Uferrutschung Erdrutsch vor einem Jahr: Öffnungstermin für Knappensee weiter ungewiss

Vor einem Jahr rutschte am Knappensee bei Hoyerswerda ein noch unsaniertes Ufer ab. Schnell war klar: Baden, Paddeln und Segeln wird weiter nicht möglich sein. Bald soll entschieden sein, wie es mit dem See weitergeht.

Am Südufer geht die Sanierung des Tagebau-Restlochs weiter. Sie soll hier - wie geplant - in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Am Südufer geht die Sanierung des Tagebau-Restlochs weiter. Sie soll hier - wie geplant - in diesem Jahr abgeschlossen werden. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Marlen Gläßer hat die Vorbereitungen für den Saisonstart in ihrem Ferienpark fast abgeschlossen. Zu Ostern will sie ihren Campingplatz mit Minigolfanlage wieder öffnen. "Es wird die zweite Saison auf einer Baustelle", sagt Gläßer missmutig. Denn ein Jahr nachdem es am gegenüberliegenden Ufer einen gewaltigen Erdrutsch gegeben und eine Schwallwelle Teile des Ferienparks überschwemmt hatte, sind etliche Schäden noch immer nicht beseitigt. Den Stabmattenzaun vor ihrem Wohnbungalow hat Familie Gläßer nur behelfsmäßig mit Kabelbindern festgezurrt.

"Wir haben noch keine Entschädigung bekommen und sind auf unserem Schaden sitzen geblieben", beklagt Marlen Gläßer. Die Familie sei die einzige, die noch keinen Schadenersatz ausgezahlt bekommen hat, teilt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) mit. 14 Betroffene hatten nach dem Erdrutsch Schäden an ihren Grundstücken und Gebäuden gemeldet. Gutachter bezifferten die Schäden auf insgesamt 200.000 Euro. Ende 2021 seien die beglichen worden, sagt ein LMBV-Sprecher. Nur eben bei den Gläßers nicht.

Betroffene Familie: Fehlerhafte Schadensgutachten

Familie Gläßer gibt die Schäden, die ihr entstanden sind, mit 60.000 bis 70.000 Euro an. Die Flutwelle hatte ihren Bungalow unter Wasser gesetzt. Das damals frisch renovierte Zimmer ihrer Tochter sei seitdem unbewohnbar. Als Ausgleich seien ihnen aber nur 40.000 Euro angeboten worden. Gläßers kritisieren, dass das Gutachten zur Schadenshöhe nicht sachgerecht gewesen sei und Fehler enthalten habe. Sie haben dem Oberbergamt neue Gutachter vorgeschlagen. Doch darauf habe die Behörde bislang nicht reagiert.

Die Familie bewohnt den Bungalow seit 2008. "Es sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein, weil unser Wohnhaus im Sperrgebiet lag", erklärt Marlen Gläßer. Doch kurz nach der Rutschung wurde ihr Wohnhaus abgerissen. Deshalb ist das Bungalow nun Gläßers dauerhafter Wohnsitz. Aus dem Gebäude blickt man direkt auf den riesigen Rutschungskessel an der Nordostseite des Sees. Wie es mit dem Bereich weitergeht, ist noch völlig offen.

Marlen Gläßer wartet bis heute auf eine Entschädigung für die Schäden, die eine Schwallwelle nach der Rutschung an ihrem Bungalow verursacht hat.
Marlen Gläßer wartet bis heute auf eine Entschädigung für die Schäden, die eine Schwallwelle nach der Rutschung an ihrem Bungalow verursacht hat. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Sanierungskonzept soll Anfang Mai stehen

Ein Ingenieurbüro erarbeitet aktuell verschiedene Varianten, wie das Ufer dort gesichert werden könnte. Ende April, Anfang Mai sollen die Sanierungspläne dem Oberbergamt zur Bewertung vorgelegt werden. Für die bevorzugte Variante startet dann ein langwieriger Genehmigungsprozess, informiert ein Sprecher der LMBV. Wann der See wieder freigegeben werden könnte, bleibt deshalb unklar. Offen ist auch noch, wie die Sanierungsarbeiten am Rutschungskessel bezahlt werden. Ein Abkommen dazu läuft Ende des Jahres aus.

Vor dem Ferienpark von Familie Gläßer aber drehen sich die Bagger weiter. Ein Kutter bringt Erdmassen. Ein Bagger mit langem Ausleger verteilt die vom See aus am Ufer. Ende des Frühjahrs sollen die Sicherungsarbeiten an den Ufern bei Maukendorf, in der Neubuchwalder Bucht und im Bereich Groß Särchen/Koblenz abgeschlossen sein, plant die LMBV. Dann würden noch die Ufer angeglichen und der Seerundweg wieder aufgebaut.

Die Ufer um den Knappensee bleiben über den Monat April hinaus gesperrt.
Die Ufer um den Knappensee bleiben über den Monat April hinaus gesperrt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Kommunale Vorhaben liegen auf Eis

Die Ungewissheit darüber, ab wann der Knappensee wieder nutzbar sein, bremst die Gemeinde Lohsa. Die Bürger seien ungeduldig, beobachtet Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU). "Wir waren mit unseren Plänen ja schon deutlich weiter." Denn die Gemeinde rechnete fest mit der Seefreigabe in diesem Jahr. Projekte, wie ein Brückenneubau über das Koblenzer Wasser in Koblenz liegen nun auf Eis.

Bürgermeister Thomas Leberecht erhofft sich im Mai Klarheit darüber, ab wann der Knappensee wieder nutzbar sein wird.
Bürgermeister Thomas Leberecht erhofft sich im Mai Klarheit darüber, ab wann der Knappensee wieder nutzbar sein wird. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Auch deshalb bezeichnet Leberecht die Rutschung am Knappensee als "großen Rückschlag". Auch mit der Erarbeitung eines Bebauungsplans für die touristische Weiterentwicklung in Groß Särchen und Koblenz ist die Gemeindeverwaltung in Verzug geraten. Lohsa wollte damit die Voraussetzungen für Investoren schaffen. Ein Zeltplatz oder Ferienhäuser könnten dort beispielsweise entstehen. Noch sei das aber offen. "Hier wird es durch die Unterbrechung hinten raus etwas länger dauern", kündigt Leberecht an.

Vorbereitungen für neues Vereinszentrum kommen voran

Froh ist der Bürgermeister aber, dass Ende vergangenen Jahres zumindest die Bauarbeiten für ein neues Vereinszentrum bei Groß Särchen starten konnten. Dort werden ab Ende März Straßen gebaut und Medien verlegt. Auf den neu erschlossenen Flächen können dann Vereine Ersatz für die Gebäude aufbauen, die für die Sanierung des Knappensees weggerissen wurden. Die Flächen direkt am See seien bereits verkauft. Im Hinterland aber sind noch Grundstücke frei.

MDR (mk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 11. März 2022 | 16:30 Uhr

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