Straßenneubau Weiterer Spatenstich für Oberlausitzer Jahrhundertprojekt B178n

Mit einem feierlichen Spatenstich ist am Montag in Mittelherwigsdorf begonnen worden, eine weitere Lücke im Neubauprojekt der B178n zu schließen. Die Straße soll die A4 in der Oberlausitz an die deutsch-polnische Grenze anbinden. Das Bauprojekt, das vor 30 Jahren erstmal geplant wurde, ist mit dem neuen Teilstück noch immer nicht vollendet. Die Anbindung an die A4 der B178n bei Weißenberg wird erst noch geplant. Der Straßenneubau ist nicht nur in der Region umstritten.

Frank Süsser (l-r), Referatsleiter Bundesfernstraߟen Nord-Ost, Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, und Saskia Tietje, Präsidentin des Landesamtes für Straߟenbau und Verkehr, stehen bei einem symbolischen Spatenstich auf der Baustelle für den Neubau der Bundesstraߟe 178n zwischen Niederoderwitz und Zittau.
Frank Süsser (l-r), Referatsleiter Bundesfernstraßen Nord-Ost, Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, und Saskia Tietje, Präsidentin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, stehen bei einem symbolischen Spatenstich auf der Baustelle für den Neubau der Bundesstraße 178n zwischen Niederoderwitz und Zittau. Bildrechte: dpa

Mit einem symbolischen ersten Spatenstich ist am Montag bei Mittelherwigsdorf der Neubau der B178n zwischen Niederoderwitz und Zittau gefeiert worden. Der rund sechs Kilometer lange Bauabschnitt ist mit 40 Millionen Euro veranschlagt. "Mit dem Start der Bauarbeiten gehen wir nun in Richtung Zielgerade. Und wir schließen mit dem Neubau des Teilstückes endlich die verbliebene Lücke auf der Strecke Löbau-Süd bis zur deutsch-polnischen Landesgrenze", meint Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD).

Minister Dulig am Rednerpult
Die Vollendung der B178n ist wichtig, meint Verkehrsminister Michael Dulig 23 Jahre nach dem Baubeginn der neuen Trasse. Bildrechte: MDR Sachsen

Die Vollendung dieser Verkehrsader ist für das Gelingen des Strukturwandels und die Lebensqualität der noch vom Durchgangsverkehr betroffenen Gemeinden von großer Bedeutung. Ich hoffe, dass die anstehenden Bauarbeiten nach Plan verlaufen und im Jahr 2025 die ersten Fahrzeuge über diesen Abschnitt rollen.

Martin Dulig Sachsens Verkehrsminister

Skepsis an zeitnahem Bauende - Erste Planungen begannen im Jahr 1992

Anwohner sind skeptisch, was die Zielgerade betrifft, denn seit 1992 arbeiten sich die Behörden an der B178n ab. Am 22. Februar 1999 erfolgte der erste Spatenstich für den Neubau der Trasse. In Zittau wurde damals die sogenannte Nordspange gebaut, um den grenzüberschreitenden Verkehr an Zittau vorbei auf die B178n zu leiten. Doch 23 Jahre lang endete die Nordspange im Nichts. Nun wird in weiteren drei Jahren der Anschluss an die neue Bundesstraße vollendet.

Befürworter: "Lebensader" soll Aufschwung für Oberlausitz bringen

Die B178n sei eine wichtige Verbindungsachse zwischen der A4 und der Bundesgrenze Deutschland/Polen/Tschechien und habe als wichtigste Nord-Süd-Verbindung nicht nur für die Oberlausitz, sondern auch für den europäischen Binnenverkehr eine außerordentliche Bedeutung. So argumentieren bis heute die Befürworter der Trasse, zu denen auch viele Unternehmer aus dem Zittauer Dreiländereck gehören oder gehörten. Die Befürworter hofften damals, dass über die - auch als Lebensader bezeichnete - B178n der Aufschwung in die Oberlausitz rollt.

LKW auf Bundesstraße
Die alte B178 führt durch zahlreiche Ortschaften, die durch den Schwerverkehr belastet sind. Doch die neue Lebensader der Oberlausitz - die B178n - wird in drei Jahren immer noch nicht an die A4 angebunden sein. Bildrechte: MDR Sachsen

Gegner kritisieren Streckenverlauf und Kosten

Gegner - darunter Bauern, Jäger und Naturschützer - kritisieren unter anderem den Streckenverlauf und vor allem die Kosten. Sie verweisen auf die unmittelbar benachbarten Bundesstraßen 96 und 99. "Wir brauchen keine vierte Bundesstraße", ist vielerorts zu hören gewesen. Es wurde gefordert, nicht nur die alte B178 auszubauen, sondern in diesem Zusammenhang auch Ortsumfahrungen - beispielsweise in Herrnhut - zum Wohle der Anwohner an der B96 und B99 entstehen zu lassen. Doch die Gegner konnten sich mit ihren Argumenten nicht durchsetzen - auch nicht bei der B178n.

