Energiereserve Stillgelegter Kohle-Kraftwerksblock in Jänschwalde wieder am Netz

In der Lausitz hat der Energiekonzern Leag einen Kraftwerksblock aus DDR-Zeiten wieder in Betrieb genommen. Damit soll die Stromversorgung über die Herbst- und Wintermonate abgesichert werden.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde auf.
Aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde steigt wieder mehr Dampf auf. Von sechs Kraftwerksblöcken sind fünf wieder in Betrieb. Bildrechte: dpa

Der erste von zwei stillgelegten Blöcken des Kraftwerks Jänschwalde liefert wieder Strom. Das teilte der Energiekonzern Leag mit. Der 500 Megawatt-Block war 2019 vom Netz genommen und als Reserve für Notsituationen vorgehalten worden. Um Gas zu sparen, wird in dem Block nun wieder Braunkohle verstromt. Das soll helfen, die Versorgung über die Wintermonate abzusichern.

Auch der zweite stillgelegte Block wird nach Angaben der Leag derzeit für die Wiederinbetriebnahme vorbereitet. "Ziel ist, ihn Ende nächster Woche am Netz zu haben", sagt Unternehmenssprecherin Kathi Gerstner. Weil derzeit genug Energie aus Wind und Sonne gewonnen wird, sei der Druck nicht so groß diesen letzten Block auch schon einsatzbereit zu haben.

Der Tagebau Welzow-Süd ist ein Braunkohletagebau in der südlichen Niederlausitz im Landkreis Spree-Neiße und wird von der Lausitz Energie Bergbau AG betrieben.
Die Kohle für den Betrieb des Kraftwerkblocks E kommt hauptsächlich aus dem Tagebau Welzow. Weil in den Lausitzer Tagebauen zur Versorgung des Kraftwerks jetzt mehr Kohle gefördert werden muss, hat die Leag zusätzliche Bergarbeiter eingestellt. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Für einen länger andauernden Betrieb hat die Leag beide Kraftwerksblöcke in den vergangenen Monaten technisch aufwändig instandsetzen lassen. Bis zu 200 neue Mitarbeiter sollten für Kraftwerk und Tagebau zusätzlich eingestellt werden. Der Großteil der Stellen sei inzwischen vergeben. Es würden aber weiter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht.

Sondererlaubnis für Schadstoffausstoß

"Die Sicherheitsbereitschaft war Neuland für Braunkohlenkraftwerke", sagt Kraftwerksleiter Andreas Thiem. "Noch nie wurden funktionstüchtige Braunkohlenkraftwerksblöcke stillgelegt, um sie nach Bedarf wieder ans Netz zu bringen." Nach Unternehmensangaben könnten die beiden Kraftwerksblöcke bis zu 2,5 Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

Die Kraftwerksblöcke E und F in Jänschwalde erfüllen jedoch aktuelle Umweltstandards nicht mehr. Daher benötigte die Leag vor dem Wiederanfahren eine Sondererlaubnis. Eine Nachrüstung war dem Unternehmen zufolge nicht schnell genug umsetzbar. Vergangene Woche hatte das Landesumweltamt Brandenburg die Ausnahmegenehmigung für den Betrieb der beiden Blöcke erteilt – zunächst befristet bis 30. Juni 2023.

Betrieb zunächst bis Mitte 2023 befristet

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hatte die Rückkehr klimaschädlicher Kohlekraftwerke mit Blick auf den Klimaschutz wiederholt als bittere Nachricht bezeichnet. Die Rückkehr sei aber wegen der Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf die Gasversorgung unvermeidlich.

Eine Rolle rückwärts will die Bundesregierung in der Rückkehr der Kraftwerke nicht sehen. Die Ampel-Koalition strebt einen früheren Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030 an. Dieses Ziel solle nicht angetastet werden, hieß es. Bisher ist der Kohleausstieg bis spätestens 2038 beschlossen.

Leag-Sprecherin: Kein früherer Kohleausstieg in der Lausitz

Der Energiekonzern RWE hatte diese Woche angekündigt, bis 2030 komplett aus der Braunkohleverstromung auszusteigen, acht Jahre früher als geplant. Die Entscheidung sei Bestandteil einer Verständigung mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung, teilte das Essener Unternehmen mit. Die Leag sieht sich dadurch nicht veranlasst ihre Ausstiegspläne anzupassen. "Für uns gilt, was im Kohleausstiegsgesetz steht", bekräftigt Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. Dort ist das Jahr 2038 als Enddartum für die Kohleverstromung vereinbart.

Die Sprecherin verweist auf den hohen Investitionsbedarf für einen Umstieg auf regenerative Energiegewinnung. Die Leag wolle jährlich eine Milliarde Euro dafür ausgeben. Unter anderem plant der Energiekonzern riesige Solarparks auf ehemaligen Tagebauflächen aufzubauen. Das Geld dafür soll aus dem aktuellen Kerngeschäft kommen – der Braunkohle-Verstromung.

MDR (dpa/mk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 06. Oktober 2022 | 15:30 Uhr

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