150. Firmenjubiläum Bautzener Orgelbauer plagt Fachkräftemangel

Genug Arbeit für die nächsten zwei Jahre. Die 150 Jahre alte Orgelbaufirma Eule muss sich um ihre Zukunft eigentlich keine Sorgen machen. Gäbe es da nicht ein Problem, das dem Traditionsbetrieb zu schaffen macht.

Orgel in der St. Nikolai Kirche in Leipzig
Sachsens größte Orgel in der Leipziger Nikolaikirche hat der Traditionsbetrieb Eule aus Bautzen von 2002 bis 2004 restauriert. Bildrechte: imago/imagebroker

Rund 700 Kirchen- und Konzertorgeln hat das Bautzener Traditionsunternehmen Hermann Eule Orgelbau in seiner 150-jährigen Geschichte schon gebaut. Die Auftragsbücher sind voll. Doch stellt der Fachkräftemangel die Instrumentenbauer vor große Herausforderungen. Die Abwanderung "hat uns in den letzten drei Jahren schmerzhaft getroffen", sagt Geschäftsführerin Anne-Christin Eule. "Junge Leute, die wir ausgebildet und die Erfahrung haben, orientieren sich beruflich um oder gründen eine Familie und verlassen die Region", beklagt die Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers.

Internationale Belegschaft

Deshalb sucht die zweitgrößte Orgelbaufirma Deutschlands inzwischen europaweit nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Wir beschäftigen zur Zeit zwei Tschechen, einen polnischen Praktikanten, einen Portugiesen, der hier in die Intonation der Orgelpfeifen hineinwächst und unseren Orgelbaumeister aus Korea", sagt Anne-Christin Eule. Mehr als 40 Beschäftigte hat das Unternehmen – darunter einige Quereinsteiger: Schlosser, Zahntechniker, Feinmechaniker, Werkzeugmacher oder Tischler.

In Bautzen gefertigte Orgeln stehen in aller Welt

Pro Jahr werden in dem 1872 gegründeten Traditionsunternehmen 30 bis 40 Register gebaut. Die Instrumente aus Bautzen erklingen in China, in ganz Europa und natürlich auch in der Region. Aktuell restauriert das Unternehmen die Orgel aus dem Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine. Außerdem wird an einer neuen Orgel für das Magdalenen-College in Oxford gebaut.

Hightech in der Königin der Instrumente

Traditionelle Handwerkskunst wird in Bautzen mit Hightech-Elektronik verwoben, sagt ein stolzer Orgelbaumeister Dirk Eule: "Die Orgel im Dresdner Kulturpalast zum Beispiel, die kann ich alleine stimmen. Da brauche ich niemanden, der mir mal eine Taste hält." Eule nutzt dazu eine App auf dem Smartphone. Die Magnetventile über der Tastatur lassen sich so elektronisch ansteuern. "Damit kann ich durch die Orgel gehen und jeden Ton einzeln anspielen, den ich gerade nachstimmen muss", erklärt Dirk Eule.

Lieferengpässe halten Bautzener Instrumentenbauer auf

Nicht nur Mitarbeiter sind im Orgelbau in Ostsachsen rar. Mit der Hochschule Eberswalde erforschen die Bautzener gerade, wie sich Kiefer für den Pfeifenbau nutzen lässt. Hintergrund: Das bisher verwendete Fichtenholz wird wegen der Borkenkäferplage knapper. Auch die Chipkrise bekommen die Bautzener Orgelbauer zu spüren. Den Instrumentenbauern fehlen dadurch Platinen für das Steuerungssystem ihrer Orgeln.

MDR (uwa/mk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 26. Januar 2022 | 16:30 Uhr

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