Autonomes Fliegen Kompetenzzentrum für Drohnen in Kamenz startet durch

In Kamenz hat am Dienstag genau 30 Monate nach seiner Gründung das Kompetenzzentrum für autonomes Fliegen 3D-AERO ein erstes Resümee gezogen: Pilotprojekte fliegen bereits, sind in der Erprobung oder warten auf ihre Umsetzung. Wissenschaftler aus sieben Universitäten, Technikerinnen und Techniker, Software- und Netzspezialisten sowie Logistiker und Architekten aus neun Bundesländern haben sich zusammen getan, um in Kamenz gemeinsam in die Zukunft zu starten.

Drohnenpilot und Mann mit einer Drohne im Zimmer
Eine professionele Drohne im Indoor-Flug bei einer Präsentation in Kamenz. Bildrechte: Uwe Walter

In einem Schulungsraum in Kamenz hat sich eine hochkarätige Truppe versammelt. Jede Wirtschaftsförderung wäre vor Freude in die Luft gesprungen, wenn sie die Teilnehmerliste gesehen hätte. Dem Kamenzer Netzwerk 3D-AERO, das auf dem Verkehrslandeplatz das Kompetenzzentrum für autonomes Fliegen betreibt, ist es gelungen, Professoren oder Vertreter aus sieben Technischen Universitäten, Spezialisten der Luft- und Raumfahrt sowie Techniker aus neun Bundesländern in die Oberlausitz zu locken. Ein Zaungast sagte am Rande des Treffens: "So eine Truppe hätte ich in einem noblen Kongresshotel erwartet, aber nicht in einem schmucklosen kleinen Schulungsraum bei Wasser und Apfelschorle."

Kleinflugzeug in einem Hangar bei Reparatur
Während im Hangar Flugzeuge repariert oder lackiert werden, denken im kleinen Schulungsraum Experten aus neun Bundesländern über die Zukunft der Luftfahrt nach. Bildrechte: Uwe Walter

Drohnen starten im Schulungsraum

Ursprünglich sollte das Treffen im Hangar für Drohentestflüge stattfinden, doch Malerarbeiten verhinderten das. Dieser Hangar in Kamenz ist bundesweit der erste, in dem das Verhalten von Drohnenschwärmen auch innerhalb von Gebäuden getestet werden darf. Stattdessen mussten sich die Experten im Schulungsraum zusammendrängen, um ihre Ergebnisse zu präsentieren.

Die TU Chemnitz zeigte einen Wasserstofftank, der gleichzeitig als Rumpf für Drohnen dienen kann. Dresdner Mobilfunkspezialisten erläuterten anwenderspezifische Funkdatennetze am Beispiel des mobilen 5G-Campus-Netzes am Flugplatz in Kamenz. Im Probebetrieb sind zwei Hybridspeicherkraftwerke eines Spezialisten aus Franken. Sie sollen einmal die sogenannten Vertiports, also die Start- und Landeplätze von Drohnen unabhängig vom Netz mit Energie versorgen.

Vertiports in der Oberlausitz geplant

Die fertige Planung eines Vertiports, also eines Start- und Landeplatzes für Drohnen, wurde zum ersten Mal in Kamenz gezeigt. Der Bau von Ana D' Angelo verzichtet weitgehend auf Stahl und Beton. Stattdessen wird verleimtes Holz verwendet. Der Vertiport ist für neun Drohnen konzipiert, hat Räume für Drohnencontroler, Service, Logistik sowie Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge. Das schlüsselfertige Gebäude soll neun Millionen Euro kosten. Schon der Entwurf des Vertiports hatte in den vergangenen Wochen Aufsehen in Fachkreisen verursacht.

Also, ich fahre mit einer klaren Überzeugung nach Hause, dass unser Produkt unser Konzept angekommen ist. Hoffentlich hilft der große Zuspruch auch bei einer kurzfristigen Realisierung.

Marcus D'Angelo-Kresse Chef der Firma Bautechnik green-Bee

Mann in einem Rep.-Hangar
Marcus D`Angelo-Kresse hofft, dass seine Vertiports nicht nur in der Oberlausitz schnell realisiert werden. Bildrechte: Uwe Walter

Start- und Landemöglichen für Drohnen mit mehr als einer Tonne Nutzlast sind in Kamenz, Nardt, Rothenburg und Görlitz geplant. Diese sind durch eine Art Luftkorridor verbunden, in dem Drohnen versuchsweise hin und her fliegen sollen. Die Experten in Kamenz nennen diesen Korridor 3D-Reallabor. In kleiner Form existiert dieses Reallabor als Streifen auf dem Verkehrslandeplatz in Kamenz.

