Kunststreit Görlitz verlangt Budget für Kunstinstallation zurück

Der Streit um die in Görlitz abgebaute Installation "Kulisse" hat ein Nachspiel. Der Künstlerin Lisa Maria Baier liegt eine Zahlungsaufforderung von der Stadt vor. Es geht um 9.000 Euro.

Lisa Maria Baier, Künstlerin, sitzt in ihrem Atelier.
Lisa Maria Baier hat eine Zahlungsaufforderung von der Stadt Görlitz auf dem Tisch. Bildrechte: dpa

Die Erschafferin der Installation "Kulisse" steht vor einem neuen Problem. Nachdem Lisa Maria Baier ihr umstrittenes Kunstwerk in Görlitz abbauen musste, hat sie nun eine Zahlungsaufforderung auf dem Tisch. Die 33-Jährige soll das Geld zurückzahlen, das ihr die Stadt für die Umsetzung des Projektes innerhalb der Ausstellung "Görlitzer Art" zur Verfügung gestellt hatte. Es geht um 9.000 Euro.

Budget steckt in der Installation

"Das ist nicht gerecht", meint Baier. Das Geld habe sie schließlich ins Kunstwerk gesteckt. Unter anderem seien 1,5 Tonnen Holz verbaut worden. Anfangs habe sie diese Zahlungsaufforderung gar nicht ernstnehmen wollen, sagt die gebürtige Görlitzerin, die mittlerweile in Dresden wohnt. Doch inzwischen liege ihr Fall bei der städtischen Rechtsabteilung, wie sie auf Nachfrage im Dezernat des Kulturbürgermeisters Michael Wieler erfahren habe.

Ich werde das Geld nicht zurückzahlen. Das ist ein schlechtes Zeichen - auch für die Frauenbewegung in Polen.

Lisa Maria Baier Freischaffende Künstlerin

Auch Baier hat jetzt eine Rechtsanwältin eingeschaltet. Die Rechnung sei ein "Nachtreten" nach dem Gerichtsprozess um das Kunstwerk, den sie gegen die Stadt verlor, findet die Künstlerin. Für sie handle es sich um "sehr viel Geld", was sie zahlen soll. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN bei der Stadt Görlitz wollte sich dort niemand zur Sache äußern. "Wir sind in einem laufenden Verwaltungsverfahren und können zu Einzelheiten derzeit keine Auskunft geben", heißt es in einer Mail.

Streit um Kunst mit unbequemer Aussage

In diesem Sommer war ein heftiger Streit zwischen der Künstlerin und dem Görlitzer Kulturbürgermeister um die Installation "Kulisse" entbrannt. Denn das bei Baier von der Filmstadt Görlitz bestellte Werk enthielt nicht nur das Thema Kino, sondern auch spontan eine politische Botschaft. Die Künstlerin und Feministin griff das verschärfte Abtreibungsverbot im Nachbarland Polen auf. Setzte man sich auf einen der fünf Kinosessel ihrer Holzinstallation, blickte man auf ein Banner, auf dem auf Polnisch "aborcja bez granic" stand, zu Deutsch: "Abtreibung ohne Grenzen". 

Die Frage war damals, wie viel Kunstfreiheit sich Baier bei ihrem Auftragswerk erlauben durfte. Die Parteien zogen vor Gericht und gingen durch alle Instanzen. Letztlich wurde der Stadt Görlitz Recht gegeben und die Installation musste entfernt werden.

Quelle: MDR(ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 10. Dezember 2021 | 17:30 Uhr

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