Wirtschaftsförderung Görlitz soll "Grenzbonus" behalten

Görlitz hat in den vergangenen Jahren wirtschaftlich enorm aufgeholt. Auch wegen seines Status als Höchstfördergebiet. Die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Görlitz, Andrea Behr, spricht im Interview mit MDR Aktuell über die Notwendigkeit der Maßnahme.

Luftbild Görlitz/Zgorzelec
Görlitz, die zu Sachsen gehörende Stadt an der Neiße, trägt gemeinsam mit dem polnischen Stadtgebiet Zgorzelec den Titel "Europastadt". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Görlitz hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Imagegewinn zu verzeichnen. Auch wirtschaftlich haben sich Stadt und Region erfolgreich entwickelt. Gleichzeitig stehen sie vor großen Herausforderungen. Wie sie dem Strukturwandel und den Veränderungen im Industriesektor begegnen, darüber hat die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Görlitz, Andrea Behr, im Interview mit MDR Aktuell gesprochen.

Görlitz soll Höchstfördergebiet bleiben

Für Görlitz und den Landkreis sei es sehr wichtig, den Status als Höchstfördergebiet im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" zu behalten, betont Wirtschaftsförderin Andrea Behr. "Das heißt, bei uns bekommen kleine, mittlere und große Unternehmen zehn Prozent mehr Zuschuss, eine nicht rückzahlbare Förderung, wenn sie sich hier ansiedeln,“ erläuterte Behr. In den nächsten Wochen soll dazu eine neue Entscheidung anstehen.

Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) Die GRW ist ein gesamtdeutsches Fördersystem. Ziel ist es, strukturschwache Regionen zu unterstützen, Standortnachteile bei Investitionen auszugleichen und Anreize zur Schaffung von Einkommen und Beschäftigung zu setzen.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Rasante Entwicklung durch Status als Höchstfördergebiet

Der Status als Höchstfördergebiet sei ein wesentlicher Grund, warum sich die Stadt und die Region in den vergangenen Jahren rasant hätten entwickeln können. Bezeichnend sei der familiengeführte Mittelstand, der von der Lebensmittelbranche über die Textilindustrie bis zu Autoausstattern reiche. Eine besondere Entwicklung sehe sie auch im IT-Bereich, wo sich zum Beispiel die Niiio AG um die Börse der Zukunft kümmere. Mit den Unternehmen seien auch neue Arbeitsplätze für die Region entstanden. Daneben seien auch große internationale Unternehmen am Standort vertreten – mit Siemens Energy oder Birkenstock, das mit 1.900 Mitarbeitern der größte Arbeitsgeber vor Ort sei.

Andrea Friederike Behr, Geschäftsführerin, Managing Director Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH
Andrea Behr ist die Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH. Bildrechte: Pawel Sosnowski

Neue Ansiedlung erwartet

Andrea Behr erklärte, sie erwarte in den nächsten Wochen die Neuansiedlung eines internationalen Dienstleistungsunternehmens. Sie gehe fest von einer Realisierung aus, auch wenn sie derzeit keine Details nennen dürfe. Wichtig für den Standort sei aber auch der Forschungsbereich. Da sei CASUS, das deutsch-polnische Center für Systemforschung der Helmholtzgesellschaft, eine Bereicherung, so die Wirtschaftsförderin.

Strukturwandel ist große Herausforderung

Den Strukturwandel, auch vor dem Hintergrund eines früheren Kohleausstiegs, sieht Behr als große Herausforderung. Hier habe Görlitz wie andere Kommunen auch vor allem das Thema Flächenbedarf. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft bekomme mehr Anfragen nach Industrieflächen als sie zur Verfügung habe. Ebenso sei auch hier der Fachkräftebedarf gefragt. Durch die Lage im Dreiländereck habe man aber auch die Chance, seit längerem auch Arbeitskräfte aus den Nachbarländern wie Polen einzubeziehen.

Zur Zukunft von Alstom und der Sorge um mögliche Arbeitsplatzverluste zeigte sich Behr optimistisch. Man könne vielleicht auch neue Wege finden, auch wenn man das Thema nicht kleinreden dürfe, und es zu Einschnitten kommen könne. 

Gleichzeitig gebe es im Rahmen des Strukturwandels beachtliche Fördermöglichkeiten, unter anderem im Verkehrs- und Forschungsbereich. Dies komme den Unternehmen wie auch Stadt und Landkreis zugute. Für eine gute wirtschaftliche Zukunft müsse man über die Stadtgrenzen hinausdenken und gemeinsam für die Region Konzepte entwickeln.

Zur Person Andrea Behr ist die Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH. Das Unternehmen wurde 2007 als 100-%ige Gesellschaft der Stadt Görlitz gegründet. Ihr Ziel ist nach eigener Darstellung die Stabilisierung und Stärkung des Wirtschaftsstandortes Görlitz. Mit der bewussten Vereinigung der drei ineinandergreifenden Ressorts Standortmarketing, Wirtschaftsförderung und Tourismusmanagement prägt die Gesellschaft unter einem Dach eine integrierte Standortvermarktung, die für effizienten Mitteleinsatz und zahlreiche Synergieeffekte steht. Das Unternehmen tritt an, um die Stadt bei Investoren, Fachkräften, Touristen und Studenten sowohl bekannter zu machen als auch die positiven Markenwerte im Bewusstsein ihrer Zielgruppen stabil positiv zu verankern.

Das komplette Interview mit Andrea Behr

Quelle: MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 24. August 2021 | 21:00 Uhr

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