Ausbildung In Sachsen sind fast 9.400 Lehrstellen noch frei

Das Lehrstellenangebot für Schulabgänger war in Sachsen seit Jahrzehnten nicht mehr so groß wie jetzt. Jugendliche haben die Qual der Wahl. Unternehmen müssen dagegen ihre Anforderungen an Lehrlinge herunterschrauben, wenn sie einen wenig gefragten Ausbildungsplatz unbedingt besetzen wollen.

In der Werkstatt arbeitet der Auszubildende Tom Zobel am Fahrwerk einer Straßenbahn.
Das Lehrstellenangebot ist für Sachsens Schulabgänger so groß wie nie. Bildrechte: dpa

In Sachsen sind aktuell mehrere tausend Ausbildungsplätze unbesetzt. Laut Zahlen der Arbeitsagentur sind im Freistaat derzeit fast 9.400 Lehrstellen frei, zugleich gebe es aber nur knapp 5.600 unvermittelte Jugendliche. "So eine große Lücke hatten wir noch nie", sagt Agentursprecher Frank Vollgold auf Anfrage von MDR SACHSEN. Zuerst hatte die "Leipziger Volkszeitung" unter Verweis auf die Bundesagentur über das Rekordhoch an Lehrstellen berichtet.

Unternehmen setzen auf Ausbildung

Vollgold spricht von einem heutzutage luxuriösen Ausbildungsangebot für Schulabgänger und einer sehr anspruchsvoll gewordenen Suche nach den passenden Lehrlingen seitens der Unternehmen. Dort setze man immer mehr auf eigene Ausbildung mit dem Ziel, Arbeitsstellen nachzubesetzen, wie Vollgold ausführt. "Es gibt 1.500 Lehrstellen mehr als vergangenes Jahr", sagt er. Mit rund 20.170 Stellen befinde man sich leicht über dem Vor-Corona-Niveau.

Mehr Lehrstellen als Bewerber gibt es demnach in allen Regionen Sachsens. Ein deutliches Plus an Lehrstellen im Vergleich zu 2021 gibt es im Landkreis Bautzen (plus zehn Prozent) sowie in den Großstädten Leipzig (plus elf Prozent) und Dresden (plus 27 Prozent).

Freie Stellen auch im Einzelhandel

Die beliebtesten Berufe der aktuell noch suchenden Jugendlichen sind nach der Statistik des Arbeitsamtes nach wie vor Verkäufer/in, Fachlagerist/in, Kaufmann/-frau im Einzelhandel oder Büromanagement, Kfz-Mechatroniker/in, Tischler/in und Fachinformatiker/in.

Die meisten freien Lehrstellen gibt laut Arbeitsagentur in diesen Ausbildungsberufen:

  • Verkäufer/in
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel oder Büromanagement
  • Zerspanungsmechaniker/in
  • Mechatroniker/in
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Koch/Köchin
  • Elektroniker/in.

Dass selbst bei unter Jugendlichen beliebten Berufen Lehrstellen freibleiben, liege daran, dass Bewerber oder Bewerberinnen nicht auf die Stelle passen, zum Beispiel wegen mangelhafter schulischer Leistungen, erklärt Vollgold.

Ein Koch rührt in einem Topf.
Weniger Jugendliche bewerben sich für die Ausbildung zum Koch. Bildrechte: Colourbox.de

Berufsberater helfen bei der Entscheidung

Gute Chance einzusteigen haben Jugendliche bei weniger bekannten Berufen. Aktuell gibt es fast 30 Ausbildungsberufe, in denen jeder interessierte Bewerber zwischen fünf und 50 freien Lehrstellen wählen kann. Zum Beispiel entfallen auf einen suchenden Auszubildenden im Beruf Mechatroniker für Kältetechnik 20 freie Stellen. Es lohne sich also über den Tellerrand zu schauen, so der Sprecher der sächsischen Arbeitsagentur.

Um Entscheidungen für den beruflichen Werdegang zu erleichtern, bieten Berufsberatungen in allen Arbeitsagenturen ihre Fachkompetenz an. "Jeder Jugendliche, der aktuell noch keinen Lehrvertrag unterschrieben hat, sollte ganz schnell zur Berufsberatung gehen", so Vollgold. Einfach anrufen, Termin machen und eine Stunde mitbringen.

MDR (ama)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 08. August 2022 | 09:00 Uhr

Mehr aus Sachsen