Studie Nach dem Studium raus aus Sachsen-Anhalt

Viele Studierende in Sachsen-Anhalt planen, nach ihrem Abschluss das Bundesland zu verlassen. Das besagt eine Studie des Personalvermittlungsunternehmens Jobvalley und der Uni Maastricht. Für das Land bedeutet das ein Verlust von Arbeitskräften – und von Geld. Doch die Studie hat auch Schwächen.

Beine und Füße einer Person auf einem Fußweg
Wohin nach dem Hochschulabschluss? Bildrechte: IMAGO / Westend61

Nach dem Studium in ein neues Bundesland: Das ist der Plan vieler Studierender. Vor allem in Sachsen-Anhalt. Laut einer Studie des Personalvermittlungsunternehmens "Jobvalley" planen nicht einmal die Hälfte der Studierenden, nach ihrem Abschluss in Sachsen-Anhalt zu bleiben. Vor allem die Stadtstaaten Hamburg und Berlin sind Anziehungspunkte.

Seit 2012 befragt Jobvalley gemeinsam mit der Universität Maastricht Studierende, ob sie in dem Bundesland bleiben möchten, in dem sie aktuell studieren. Dabei landet Sachsen-Anhalt regelmäßig auf den hinteren Plätzen, so 2013 mit -67 Prozent und 2015 mit sogar -70 Prozent.

Ausbilden für andere Bundesländer

Für Sachsen-Anhalt bedeutet das, dass Geld in die Ausbildung von jungen Menschen investiert wird, diese dann aber nicht im Land bleiben wollen. Die Studie rechnet vor, dass Sachsen-Anhalt so jedes Jahr rund 312 Millionen Euro verliert – während Hamburg ein Plus von rund 1,2 Milliarden Euro macht. Die "Verlierer"-Länder tragen also die Bildungskosten für die Arbeitskräfte der "Gewinner"-Länder.

Nicht jeder, der will, geht auch

Allerdings sind diese Zahlen nur Schätzungen, da die Kosten für Studierende verschiedener Fachrichtungen unterschiedlich teuer sind, abhängig von der Kursauslastung und den benötigten Maschinen oder Laboren.

Zudem ist die Zahl derjenigen, die das Bundesland verlassen wollen, nicht gleichzusetzen mit denen, die das Land tatsächlich nach ihrem Abschluss verlassen.

Es sei oft davon die Rede, dass Studierende am liebsten in den großen städtischen Standorten wie Berlin, München oder Stuttgart arbeiten wollten, sagt Stefan Theuer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Halle. Allerdings handle es sich nur um die Absichten und Wünsche von Studierenden, die "aber beileibe damit nicht die Realität bei der Erwerbsaufnahme nach dem Studium abbilden."

Das IAB verweist auf eine Studie der Hochschule Anhalt, nach der viele ihrer Alumni in der Region geblieben sind.

Viele neue Studierende aus anderen Bundesländern

Die Hochschulen und Universitäten Sachsen-Anhalts weisen auch darauf hin, dass das Land viele Studierende aus anderen Bundesländern anziehe. Bei diesen sei die Wahrscheinlichkeit eines Wegzuges deutlich höher als bei einheimischen Studenten. Das belegt auch die Studie von Jobvalley und der Universität Maastricht.

Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte dem MDR, die Abwanderung von Hochschulabsolventen aus dem Land zu stoppen, sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Da müssten die Wirtschaft, die Verwaltung und die Politik ran. Sie müssten das künftige Umfeld eines Absolventen oder einer Absolventin attraktiver machen.

Der Fokus von Universitäten liegt laut Christian Tietje, Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, nicht darauf, für den regionalen Arbeitsmarkt auszubilden. "Es ist nicht die primäre Aufgabe einer Universität, für die Region auszubilden, sondern möglichst in europäisch-internationalen Maßstäben. Eine Uni wäre keine Uni, wenn sie nicht für den internationalen Arbeitsmarkt ausbilden würde."

Angebote der Hochschulen

Dennoch bieten viele Einrichtungen Unterstützung für Studierende an, die in der Region bleiben wollen oder es zumindest in Betracht ziehen. Sowohl die Universität Magdeburg als auch die Hochschule-Magdeburg-Stendal und die Hochschule Harz helfen in "Career Centern" ihren Studierenden, im Arbeitsmarkt Sachsen-Anhalts Fuß zufassen. Hierfür kooperiert zum Beispiel die Hochschule Harz nach eigenen Angaben eng mit Unternehmen aus der Region.

Die Uni Magdeburg verweist auf die enge Zusammenarbeit bei Veranstaltungen und Aktionen mit der Industrie- und Handelskammer, der Investitions- und Marketinggesellschaft sowie der Stadt hin.

MDR (Max Schörm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 03. Februar 2022 | 07:00 Uhr

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