Landkreis Bautzen Digitalisierung: Mit dem Tablet zum Rettungseinsatz

Wenn es um Leben und Tod geht, zählen präzise Informationen. Passieren bei der Medikamentendosis oder der unleserlich notierten Vorerkrankung Übermittlungsfehler, kann das schwere gesundheitliche Folgen haben. Deshalb arbeitet das Landratsamt Bautzen seit fast zehn Jahren daran, Rettungseinsätze nicht mehr mit Zettel und Stift, sondern digital zu erfassen. Anfang März ist das System in den Testbetrieb gegangen. Seitdem fahren die Notfallsanitäter mit dem Tablet zum Unfallort.

Rettungswagen im Einsatz
Der Landkreis Bautzen setzt auf digtale Technik bei den Rettungseinsätzen. Bildrechte: dpa

Wenn Notfallsanitäter Guido Haak zu einem Einsatz fährt, ist das Tablet immer mit dabei. Auf der Mittelkonsole des Rettungswagens befestigt, zeigt es die ersten Infos zum Einsatz. Zum Beispiel, ob es ein Verkehrsunfall ist, wieviel Verletzte es gibt und den genauen Ort. Vorbei die Zeit, als Haak auf dem Beifahrersitz hastig die Angaben auf Papier kritzelte. Auch logistische Daten für das Protokoll wie Einsatznummer und Statuszeiten gehörten dazu. Das habe viel Zeit in Anspruch genommen, sagt der Notfallsanitäter. Mit der Umstellung auf die digitale Technik passiere das jetzt alles automatisch.

Wir haben viel mehr Zeit und für den Patienten und demzufolge eine viel höhere Sicherheit

Guido Haak Notfallsanitäter

Schneller zum nächsten Einsatz

So können sich Haak und seine Kolleginnen und Kollegen besser auf die anstehende Rettung vorbereiten und haben auch mehr Zeit, um schockierte Angehörige zu beruhigen. Am Unfallort tippt Haak schließlich noch die Infos zu den Verletzungen der Patienten ins Tablet. Für die Angaben zu Atmung, Kreislauf, Lungenfunktion setzt der Notfallsanitäter Häkchen und trägt die Dosis des verabreichten Schmerzmittels ein.

Auch die notwendige Nachbearbeitung des Einsatzes geht Dank der neuen Technik schneller. Fünf bis zehn Minuten spart er so ein, schätzt Guido Haak. Zeit, in der die Rettungssanitäter schon zum nächsten Einsatz fahren können. Bei jährlich rund 84.000 Rettungseinsätzen im Landkreis Bautzen kommen so viele Stunden Zeitersparnis zusammen.

Größte Baustelle: fehlende Schnittstellen

Aber nicht alles funktioniert schon digital. Während die Daten zur Abrechnung schon via Tablet an die Krankenkassen übermittelt werden, sieht das bei den Berichten für das Krankenhaus noch anders aus. Für den Arzt im Krankenhaus druckt Guido Haak seinen Bericht noch aus, bis zu zehn Seiten können da zusammenkommen. Die scannt dann eine Krankenschwester für die Patientenakte wieder ein. Es fehlen gemeinsame Schnittstellen, sagt Thomas Scheffel, Sachbearbeiter Rettungswesen beim Landratsamt. Das sei die größte Baustelle, mit der man noch zu kämpfen habe.

Leider gibt es kein Netzwerk für die komplette Digitalisierung im Gesundheitswesen. Jeder hat sich auf die Reise der Digitalisierung gemacht, aber ein gemeinsames Netzwerk, dass das abstimmt, gibt es nicht.

Thomas Scheffel Landratsamt Bautzen

So hätten die Krankenhäuser ein digitales System, der Rettungsdienst und die Krankenkassen ein anderes. Auch bei den Landkreisen gebe es Unterschiede. Das mache vieles schwierig, sagt Thomas Scheffel. Hinzu kommen die strengen Datenschutzvorgaben in Deutschland, die die  Entwicklung ausbremsen.

System soll erweitert werden

Fast zehn Jahre und eine halbe Million Euro waren nötig, bis die 450 Notfallsanitäterinnen und -sanitäter im Landkreis Bautzen ihre Berichte nun digital schreiben können. Aktuell wird das System erweitert: Welches Krankenhaus hat freie Kapazitäten? Wo kann der Patient am besten versorgt werden? All das sollen die Notfallsanitäter ab dem kommenden Frühjahr auch von ihrem Tablet ablesen können.

Quelle: MDR/mk/vis

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 29. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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