Wandern & Picknick Der Sächsische Jakobsweg: Pfade, Pilgern und Pause am See

Auf dem Jakobsweg pilgern – das ist spätestens seit Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" kein Geheimtipp mehr. Inzwischen hat das Pilgern auch einen deutlich weniger religiösen Touch als noch vor einigen Jahren. Wer das Pilgern auf dem Jakobsweg einmal ausprobieren möchte ohne extra nach Spanien zu reisen, wo der ursprüngliche Pfad entlangführt, kann auch fast direkt vor der Haustür starten. Durch Sachsen führt der Pilgerpfad auf einer Strecke von mehr als 300 Kilometern. Die MDR SACHSEN-Reporter Katharina Pritzkow und Benjamin Jakob nehmen Sie ein Stück mit.

Sommerserie Urlaub zu Hause Bautzen Jakobsweg
Sie spazieren oder wandern gerne und hätten gerne eine Auszeit von Hektik und Geräuschen der Großstadt? Dann könnte der Sächsische Jakobsweg genau das Richtige sein. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Sommerserie Karte Bautzen Jakobsweg
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Es ist kurz vor 9 Uhr. Eine traumhafte Kulisse dieser Stadt Bautzen mit seinen kleinen verwinkelten Gassen, steinernen Stufen, der Aussicht aufs Wasser. Unter uns fließt die Spree entlang, wir sind umgeben von denkmalgeschützten Häusern. Ein malerischer Startpunkt für unsere heutige Tour und zugleich der Beginn des Sächsischen Jakobswegs.

Auf den Spuren des Apostels Jakobus in Sachsen 2 min
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3.150 Kilometer. So weit müssten wir laufen, um von hier zum eigentlichen Ziel zu kommen: Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Wir werden heute einen Bruchteil davon schaffen – eine halbe Tagestour haben wir uns vorgenommen von Bautzen nach Göda, etwa 12 Kilometer. Das liegt in erster Linie daran, dass es heiß werden soll. 33 Grad sind vorhergesagt, die Sonne hat den blauen Himmel ganz für sich allein. Traumhaftes Wetter für einen Ausflug zum See, für eine ungeübte Wanderin aber keine optimale Ausgangslage.

Pilgerstadt Bautzen

An der Hammermühle in Bautzen beginnt unser heutiger Weg. Hier bekommen wir in einem kleinen Laden eine Karte von Bautzen und gegen eine Spende auch zwei Pilgerpässe. Sie sind ein Muss auf der Tour – nicht nur als Andenken und Beweismittel für spätere Erzählungen, auch um Einlass in private Unterkünfte für Pilger zu erhalten. Und hier erfahren wir auch, dass insgesamt drei Pilgerwege durch Bautzen führen: der Ökumenische Pilgerweg, die Via Regia, der "königliche Weg", der einst eine wichtige Handelsstraße war, und natürlich der Sächsische Jakobsweg.

Der Jakobsweg in Sachsen Der Sächsische Jakobsweg an der Frankenstraße wurde 2013 eingeweiht. Er zweigt in Bautzen bei der Hammermühle von der Via Regia ab. Von dort führt er auf etwa 300 Kilometern über Bischofswerda, Dresden, Freiberg, Chemnitz, Zwickau und Oelsnitz nach Hof.

Es gibt aber auch andere Varianten, die in Königsbrück, Jahnsdorf und Annaberg Buchholz starten.

Wir schultern unsere Rucksäcke, in denen wir einige Liter Wasser, Wechselshirts, Sonnencreme, Kamera und einen Pilgerführer aufbewahren. Es geht quer durch Bautzens Altstadt, vorbei am Dom und dann wieder hinunter an die Spree zur Fischergasse. Von hier lassen wir die Denkmäler der Altstadt hinter uns und folgen dem Flusslauf entgegen der Strömung.

Wanderung Sächsischer Jakobsweg
Eine Karte zeigt uns den Weg durch Bautzen. Die Pilgerausweise sind Stempelkarten und bereichtigen zugleich zum Übernachten in Privatunterkünften. Bildrechte: MDR/Benjamin Jakob

Immer der Muschel nach

Welchen Weg wir gehen müssen, verrät uns der Pilgerführer. Doch der ist eigentlich nicht nötig. Denn immer wieder begegnet uns das charakteristische Symbol des Jakobswegs: die Jakobsmuschel. An Straßenlaternen, unter Schildern und am Wegesrand finden wir immer wieder die gelbe Muschel auf blauem Untergrund, die uns an den Kreuzungen den richtigen Weg weist. Wer sich ganz auf die Wegweiser verlassen möchte, muss also Ausschau halten – ein bisschen wie bei einer Schnitzeljagd.

Wanderung durch Wald und Feld

Gut eine Stunde wandern wir durch einen Wald am Stadtrand Bautzens. Über Stock und Stein geht es den teilweise recht schmalen Pfad entlang. Von der angekündigten Hitze ist da noch nichts zu spüren. Dafür von Ruhe. Eine Handvoll Menschen mit Hunden kommt uns entgegen, an einer seichten Stelle baden Kleinkinder in der Spree, sonst ist es menschenleer. Eine Auszeit von den üblichen Geräuschen der Großstadt.

Doch ganz so idyllisch soll es nicht die ganze Tour bleiben. Direkt hinter Grubschütz ändert sich die Landschaft: Der Weg führt nun vorbei an Straßen sowie Raps- und Weizenfeldern. Auch das ist eine schöne Aussicht: Ähren, die in vollem Korn stehen und auf die Ernte warten. Aber die Sonne scheint schon am späten Vormittag immer erbarmungsloser und Schatten wird irgendwann zur Mangelware.

