1G statt 2G Kreis Bautzen will allgemeine Testpflicht statt Impf- oder Genesenennachweis

Corona Schnelltest für jedermann
Ein negatives Schnelltestergebnis - Eintrittskarte für Einrichtungen und Angebote, wo derzeit nur Geimpfte und Genesene reinkommen? Das schlägt der Landkreis Bautzen vor. Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Das Landratsamt Bautzen will ab kommenden Montag, 15. November, eine allgemeine Testpflicht einführen und hat dafür beim Sozialministerium ein Modellprojekt eingereicht. Demnach soll im Landkreis mindestens bis Ende Januar 2022 ein 1G-Modell gelten. Das sieht die Öffnung von bisherigen 2G-Angeboten für alle Getesteten vor. Die Testpflicht soll dann auch für alle Geimpften und Genesenen gelten. Damit will die Kreisverwaltung die Infektionszahlen verringern und die Überlastung von Kliniken verhindern.

Das Landratsamt begründet den Vorstoß damit, dass auch Geimpfte das Coronavirus übertragen können. Zwischen 15 und 20 Prozent aller Neuinfektionen im Landkreis Bautzen beträfen Geimpfte, teilte die Behörde mit. Vize-Landrat Udo Witschas hält das "Beharren auf der 2G-Regelung in der Hoffnung auf einen zusätzlichen Impferfolg" als einen "gefährlichen Weg". 1G sei "sinnvoller", sagt Witschas. Das Landratsamt bringt den drastischen Anstieg der Corona-Infektionen mit dem Ende der kostenfreien Bürgertests in Verbindung.

Gesundheitsamt kapituliert

Am Donnerstag meldete das Gesundheitsamt fast 630 Corona-Neuinfektionen. Die 7-Tage-Inzidenz gibt das Robert-Koch-Institut für den Landkreis mit knapp 770 an. Obwohl die Zahl der Mitarbeiter im Gesundheitsamt verdoppelt wurde, kommt das Landratsamt mit der Kontaktnachverfolgung bei Infizierten nicht hinterher. Aktuell bearbeite das Amt einen Rückstand von rund 1.800 Fällen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung.

Deshalb will sich das Gesundheitsamt bei der Ermittlung von Kontaktpersonen nur noch auf Fälle in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen konzentrieren. Darüber hinaus soll es keine Kontaktpersonen-Nachverfolgung mehr geben, schlägt das Landratsamt in seinem Konzept für 1G vor.

Berliner Virologe: "Verantwortungslose" Strategie

Der Berliner Virologe Christian Drosten sieht eine Beschränkung auf eine allgemeine Testpflicht kritisch. Im Corona-Podcast des NDR erklärte er: Massentestungen seien logistisch nicht zu bewerkstelligen. "Man kann doch nicht in einer Notfallsituation Dinge vorschlagen, von denen man eigentlich wissen müsste, dass sie nicht funktionieren werden. Das ist verantwortungslos", sagte Drosten. Er kenne kein Land, in dem bewiesen wurde, dass eine Massentestung eine steigende Inzidenzwelle durchbrechen kann.

Das Modellprojekt des Landkreises Bautzen sei nicht zielführend, sagt der Facharzt für Immunologie Thomas Luther. Er leitet das Medizinische Labor in Bautzen. Der Laborverbund mit weiteren Standorten in Dresden und Görlitz wertet pro Woche 15.000 PCR-Tests aus. Damit sind die Labor-Kapazitäten beinah erschöpft. "Wir sind fast überlastet", sagte Luther. Eine Testpflicht für die Bevölkerung würde sehr viel zusätzlichen Aufwand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oberlausitzer Labore bedeuten. Jeder Bürger, dessen Antigen-Schnelltest eine Corona-Infektion anzeigt, werde mit einem PCR-Test Gewissheit über die Infektion haben wollen. Luther ist dafür, die Labortests sinnvoller einzusetzen, um Infektionsketten zu durchbrechen.

Immunologe: Testpflicht behindert effektive Pandemiebekämpfung

Eine Testpflicht würde nach Ansicht des Immunologen auch dazu führen, dass sich weniger Menschen impfen lassen. Wenn die Leute für den Zugang zu Veranstaltungen und Gastronomie nur noch einen negativen Corona-Test vorzeigen müssten, würden die sich fragen, warum sie sich noch impfen lassen sollen, ist Thomas Luther überzeugt. Dabei sei die Corona-Impfung die effektivste Möglichkeit, das Infektionsgeschehen einzudämmen. Geimpfte hätten eine geringere Viruslast. Die Impfung verkürzt den Zeitraum, in der das Virus weitergegeben werden kann. Immunologe Luther rät deshalb dazu, die Booster-Impfungen zu intensivieren. "Die bräuchten wir aber gar nicht, wenn sich mehr Menschen wenigstens zweimal impfen lassen würden."

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 10. November 2021 | 17:30 Uhr

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