Auch aus wirtschaftlichen Gründen Seehausen soll Klimamanager bekommen

Immer mehr Kommunen wollen ein eigenes Klimaschutzkonzept. Antrieb ist nicht immer nur der Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen. Ohne Klimaschutz-Konzepte bekommen Kommunen künftig weniger Fördermittel, zum Beispiel für den Städtebau. Und: Der Bund fördert Klimaschutzmanager-Stellen. Seehausens Stadträte wollen das in Anspruch nehmen.

Eine Altstadt mit einem Fußgängerüberweg
Die Altstadt in Seehausen soll von einem Klimamanager profitieren. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Die Verbandsgemeinde Seehausen soll einen oder eine Klimamanagerin bekommen. Der Stadtrat hat beschlossen, dass die Förderung dafür beantragt werden soll.

Die Verbandsgemeinde Seehausen habe schon einige Umweltsünden erkannt und beseitigt, sagt Bürgermeister Rüdiger Kloth. So waren die Kita in Geestgottberg mit dem dortigen Dorfgemeinschaftshaus und dem Gebäude der Feuerwehr per Heizungssystem verbunden. Man konnte nicht eine Einrichtung allein beheizen, sondern immer nur alle drei gemeinsam – ökologisch und finanziell nicht sinnvoll. Man habe das System modernisiert und in jedem Haus eine eigene Heizungsanlage eingebaut, sagt Rüdiger Kloth.

Bei uns trägt zum Beispiel niemand mehr – wie früher üblich – Aktenordner oder Belege, fünffach kopiert, durchs Haus, damit die letzte Unterschrift drauf ist. Das passiert bei uns alles voll elektronisch. Oder für bestimmte Papiere, die nicht rechtlich bedeutsam sind, nimmt man Papier, was auf der einen Seite schon bedruckt ist. Das sind tausende von Seiten, die da eingespart werden.

Rüdiger Kloth, Bürgermeister Seehausen

Das ökologische Ganze im Blick behalten

Auf solche Lösungen sind die Seehäuser noch allein gekommen. Ein regelrechtes Klimaschutzkonzept für die gesamte Verbandsgemeinde – das ist was für einen Fachmann oder Fachfrau. Der oder die Klimaschutzmanagerin soll das große ökologische Ganze im Blick haben, aber auch die kleinen Details auf lokaler Ebene. Derjenige soll Schwachstellen aufdecken und Alternativen aufzeigen, soll lose Umweltgruppen zu einem Netzwerk verflechten und Bürger, Verwaltung und Unternehmen beraten. Er soll aber vor allem auch Fördermittel für den Klimaschutz in Seehausen akquirieren.

Ein Klimaschutzkonzept für die Verbandsgemeinde mache in vielerlei Hinsicht Sinn, sagt Seehausens Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt. Moralisch natürlich; Auch Seehausen soll dazu beitragen, die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen. Aber auch wirtschaftlich; Ohne Konzept gebe es bald weniger Fördermittel. Darunter würde vor allem die Sanierung der Seehäuser Altstadt leiden.

In dem Maßnahmenkatalog über Städtebauförderung müssen beispielsweise Maßnahmen drin sein, die schon bei der Beantragung eine Berechnung beinhalten, dass mit der Maßnahme die und die CO2-Einsparung erreicht wird oder jene positiven Effekte auf den Klimaschutz einwirken.

Lisa Weigelt, Wirtschaftsförderin Seehausen

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Muss Seehausen einen Eigenanteil für den Klimamanager zahlen, wird es kritisch

Rüdiger Kloth und Lisa Weigelt
Bürgermeister Rüdiger Kloth und Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt wollen einen Klimamanager für Seehausen. Bildrechte: MDR/Katharina Häckl

Der Klimamanager-Posten und damit das Klimaschutzkonzept der Verbandsgemeinde könnten jedoch am Geld scheitern. Die Stadträte haben zwar beschlossen, die hundertprozentige Förderung für die auf drei Jahre befristete Stelle zu beantragen. Besteht der Bund aber auf zehn Prozent Eigenanteil, wird es kritisch.

Die Haushaltslage im kommenden Jahr sei besonders angespannt, sagt Bürgermeister Kloth. Da sei die Zustimmung der Räte zu einer höheren fünfstelligen Summe fraglich. Die Entscheidung des Bundes fällt frühestens im Dezember.

MDR/Katarina Häckl, Fabian Frenzel

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 06. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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