Drohnenblick auf B178n + Landschaft
Seit 1992 wird die neue Trasse für die B178n geplant und noch immer sind zwei große Abschnitte nicht fertiggestellt. Bildrechte: MDR Sachsen

B178n beliebtes Thema für Lokal-Satiriker

Das Oberlausitzer Liedermacherduo "PSCHYBBO & RETHKO" hat in einem Song das Bauprojekt auf die Schippe genommen und damit einen regionalen Hit gelandet: "B178 - keen Anfang, keen Ende, die wird nie fertig, die wird ne Legende!"

Die Neubautrasse wurde in acht Bauabschnitte aufgeteilt, von denen mittlerweile sechs fertiggestellt sind - aber nicht vierspurig, wie ursprunglich geplant, sondern über weite Teile nur dreispurig. Das Verkehrsaufkommen blieb weit unter den Prognosen. Andere, besser ausgebaute und fertiggestellte Nord-Süd-Verbindungen haben sich inzwischen etabliert.

Das bisherige Ende der B178n
Satiriker haben schon Oberlausitzer zum Subbotnik aufgerufen, um gemeinsam mit Hacke und Spaten die B178n fertigzustellen. Bildrechte: MDR Sachsen

Schon der Streit um die Drei- oder Vierspurigkeit war ein großes Thema bei Lokal-Satirikern. Ebenfalls ein beliebtes Thema: "Wie sich die Behörden die Zuständigkeiten bei der B178n zuschieben." Einzelheiten oder Fertigstellungstermine sorgten in den vergangenen Jahren nicht nur an Stammtischen sondern auch bei Bürgerversammlungen betroffener Orte für Heiterkeit.

Karte B178 Neu
Die neue Trasse der B178 - bislang fehlen im Norden die A4-Anbindung und im Süden der Anschluss an die Zittauer Nordspange. Bildrechte: MDR / Torsten Kügler

Mehr als 18 Jahre Planungszeit für Abschnitt Niederoderwitz - Zittau

Schon im Jahr 2018 beklagte der damals zuständige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Hartmut Mangold, die lange Planungszeit von 14 Jahren für den Abschnitt Niederoderwitz bis Zittau. Mehrfach musste der Abschnitt aufgrund der Landwirtschaft, der Landschaftschutzverbände und geologische Besonderheiten neu gedacht werden. Nach 18 Jahren Planungszeit sagt Verkehrsminister Martin Dulig beim symbolischen ersten Spatenstich am Montag: "Viel Arbeitskraft, unzählige Arbeitsstunden von Planern, Bauunternehmen, Verwaltungen, Politik, aber auch von Bürgern, Verbänden und Genehmigungsbehörden und weiteren Akteuren stecken in diesem Gesamtvorhaben." Für die Geduld bedankte sich der sächsische Verkehrsminister.

Der Neubau der B 178 zeigt, dass Verkehrsplanung und Straßenbau längst nicht mehr das bloße Errichten von Straßen ist, sondern eine vollumfängliche Auseinandersetzung mit den Belangen aller Beteiligten, der Natur und allen Schutzgütern, die durch den Straßenverkehr beeinträchtigt werden. Für die Geduld möchte ich allen Beteiligten danken.

Martin Dulig (SPD) Sachsens Verkehrminister

Neue Trasse dreispurig mit insgesamt sechs Brücken

Die neue Trasse wird, wie auch die benachbarten Abschnitte, nur drei Fahrspuren haben. Fünf Brücken führen die neue Bundesstraße ins Zittauer Dreiländereck. Eine 61 Meter breite Grünbrücke soll den Lebensraum beiderseits der Trasse verbinden. Die sogenannte Wildbrücke soll Tieren den sicheren Wechsel zwischen ihren angestammten Revieren ermöglichen.

Kipper und Baumaschinen in Aktion
Sechs von acht Bauabschnitten der B178n sind fertig. Jetzt beginnen die Bauarbeiten zwischen Niederoderwitz und Zittau. Sie sollen in drei Jahren abgeschlossen sein. Bildrechte: MDR Sachsen

Geduld weiterhin gefragt - letzter Bauabschnitt in Planung

Die Oberlausitzer Autofahrer müssen sich wahrscheinlich weiter in Geduld üben, denn wann der Anbindung an die Autobahn 4 erfolgt, steht weiter in den Sternen. Wie das Verkehrsministerium mitteilte, soll In der zweiten Jahreshälfte der Antrag auf Planfeststellung bei der Landesdirektion Sachsen gestellt werden. Dann müssen die Unterlagen öffentlich ausgelegt werden. Falls es keine Einwände gibt - was bei der umstrittenen Trassenführung zwischen Nostitz und der A4 bei Weißenberg eher unwahrscheinlich ist - könnte der Planfeststellungsbescheid für den verbliebenen Bauabschnitt in knapp zwei Jahren vorliegen. Wahrscheinlicher ist, dass das deutlich länger dauert. Die sächsische Politprominenz wird wohl nicht mehr in dieser Legislaturperiode zum Spaten greifen, um die B178n zu vollenden.

Walze und Bagger beim Straßenbau
Hier wird am vorletzten Abschnitt der B178n gearbeitet. Wann der Letzte zwischen Nostitz und Weißenberg zur A4 folgt, ist noch immer unklar. Bildrechte: MDR Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten Studio Bautzen | 23. Mai 2022 | 09:30 Uhr

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