburger Hafen. "Es war sehr geschmackvoll eingerichtet", erinnert sich der Fischer. "Und ich dachte mir: Wenn ich ein Haus baue, brauche ich ein halbes Jahr. Das Boot kann ich an einem Tag aufstellen."

Zwei Kräne stellen das Boot auf Betonpfeiler

Ganz so schnell geht's dann aber doch nicht. Irgendwie muss der 75-Tonnen-Koloss ja auf Quaschnys Hof kommen. Bis nach Tangermünde kann es im Schubverband die Elbe runterschippern, danach wird's knifflig. Das Schiff fährt bis zu einer Panzeranlegestelle in Hohengöhren vor, zwei Kräne hieven es vorsichtig auf einen Tieflader, der tuckert mit Polizeibegleitung die 1000 Meter bis zum Hof. Dort wird das Schiff Zentimeter für Zentimeter auf sieben Betonpfeiler gestellt. Die Transportfirmen liefern ab: Als die Kräne loslassen, steht sogar noch die Sektflasche, die die Vorbesitzer als Geschenk auf dem Wohnzimmertisch drapiert hatten.

Klar, deutlich einfacher wäre es gewesen, Quaschny hätte sein Boot einfach im Wasser gelassen. Nur: Dafür gibt's in der Nähe keine Anlegestelle – zumindest keine mit Strom- und Wasseranschlüssen. "Das besondere Flair hat man aber auch hier an Land", sagt er.

Beim nächsten Hochwasser kann ich entspannt sein.

Gernot Quaschny, Hausbootbesitzer
Das Hausboot von Fischer Gernot Quaschny in Hohengöhren, hier der Flur.
In den Flur hat sich der Fischer einen Strand malen lassen. Bildrechte: MDR/Elisa Sowieja-Stoffregen

Von Quaschnys Hofzaun aus sieht man heute erst auf den zweiten Blick, dass sein Haus ein Boot ist. Denn vergangenes Jahr hat er es mit Sandwichplatten aus Aluminium und Styropor verkleidet. An Land sei so ein Schiff einfach zu anfällig für Korrosion und Kälte, erklärt er. Innen erinnern eigentlich nur die Schiffsluken daran, wo man gerade steht. Und der Strand, den sich der Altmärker an eine Wand im Flur hat malen lassen. Ansonsten: Bad, Büro, Wohnküche – alles großzügig geschnitten und ohne Kopfstoß-Fallen für Hochgewachsene. Insgesamt 100 Quadratmeter Wohnfläche. Strom und Wasser kommen wie im Normalo-Haus aus extra verlegten Leitungen.

Dass Quaschny heute auf einem Hausboot lebt, liegt natürlich nicht nur am Flair. Viel wichtiger ist, dass er so nie wieder erleben muss, wie sein Zuhause weggespült wird. "Beim nächsten Hochwasser kann ich entspannt sein", erzählt der Fischer. Und so kann er mit neun Jahren Abstand auch über das Thema witzeln. "Man weiß ja nicht, wie das mit der Klimaerwärmung weitergeht", sagt er mit ernster Miene und grinst dann ein bisschen. "Bei mir haben sich schon viele angemeldet. Die wollen dann mit ihren Tieren auf meine Arche kommen."

MDR (Elisa Sowieja-Stoffregen)

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