Eine Landkarte
Den Luftkorridor, durch den Drohnen bald im Versuch schwirren sollen, nennen die Kamenzer 3D-Reallabor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Profi-Drohnen in der Praxis

In den nächsten vier Jahren soll die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) möglicherweise nach Bischofswerda umziehen. Das Netzwerk 3D-AERO sieht hier die Chance, Transportwege mit Drohnen zu optimieren. Statt mit Fahrzeugen sollen Blut- und Gewebeproben per Luftfracht geliefert werden.

Kleinflugzeug vor Doppeldecker AN-2
Historische Doppeldecker und Kleinflugzeuge werden auf dem Flugplatz in Kamenz künftig nur noch eine Nebenrollen spielen. Bildrechte: Uwe Walter

Es ist erstaunlich, wie schnell sich das Kompetenzzentrum auf dem Verkehrslandeplatz Kamenz entwickelt, staunte das Gründungsmitglied des Netzwerkes, Reiner Deutschmann. Für ihn sei das Besondere, dass sich unterschiedliche Partner zusammengetan hätten. Das Netzwerk habe bereits eigene Sensoren für Drohnen entwickelt, um Schwelbrände oder Glutnester zu entdecken.

Wenn man überlegt, was vor zwei Jahren noch sagen wir mal blanke Theorie gewesen ist, können wir jetzt schon in der praktischen Anwendung sehen.

Reiner Deutschmann Netzwerk 3D-AERO

Drohne auf einem Schulungstisch
Eine Drohne mit selbstentwickelten Sensoren, um Gase zu analysieren. Damit können u.a. Schwelbrände frühzeitig entdeckt werden. Bildrechte: Uwe Walter

Drohne soll Sachsens Jägern helfen

Nach Himmelfahrt starte ein weiteres Pilotprojekt. Mithilfe von Drohnen soll die Afrikanische Schweinepest (ASP) eingedämmt werden. "ASP ist eine vordringliche Aufgabe für Behörden. Die müssen alles über die Ausbreitung der Krankheit wissen", sagte Andreas Schuhmann vom Kompetenzzentrum in Kamenz .

Wir sind hier eine Gegend mit einer sehr unüberschaubaren Teich- und Waldlandschaft. Das heißt, wenn sich kranke Tiere oder verendete Tiere im Schilfgürtel zurückgezogen haben, sind sie durch manuelle Suche so gut wie nicht zu finden. Gerade bei der Prävention und auch bei der Bergung können Drohnen helfen.

Andreas Schuhmann Kompetenzzentrum für autonomes Fliegen

Die Drohnen sollen aus der Luft Wildschweinrotten aufspüren, damit die Jäger deren Bestand eindämmen können. Aber auch kranke Tiere, die sich von der Rotte zurück gezogen haben, soll die empfindliche Sensor- und Kameratechnik automatisch ausfindig machen. Nach dem Start wird die Drohne selbstständig - also autonom - das Revier abfliegen und, wenn die Wärmebild-Sensoren ansprechen, Bilder und Daten speichern. Das ermögliche Jägern und Bergetrupps eine bessere, weil erfolgreiche Nachsuche, hieß es.

Job in der Heimat - Drohnenpilot

Übernehmen wird die Arbeit der erste professionelle Drohnenpilot in Kamenz Florian Helm. Der junge Oberlausitzer war schon bei verschiedenen Drohnen-Projekten dabei und hat gerade sein Diplom im Maschinenbau abgeschlossen. Er möchte gerne in Kamenz als Entwicklungsingenieur beim Kompenzzentrums für autonomes Fliegen bleiben.

Drohnenpilot
Florian Helm ist der erste professionelle Drohnenpilot in Kamenz. Der gerade diplomierte Maschinenbauingenieur zeigte im Schulungsraum, wo Drohnen eingesetzt werden können. Bildrechte: Uwe Walter

MDR (uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | RegionalReport Studio Bautzen | 24. Mai 2022 | 16:30 Uhr

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