Wanderung Sächsischer Jakobsweg
Vorbei an üppig bewachsenen Feldern zur gegen 12 Uhr. Wenn das die Mittagsfrau wüsste! Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Achtung, die Mittagsfrau!

Es ist kurz vor dem Mittag, als wir gerade eine Brücke überqueren, wieder zwischen den Feldern wandern und Benjamin auf die Uhr schaut. "Es ist fast 12 Uhr. Da kommt die Mittagsfrau. Eigentlich sollten wir gleich nicht mehr bei den Feldern sein." Er erzählt mir von einer sorbischen Sage, die er als Kind immer wieder gehört hat: Wer mittags zwischen zwölf und ein Uhr noch auf dem Feld ist, der muss sich vor der Mittagsfrau in Acht nehmen, denn sie rafft vor allem Feldarbeiterinnen dahin, die sich nicht an die Arbeitsruhe halten.

Wir halten also Ausschau und haben Glück: keine bösartige Sagengestalt, dafür ein Platz zum Rasten. Unter einer alten Linde am Ortsrand von Oberförstchen steht eine Pilgerbank. Es ist ein Ort extra für die Wanderer des Jakobswegs, ein schattiges Plätzchen, an dem wir uns ausruhen können. In einer Metallschachtel auf dem rustikalen Holztisch befinden sich ein kleines Notizbuch und ein Stift. In das Büchlein haben Pilger vor uns Sinnsprüche, Grüße und manchmal Verse eingetragen. Wir lassen uns viel Zeit für unseren Eintrag – so richtig wollen wir noch nicht weiter. Zu schön ist es, zwischen den tiefhängenden Zweigen der Linde.

Wanderung Sächsischer Jakobsweg
Rast unter einer alten Linde: Die Pilgerbank spendet Schatten. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Das Tagesziel in Sichtweite

Doch der sprichwörtliche Weg ist für uns das Ziel und wir schultern wieder unsere Rucksäcke. Wieder bestimmen Felder die Landschaft, doch auch kleine Ortschaften, die in weniger als zehn Minuten durchquert sind. Inzwischen brennt die Mittagssonne sehr und so ist die Freude groß, als wir das Ortsschild von Göda sichten. Von dort sind es nur noch wenige hundert Meter bis zur Kirche, die wir als unser heutiges Ziel auserkoren haben.

Über die steinerne Treppe an der Seite betreten wir den Friedhof. Hier ist es noch viel stiller als sonst auf unserer Tour. Im Schatten der hohen Bäume gehen wir vorbei an alten Grabsteinen in Richtung Kirche, in der offenbar der Kantor für den nächsten Gottesdienst übt. Geöffnet hat die Kirche an diesem Tag leider nicht, trotzdem warten wir und sind noch einen Moment heimliches Publikum des Konzerts.

Picknick mit Aussicht

Ein gelungener Abschluss für uns zwei Pilger, denken wir, und suchen das nächstgelegene Restaurant auf. Der Hunger ist groß, doch die Suche bleibt erfolglos. Alle Lokale, die wir ansteuern, sind geschlossen, einige dauerhaft. Wir improvisieren und kaufen einige Brötchen, Käse, Weintrauben und Limo im Supermarkt. Am Ende wird es ein Picknick mit Blick auf’s Wasser, abseits der Route und trotzdem unsere schönste Station an diesem Tag.

Sommerserie Geheimtipp Bautzen Jakobsweg
Der krönende Abschluss des Tages: Nach gut 12 Kilometer Wanderung ein spätes Mittagessen am Wasser. Bildrechte: MDR

Adresse und Anreise

  • Adresse: Seidauer Straße 2, 02625 Bautzen
  • Anreise mit Bahn: bis zum Hauptbahnhof Bautzen, von dort zu Fuß durch die Altstadt
  • Parkmöglichkeiten: kostenfrei am Fischerplatz. Direkt an der Hammermühle ist sind Parkplätze rar.

Öffnungszeiten während der Ferien

  • Grundsätzlich kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit mit der Tour starten.
  • Wer vor Ort einen Pilgerausweis besorgen möchte, muss sich an den Öffnungszeiten der Hammermühle orientieren: Dienstag bis Freitag 9 bis 13 Uhr oder nach Vereinbarung.
  • Den Pilgerausweis kann man aber auch vorab online bestellen.

Kosten

  • Pro Person zahlt man 5 Euro für einen Pilgerausweis.
  • Wer möchte, kann auch einen Pilgerführer für knapp 13 Euro kaufen.
  • Die Tour ist kostenlos.

Geeignet für

  • kleine Gruppen
  • Familien mit größeren Kindern
  • Paare
  • Einzelpersonen, die Ruhe suchen

Barrierefreiheit

  • Wegen der schmalen Waldwege und Routen teils über das Feld eher nicht barrierefrei.

Verpflegung

  • Eigenes Essen sollte mitgebracht werden! Viele Restaurants und Imbisse sind dauerhaft geschlossen, Einkaufsmöglichkeiten gibt es nur vereinzelt.

Daran sollte man denken

  • Blasenpflaster, Sonnenschutz und Hut nicht vergessen!

Wenn man schon mal da ist ...

  • ...sollten Sie sich etwas Zeit für die Bautzner Altstadt nehmen.
  • ...lohnt sich auch der Blick auf die Karten-App am Smartphone. Denn abseits des Weges gibt es schöne Rastplätze.

MDR (kp)

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