Ja-Worte Heiraten in Sachsen: Das Ja-Wort vor dem Bürgermeister

Der Dresdner Oberbürgermeister kann es und auch sein Kollege in der Nachbarstadt Bischofswerda - doch dem Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens wird es verwehrt: Der Stadtrat will nicht, dass sich der OB zusätzlich mit Eheschließungen befasst. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

Ein Bräutigam steckt einer Braut einen Ring an den Finger
Seit drei Jahren dürfen in Sachsen auch Bürgermeister und Bürgermeisterinnen Ehen schließen. Bildrechte: colourbox

In Bautzen gibt es eine handfesten Streit darüber, ob das Stadtoberhaupt auch Brautpaare ins Eheglück führen darf. Diesen persönlichen Wunsch hat Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) und bereits eine Schulung zum sogenannten Eheschließungsstandesbeamten absolviert. Doch die darauf folgende formale Bestellung durch den Stadtrat wurde ihm verwehrt.

In Bautzen kein Segen vom Stadtrat

Die Bautzener Bürgervertreter konnten sich für diese Zusatzfunktion ihres Oberbürgermeisters gar nicht erwärmen. Sie erteilten ihm im Stadtrat mit 13 Nein-Stimmen, vier Ja-Stimmen und zehn Enthaltungen eine deutliche Absage. Man sehe die Aufgaben des Oberbürgermeisters an anderer Stelle, hieß es. Angesichts des bevorstehenden Strukturwandels wegen des Kohleausstiegs gebe es genug zu tun.

Alexander Ahrens
Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens möchte gern Brautpaare vermählen dürfen - so wie seine Amtskollegen. Bildrechte: imago images / xcitepress

Dass Bürgermeister Kraft ihres Amtes Trauungen vornehmen dürfen, ist in Sachsen relativ neu. Möglich gemacht hat das eine Änderung des sächsischen Personenstandsgesetzes im Oktober 2018. Demnach dürfen nun Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nach einem erfolgreich absolvierten Crashkurs Ehen schließen.

Liebespaare können sich Bürgermeister wünschen

Ein wunderschöne Sache, dachte sich damals Tauchas Bürgermeister Tobias Meier, der den Heiratsbonus bereits von den Bürgermeistern aus Tauchas französischen Partnerstädten Chadrac und Espaly kennt. Meier absolvierte also im Frühjahr 2019 mit weiteren Kollegen den ersten Eheschließungskurs für Bürgermeister in Sachsen.

Tobias Meier, Bürgermeister von Taucha, steht vor dem Rathaus.
Tauchas Bürgermeister Tobias Meier ist einer der ersten, der in Sachsen einen Kurs zum Eheschließungsstandesbeamten gemacht hat. Bildrechte: Stadtverwaltung Taucha

Seither traut Tauchas Bürgermeister auf Anfrage. Bis zu sieben Brautpaare im Jahr seien das, sagt Meier. Pro Zeremonie benötige er maximal vier Stunden Vorbereitung - um die Rede zu verfassen, das Trauzimmer zu gestalten und wieder aufzuräumen. Für ihn kein großer Arbeitsaufwand, wie der 43-Jährige sagt. Bei den Hochzeiten habe er viele schöne, sehr emotionale Momente erlebt. Unter den Paaren war einmal sogar ein Kollege.

Wenn jemand von mir getraut werden möchte, dann mache ich das natürlich gern.

Tobias Meier Bürgermeister von Taucha

in Bitte-nicht-stören-Schild hängt an einer Türklinge im Standesamt
Eheschließungsseminare für Bürgermeister werden beim Landesfachverband für Standesbeamte recht gut gebucht, heißt es vom Verband. Bildrechte: MDR/Susi Brandt

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat seit diesem Jahr die Befähigung zum Eheschluss in der Tasche. Es ist noch recht frisch. Einen Termin für seine erste Trauung gebe es nicht, Anfragen von Paaren lägen aber vor, sagt Anke Hoffmann von der Pressestelle. Trauungen werde der OB aufgrund seiner Aufgaben nur in überschaubarem Maße vornehmen können, betont sie.

Bürgermeister als Joker der Standesämter

Seit 2019 traut auch Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) Liebespaare. Dies geschieht teils auf ausdrücklichen Wunsch des Paares, teils um die Mitarbeiter im Amt zu unterstützen. Die Standesamtschefin sei mit dem Wunsch, im Bedarfsfall einzuspringen, damals an ihn herangetreten, erinnert sich Große. "Jede einzelne der Trauungen war und ist für mich eine ganz besondere Aufgabe, der ich mit Freude nachkomme und die mich als Mensch, Familienvater und 'ersten Bürger' unserer Stadt sehr berührt", sagt der Oberbürgermeister.

Bei Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke) war es ein ganz lieber Freund gewesen, der sich von ihr trauen lassen wollte. Deshalb habe sie die Schulung gemacht, erinnert sich die Lokalpolitikerin. Leider hatte die Liebe dann doch nicht gehalten. Luedtkes erste Trauung war im Mai 2020. Sie sei eingesprungen, weil das Standesamt mit so vielen Sterbefällen zu tun hatte, erinnert sie sich. Später gab es noch eine zweite Hochzeit. "Scheiden lassen ist nicht", sagt Luedtke, die in diesem Jahr ihre Silberhochzeit gefeiert hat.

Ich war vor der Trauung wahnsinnig aufgeregt und danach sehr glücklich.

Simone Luedtke Oberbürgermeisterin von Borna

Bürgermeisterin wird einzige Standesbeamte im Ort

Wer in Kriebstein heiraten will, etwa auf der romantischen Burg, findet im Ort selbst kein Standesamt. Das ist nach Hainichen ausgelagert worden. "Geheiratet wird in Kriebstein trotzdem", sagt Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler). Als einmal alle Standesbeamte in Hainichen ausgebucht waren, reifte bei der Bürgermeisterin die Idee, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Den Kurs hat Euchler erfolgreich absolviert. Jetzt muss sie nur noch zur Eheschließungsstandesbeamtin berufen werden.

Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler
Kriebstein hat kein Standesamt mehr, aber mit Bürgermeisterin Maria Euchler demnächst wieder eine Standesbeamtin. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Kriebstein

Das möchte auch Bautzens Oberbürgermeister Ahrens. Er hat deshalb Widerspruch gegen die Entscheidung des Stadtrates eingelegt und einen Sonderstadtrat einbrufen. Am 10. November muss dieser entscheiden, ob der OB vielleicht doch Zeit für ein paar Ja-Worte übrig haben kann.

Eheschließungsstandesbeamte - Das sächsische Personestandsregister erlaubt seit Oktober 2018, dass Bürgermeister und Beigeordnete Ehen schließen können.
- Vorher muss ein Kurs beim Bundverband oder Landesfachverband der Standesbeamten erfolgreich absolviert werden.
- Beim Landesfachverband haben das bilsang 26 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister getan. Zahlen vom Bundesverband waren nicht verfügbar, aber bei 419 Bürgermeister und Bürgermeisterinnen in Sachsen dürfte noch Luft nach oben sein.
- Städte und Gemeinden bestellen im Anschluss ihrem Gemeindeoberhaupt zum Eheschließungsstandesbeamten.
- Wird das Bürgermeisteramt nicht mehr ausgeführt, erlischt automatisch die Befähigung zur Eheschließung.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 14. Oktober 2021 | 09:30 Uhr

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